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Quellenverweise

Brief Heinrichs IV. an Papst Gregor VII. (Hildebrand)

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Im 11. Jahrhundert war es zwischen dem Kaiser und Papst zu einem Konflikt um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich gekommen, der als Investiturstreit bekannt wurde. Da Papst Gregor VII. dem deutschen König Heinrich IV. mit dem Kirchenbann drohte, berief Heinrich im Januar 1076 einen Hoftag zu Worms ein. Dort verfasste Heinrich einen Brief, der direkt an Papst Gregor VII. gerichtet war und ihn darin spöttisch mit dessen Namen „Hildebrand“ ansprach. Er forderte ihn auf, vom apostolischen Stuhl abzutreten. Dieses Schriftstück hatte harte Konsequenzen für Heinrich, weil der Papst ihn für abgesetzt erklärte, über ihn der Kirchenbann verhängt wurde und er sich davon in Canossa lösen musste. In den Briefen Heinrichs ist diese Quelle schriftlich festgehalten worden (Nr. 11, S. 62 ff):

Brief Heinrichs IV. an Papst Gregor VII.

Heinrich, von Gottes Gnaden König, an Hildebrand.

Während ich bisher das von dir erwartete, was dem Verhalten eines Vaters entspricht, und dir in allem zur großen Entrüstung unserer Getreuen gehorchte, habe ich von dir eine Vergeltung erfahren, wie sie nur von jemandem zu gegenwärtigen war, der der verderblichste Feind unseres Lebens und unserer Herrschaft ist. Denn nachdem du mir zunächst die gesamte erbliche Würde, die mir jener Stuhl schuldet, in vermessenem Beginnen entrissen hattest, gingst du noch weiter und versuchtest, mir das italienische Reich durch die schlimmstem Machenschaften zu entfremden. Und auch damit nicht zufrieden, hast du dich nicht gescheut, an die verehrungswürdigen Bischöfe Hand anzulegen, die als die liebsten Glieder mit uns vereint sind, und gegen göttliches und menschliches Recht hast du sie, wie sie selbst sagen, mit den hochmütigsten Beleidigungen und den bittersten Schmähungen taktiert. Da ich alles mit einiger Geduld hingehen ließ, hieltest du dies nicht für Geduld, sondern für Feigheit und wagtest es, dich gegen das Haupt selbst zu erheben und ließest verbreiten, was dir ja bekannt ist, nämlich – um deine eigenen Worte zu gebrauchen – daß du entweder sterben oder mir Seele und Herrschaft nehmen wolltest.

Diese unerhörte Verhöhnung glaubte ich nicht mit Worten, sondern durch die Tat zurückweisen zu müssen, und ich hielt einen Hoftag mit allen Fürsten des Reiches auf deren eigene Bitten hin ab. Sobald das an die Öffentlichkeit gebracht wurde, was man bisher aus Scham und Ehrfurcht verschwiegen hatte, da wurde auf Grund der wahrheitsgetreuen Darlegungen dieser Fürsten verkündet – du kannst sie aus ihrem eigenen Schreiben entnehmen -, daß du auf keinen Fall mehr auf dem apostolischen Stuhl bleiben kannst. Da ihr Spruch vor Gott und den Menschen gerecht und billigenswert schien, stimmte auch ich zu und spreche dir jedes Recht, das du bisher am Papsttum zu haben schienst, ab: auf Grund des Patriziats über die Stadt Rom, der mir als von Gott gewährt und infolge der beschworenen Zustimmung der Römer zusteht, befehle ich dir, von ihrem Thron herabzusteigen.

Zitiert nach: Die Briefe Heinrichs IV. Nr. 11, S. 62 ff, übersetzt von F.-J. Schmale, in: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.): Geschichte in Quellen, Mittelalter, Band 2, München 1975, S. 296 f.

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