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Jean-Paul Marat über die Fortsetzung der Revolution


Infolge der im Jahr 1789 ausgebrochenen Französischen Revolution wurde Frankreich zu einer konstitutionellen Monarchie und unveräußerliche Menschen- und Bürgerrechte verabschiedet. Die radikalen Sansculotten strebten allerdings eine Fortsetzung der Revolution an, da sie soziale und politische Rechte für die Unterschichten forderten. Dafür sprach sich Jean-Paul Marat, Sprachrohr der Sansculotten und Herausgeber der Zeitung „Ami du Peuple“ , in einer Rede vor dem Nationalkonvent am 10. August 1792 aus:

Marat über die Fortsetzung der Revolution

Fürchtet die Reaktion, wiederhole ich euch; eure Feinde werden euch nicht schonen, wenn die Würfel wieder zu ihren Gunsten gefallen sind. Deshalb keine Gnade! Rettungslos seid ihr verloren, wenn ihr euch nicht beeilt, die verfaulten Mitglieder des Stadtrates und des Departements, alle vaterlandsfeindlichen Friedensrichter und die brandigsten Mitglieder der Nationalversammlung auszumerzen. Ich sage, der Nationalversammlung, und welchem unseligen Vorurteil, welcher verhängnisvollen Rücksichtsnahme zuliebe sollte sie geschont werden? Unaufhörlich predigt man euch, dass alle sich um sie scharen müssten, so fehlerhaft sie auch sei. Mit anderen Worten, ihr sollt euren Fuß auf eine zugedeckte Fallgrube setzen und sie Sorge für euer Schicksal Verbrechern überlassen, die entschlossen sind, euren völligen Untergang herbeizuführen. Bedenkt, die Nationalversammlung ist euer furchtbarster Feind; solange sie aufrecht steht, wird sie nicht ruhen, euch zu verderben. Und gerade solange, wie ihr Waffen in den Händen habt, wird sie euch schmeicheln und durch falsche Versprechungen einzulullen suchen. Heimlich jedoch wird sie daran arbeiten, eure Anstrengungen zu durchkreuzen, und, wenn sie ihr Ziel erreicht hat, euch dem Schwert gedungener Schergen überantworten: erinnert euch an das Marsfeld!

Niemand verabscheut Blutvergießen mehr als ich; aber um zu verhindern, dass das Blut in Strömen fließt, dringe ich in euch, einige Tropfen zu vergießen. Um die Pflichten der Menschlichkeit mit der Sorge für die öffentliche Sicherheit in Einklang zu bringen, schlage ich euch daher vor, die gegenrevolutionären Mitglieder des Stadtrates, der Friedensrichterkollegien, des Departements und der Nationalversammlung auszumerzen. Wenn ihr davor zurückschreckt, so denkt daran, dass das heute vergossene Blut ganz umsonst geflossen sein wird und ihr für die Freiheit nichts erreicht haben werdet.

Zitiert nach: W. Grab (Hg.), Die Französische Revolution. Eine Dokumentation, München 1973, S. 118.

Verfasst von Fabio Schwabe

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