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Problemorientierung


Damit Geschichte als ein Denkfach unterrichtet werden kann, muss der Unterricht problemorientiert gestaltet sein. Probleme sensibilisieren die Schülerschaft für einen historischen Gegenstand und motivieren sie zu Lösungsvorschlägen, um diese Probleme beheben zu können.

Theoretischer Zugang

Die Problemorientierung verwandelt einen historischen Gegenstand in ein konkretes Thema. Erst dadurch wird Geschichte von einem Lern- zum Denkfach, weil die Probleme analysiert und gelöst werden müssen. Ferner ermöglicht sie eine straffe Unterrichtsstruktur, indem sich die Lernenden an einem „roten Faden“ orientieren können. Gemeinsam mit der Gegenwartsorientierung hilft die Problemorientierung bei der Formulierung einer historischen Leitfrage. Problemorientierte Themen können aus exemplarischen Alltagsbeispielen, geschichtskulturellen Kontroversen oder den sogenannten Schlüsselproblemen generiert werden. Am Ende einer Unterrichtsstunde sollten die Lernenden zu einem begründeten Sach- und Werturteil gelangen.

Konsequenzen für den Unterricht

Um eine problemorientierte Geschichtsstunde zu gestalten, muss die Lehrkraft einen historischen Gegenstand in ein Thema verwandeln und dieses mit der Lebenswelt der Lerngruppe verknüpfen. Auf diese Weise kann im Einstieg eine Leitfrage formuliert werden, die die Lernenden motiviert und ihnen eine kritische Auseinandersetzung ermöglicht. In der Erarbeitungsphase sollten Materialien bereitgestellt werden, die verschiedene Perspektiven zum Thema eröffnen. Multiperspektivität und Kontroversität sind demzufolge die Grundlage für eine problemorientierte Geschichtsstunde. In der Sicherungs- und Vertiefungsphase sollen die Lernenden die unterschiedlichen Perspektiven vergleichen und – mit Hinblick auf die Leitfrage – ein begründetes Sach- und Werturteil fällen.

Praxisbeispiel für den Unterricht

Als Praxisbeispiel für den problemorientierten Geschichtsunterricht eignet sich eine Kontroverse aus der Geschichtswissenschaft. Anhand der Leitfrage „Die Weimarer Republik – von Anfang an zum Scheitern verurteilt?“ – können verschiedene Perspektiven auf die Gründung, Verfassung, Innen- und Außenpolitik und der Auflösung eingenommen werden. Die offen und kritisch gestellte Leitfrage veranlasst die Schülerinnen und Schüler zu selbstständigen Urteilen. Am Ende der Unterrichtsstunde- oder reihe sollte der Lerngruppe deutlich gemacht werden, dass verschiedene Faktoren das Ende der Weimarer Republik begünstigten und der Weg in den Nationalsozialismus keine zwingende Folge hätte sein müssen.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 4. Januar 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 22. August 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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