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Reisebericht Christoph Kolumbus über die Eingeborenen der „Neuen Welt“


Am frühen Morgen des 12. Oktobers 1492 ertönte aus dem Mast des Schiffes von Christoph Kolumbus der Ruf: „Land in Sicht!“. Die Ereignisse unmittelbar nach der Entdeckung der „Neuen Welt“ hat Kolumbus in einem Logbucheintrag festgehalten:

Samstag, den 12. Oktober [1492]

Um 2 Uhr morgens kam das Land in Sicht […]. Wir holten alle Segel ein […] und warteten bis zum Anbruch des Tages, […] an welchem wir zu einer Insel kamen, die in der Indianersprache „Guanahani“ hieß.
Dort erblickten wir […] nackte Eingeborene. Ich begab mich […] mit dem Kapitän der Niña an Bord eines mit Waffen versehenen Schiffes an Land. Dort entfaltete ich die königliche Flagge […] und unseren Blicken bot sich eine Landschaft dar, die mit grün leuchtenden Bäumen bepflanzt und reich an Gewässer und allerhand Früchten war.
Ich rief die Kapitäne [meiner Schiffe] und alle anderen, die an Land gegangen waren, […] zu mir und [befahl] ihnen, […] davon Kenntnis zu nehmen, dass ich im Namen des Königs und der Königin [von Spanien] von der genannten Insel Besitz ergreife [und die Insel San Salvador taufe].
Sofort sammelten sich […] zahlreiche Eingeborene der Insel an.
In der Erkenntnis, dass es sich um Leute handle, die man besser durch Liebe als mit dem Schwerte retten und zu unserem heiligen [katholischen] Glauben bekehren könne, gedachte ich sie mir zu Freunden zu machen und schenkte […] ihnen […] Halsketten aus Glas und andere Kleinigkeiten von geringem Wert, worüber sie sich ungemein erfreut zeigten. […] Sie […] brachten uns Papageien, Knäuel von Baumwollfaden […] und andere Dinge, die sie mit dem eintauschten, was wir ihnen gaben, wie Glasperlen und Glöckchen. […] Mir schien es, als litten sie Mangel an allen Dingen.
[Männer und Frauen] gehen nackend umher […] und alle, die ich erblickte, waren jung […]. Dabei sind sie alle sehr gut gewachsen, haben einen schön geformten Körper und gewinnende Gesichtszüge. Sie haben dichtes, struppiges Haar, das fast Pferdeschweifen gleicht, und das über der Stirn kurz geschnitten ist. […] Einige von ihnen bemalen sich […] mit roter, weißer oder einer anderen Farbe. [E]inige bestreichen damit nur ihr Gesicht oder die Augengegend […], andere bemalen ihren ganzen Körper.
Sie führen keine Waffen mit sich […] und sie besitzen keine Art Eisen. Ihre Spieße sind […] an der Spitze mit einer Art Fischzahn […] versehen. Im Allgemeinen haben sie einen schönen Wuchs und anmutige Bewegungen. […] Sie müssen gewiss treue und kluge Diener sein. [Ü]berdies glaube ich, dass sie leicht zum Christentum übertreten können, da sie allem Anschein nach keiner Sekte angehören.
[Ich] werde bei meiner Rückfahrt [nach Spanien] sechs dieser Männer mit mir nehmen, um sie Euren Hoheiten [den Königen von Spanien] vorzuführen, damit sie die Sprache [Spaniens] lernen.

Am darauffolgenden Tag, dem 13. Oktober, schrieb Christoph Kolumbus folgenden Eintrag:

Ich beachtete alles mit größter Aufmerksamkeit und trachtete herauszubekommen, ob in dieser Gegen Gold vorkomme.
Dabei bemerkte ich, dass einige von diesen Männern die Nase durchlöchert und durch die Öffnung ein Stück Gold geschoben hatten. Mit Hilfe der Zeichensprache erfuhr ich, dass man gegen Süden fahren müsse, um zu einem König zu gelangen, der große goldene Gefäße und viele Goldstücke besaß. Ich versuchte nun, sie zu bewegen, mich dahin zu begleiten, doch musste ich späterhin einsehen, dass sie sich weigerten, dies zu tun.

Auszüge zitiert nach: Berger, Friedemann (Hg.): Christoph Kolumbus. Dokumente seines Lebens und seiner Reisen. Mainz 1991, S. 104-108.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 9. Oktober 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 9. Oktober 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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