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Phasen der Europäischen Integration


Die Wurzeln der Europäischen Union als supranationaler Staatenverbund von derzeit 28 Mitgliedsstaaten liegen in der 1945 begonnenen Nachkriegszeit. Die erste Etappe der europäischen Integration markierte die Gründung der Montanunion im Jahr 1951. Im Jahr 1957 erfolgte eine Erweiterung zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Durch den Vertrag von Maastricht 1992 erhielt das europäische Projekt offiziell den heutigen Namen der EU.

Folgen des Zweiten Weltkriegs

Der Zweite Weltkrieg hatte in Europa ein Ausmaß verheerender Zerstörung bewirkt. Für einen ersten Ansatz europäischer Zusammenarbeit sorgte das erneuerte deutsch-französische Verhältnis. Frankreichs Außenminister Robert Schuman machte am 9. Mai 1950 den Vorschlag, die gesamte französische und deutsche Stahl- und Kohleproduktion unter einer gemeinsamen Behörde zu stellen. Trotz der französischen Skepsis gegenüber den Erfahrungen des Nationalsozialismus wurde eine wirtschaftliche Zusammenarbeit befürwortet. Auf deutscher Seite orientierte sich Bundeskanzler Konrad Adenauer infolge der Westintegration eng an der westlichen Staatenwelt. Ein weiterer Grund für das Zusammenwachsen der westeuropäischen Staaten war der aufkommende Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Die Sorge vor einer Ausbreitung des sowjetischen Kommunismus führte demzufolge eine verstärktes Zusammengehörigkeitsgefühl herbei.1

EGKS und Römische Verträge

Am 18. April 1951 wurde von Frankreich, BRD, Belgien, Italien, Luxemburg und den Niederlanden die Montanunion (auch Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) gegründet. Mit dieser Organisation wurde die gemeinsame Kohle- und Stahlproduktion unter die Aufsicht einer Hohen Behörde gestellt. Die im Jahr 1957 verabschiedeten Römischen Verträgen erweiterten dieses Projekt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und EURATOM. Mit der EWG sollte ein freier gemeinsamer Markt ohne Binnenzölle verwirklicht werden. In dieser Zeit gab es außerdem Verhandlungen über eine Europäischen Verteidigungsgemeinschaft. Da Frankreich im Jahr 1954 jedoch ein Veto einlegte, scheiterte dieser Versuch.2

EG-Fusionsvertrag

Die in den 1950er Jahren gegründeten Organisationen führten in den 1960er Jahren zu einer weiteren europäischen Integration. Der am 1. Juli 1967 erfolgte EG-Fusionsvertrag verschmolz die EGKS, EWG und EURATOM zu den Europäischen Gemeinschaften (EG). Ein Jahr später wurde die Zollunion gegründet. Im Jahr 1971 initiierte der Ministerrat erste Vorschläge für die Einführung einer Wirtschafts- und Währungsunion. Zwei Jahre wurden Großbritannien, Irland und Dänemark in die EG aufgenommen. Bis auf Großbritannien gründeten die EG-Mitgliedsstaaten 1978 das Europäische Währungssystem, um Kursschwankungen zwischen den einzelnen Währungen zu begrenzen. Als gemeinsame Verechnungseinheit wurde die ECU eingeführt.3

Schengener Abkommen

Infolge der 1968 gegründeten Zollunion wurden alle Binnenzölle zwischen den EG-Staaten abgeschafft. Mit dem Schengener Abkommen von 1985 fielen darüber hinaus auch die Grenzkontrollen zunehmend weg. Seitdem konnte der zwischenstaatliche Reiseverkehr erleichtert werden. Die EG wurden in den 1980er Jahren um die südeuropäischen Staaten Griechenland, Portugal und Spanien erweitert. Die Einheitlichen Europäischen Akte von 1987 legte ein umfassendes Reformpaket dar – bis 1992 sollte der europäische Binnenmarkt verwirklicht und die Organisationen der EG zunehmend supranational gestaltet werden.

Vertrag von Maastricht

Das Ende des Kalten Krieges und die deutsche Wiedervereinigung 1989/90 sorgten für eine historische Wende. Mit dem am 7. Februar 1992 unterzeichneten Vertrag von Maastricht wurde die Europäische Union gegründet. Dies bewirkte eine engere Verflechtung auf mehreren Politikfeldern. In Bildung, Kultur, Gesundheit, Justiz sowie Sicherheitspolitik wurden die politischen Strukturen vereinheitlicht. Im Jahr 1995 wurde das EU-Gebiet um die Länder Finnland, Schweden und Österreich erweitert. Die Verträge von Amsterdam (1997) und Nizza (2000) trugen zu einer Reform der EU-Struktur bei. Am 1. Januar 1999 wurde der Euro in 12 von 15 EU-Staaten als einheitliches Zahlungsmittel – zunächst als Buchgeld, 2002 auch als Bargeld – eingeführt. Für eine flächendeckende Vergrößerung des EU-Gebietes sorgte die EU-Osterweiterung, durch die im 2004 zehn Staaten aus Mittel- und Südosteuropa – 2007 auch Bulgarien und Rumänien, 2013 Kroatien – der EU beitraten.4

Vertrag von Lissabon & Eurokrise

Aufgrund des vergrößerten Territoriums und komplexeren Anforderungen wurde im Jahr 2004 eine EU-Verfassung angestrebt. Frankreich und die Niederlande legten gegen diesen Vorschlag allerdings ein Veto ein. Der Vertrag von Lissabon baute die Kompetenzen des Europäischen Parlaments in Gesetzgebungsverfahren weiter aus. Die 2010 eingesetzte Eurokrise markierte im Rahmen der Europäischen Integration eine tiefgreifende Zäsur. Infolge der seit 2015 thematisierten „Flüchtlingskrise“ steht das politische System der EU vor schwierigen Herausforderungen, die infolge eines 2016 durchgeführten Referendums den zukünftigen EU-Austritt Großbritanniens zur Folge haben wird.

Verfasst von Fabio Schwabe

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