Unterricht: Weltwirtschaftskrise 1929 – Anfang vom Ende der Weimarer Republik?

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 markierte einen einschneidenden Wendepunkt für die Weimarer Republik. Massenarbeitslosigkeit brach aus, radikale Parteien stiegen auf, die Demokratie wurde ausgehöhlt. Vor diesem Hintergrund eignet sich eine Unterrichtsstunde zur Problemfrage, inwiefern die Weltwirtschaftskrise den Anfang vom Ende der Weimarer Republik einleitete.

Einordnung in die Unterrichtsreihe

Das problemorientierte Thema „Weltwirtschaftskrise 1929 – Anfang vom Ende der Weimarer Republik?“ ist Teil der übergeordneten Unterrichtsreihe „Warum scheiterte die Weimarer Republik?“ . Als Lernziel sollen die Schülerinnen und Schüler die multikausalen Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik herausarbeiten und diese anschließend durch eine eigenständige Stellungnahme gewichten. Auf diese Weise wird bei den Lernenden schwerpunktmäßig die Urteilskompetenz gefördert, weil sie die wichtigsten Aspekte der Weimarer Republik miteinander verknüpfen und ihre Zusammenhänge deuten müssen. Als Reiheneinstieg diente die Analyse eines Historikerurteils, anhand dessen die Lernenden die benannten Gründe für das Scheitern von Weimar herausarbeiten und in einer Mindmap visualisieren sollten. Diese Mindmap wird seitdem als Strukturierungshilfe genutzt und auf Grundlage der weiteren Unterrichtsstunden fortlaufend ergänzt. In der ersten Stunde erfolgte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Novemberrevolution – eine gebremste Revolution?“. Anschließend untersuchten die Lernenden die Bestimmungen des Versailler Vertrags und beurteilten auf Grundlage zweier kontroverser Historikerurteile, inwiefern bei diesem von einem „gerechten Frieden“ gesprochen werden kann. In der dritten Stunde arbeitete die Lerngruppe die wichtigsten Artikel aus der Weimarer Verfassung heraus, charakterisierte sie und beurteilte, ob es sich um eine „wehrhafte Demokratie“ gehandelt habe. Es folgte eine Stunde zum „Krisenjahr“ 1923, für die drei exemplarische Quellen analysiert und hinsichtlich des Stundenthemas eingeordnet wurden. Die Stunde zur Weltwirtschaftskrise 1929 ist in den übergeordneten Reihenkontext eingebettet, indem die SuS die Zusammenhänge und den Einfluss auf das Scheitern der Weimarer Republik untersuchen sollen.

Kernanliegen der Stunde

Indem die SuS die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Weltwirtschaftskrise 1929 erarbeiten und miteinander verknüpfen (Methodenkompetenz), erkennen sie die ökonomischen Missstände dieser Zeit (Sachkompetenz) und können beurteilen, inwiefern diese den Anfang vom Ende der Weimarer Republik eingeleitet haben (Urteilskompetenz).

Sachanalyse

Der New Yorker „Börsenkrach“ am 24. Oktober 1929 markierte für das internationale Finanzwesen einen einschneidenden Wendepunkt. Die Aktienkurse brachen rapide ein, immer mehr Anleger verkauften ihre Wertpapiere. Dieses als „Schwarzer Freitag“ bezeichnete Ereignis hatte nicht nur für die USA, sondern auch für Europa gravierende politische und wirtschaftliche Folgen. Grund dafür waren insbesondere die zurückgezogenen Kredite der USA, mit denen vor allem Deutschland im Rahmen des 1924 verkündeten Dawes-Plans unterstützt worden war. Es folgten ein enormer Produktionsrückgang und eine beispiellose Massenarbeitslosigkeit. Damit verbunden war eine politische Krise, die die parlamentarische Demokratie zunehmend aushöhlte und radikalen Parteien zu neuem Aufschwung verhalf. Die Große Koalition brach im Jahr 1930 auseinander, da sich die Fraktionen nicht hinsichtlich der Arbeitslosenversicherung einigen konnten. Da regierungsfähige Mehrheiten immer unwahrscheinlicher wurden, rückte Reichspräsident Paul von Hindenburg in den Mittelpunkt der Politik, indem er fortwährend von den Artikeln 25 und 48 Gebrauch machte. Die nun regierenden „Präsidialkabinette“ waren nicht mehr von der parlamentarischen Mehrheit gedeckt und entzogen sich auf diese Weise einer demokratischen Kontrolle. Die „Deflationspolitik“ des Reichskanzlers Brüning, die staatliche Ausgaben begrenzte und Löhne und Sozialleisten kürzte, verschlechterte die wirtschaftliche und soziale Situation zunehmend. Die daraus resultierenden Folgen der Weltwirtschaftskrise führten schließlich am 30. Januar 1933 zu Hitlers Ernennung zum Reichskanzler.

Methodisch-didaktisches Vorgehen

Einstieg

Im Einstieg wird der Lerngruppe eine Sequenz der Dokumentationsreihe „100 Jahre – Das Jahr 1929“ präsentiert. Anbei erhalten die SuS ein vorstrukturiertes Arbeitsblatt, auf dem sie parallel die Ursachen und den Verlauf der Weltwirtschaftskrise von 1929 notieren sollen. Im Anschluss werden die erarbeiteten Ergebnisse im Plenum gesichert und hinsichtlich der Problemfrage, welche Folgen jenes Ereignis für die Weimarer Republik haben könnte, diskutiert.

Erarbeitung

Für die Erarbeitung verteilt die Lehrkraft einen Quellentext zu Brünings Deflationspolitik, aus dem die SuS in Einzelarbeit die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Reichsregierung herausarbeiten sollen. Auf dem Arbeitsblatt sind entsprechende Hilfen für wichtige Fachtermini bereitgestellt. Schnellere SuS erhalten eine binnendifferenzierende Zusatzaufgabe, für die sie Vermutungen darüber aufstellen sollen, inwiefern die Deflationspolitik die politische Krise der Weimarer Republik verstärken könnte.

Sicherung/Diskussion/Transfer

In der Sicherungsphase werden die Schülerergebnisse im Plenum besprochen und per OHP/Dokumentenkamera transparent dargestellt. Anschließend stellt die Lehrkraft einen Rückbezug zur Problemfrage her und leitet über zur Diskussion, inwiefern die mit der Weltwirtschaftskrise verbundenen Auswirkungen auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft den Anfang vom Ende der Weimarer Republik bedeuten könnten. Im Rahmen dieser Beurteilung erfolgt ein Transfer bzw. eine Einordnung in den übergeordneten Reihenkontext zum Scheitern der Weimarer Republik, für die die SuS ihre bereits erstellte Mindmap aufgreifen können.

(Hinweis: Es handelt sich um einen beispielhaften Unterrichtsentwurf. Es fehlen Angaben zur Lerngruppenanalyse, zum Kernlehrplan und didaktischen Schwerpunkt, weil diese sich je nach Bundesland, Schule und Fachleitung individuell unterscheiden.)

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 08.03.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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Fabio Schwabe und Christopher Schwab