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Deutschland im Vormärz

Der sogenannte Vormärz bezeichnet die Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Revolution 1848/49. In diesen Jahren formierten sich Menschen aus dem gebildeten und besitzenden Bürgertum zu einer deutschen Nationalbewegung. Deren größten Ziele waren die Gründung eines deutschen Nationalstaats mit Freiheits- und Grundrechten. Die adeligen Fürsten versuchten deren Forderungen so weit wie möglich zu unterdrücken.

Restauration und Wiener Kongress

Nachdem Napoleons Vorherrschaft über Europa 1815 endgültig beendet war, begründete der Wiener Kongress eine neue Friedensordnung. Wichtiger Bestandteil war vor allem die Restauration, durch die Napoleons eingeführten Reformen in den besetzten deutschen Staaten weitgehend zurückgenommen werden sollten. Für die deutschen Einzelstaaten war mit dem Deutschen Bund ein loser Staatenbund gegründet worden, der für Frieden und Gleichgewicht sorgen sollte. Die europäischen Fürsten Preußens, Österreichs und Russland verbündeten sich in der Heiligen Allianz. Damit sprachen sie sich gegenseitige Unterstützung im Kampf gegen liberale und nationale Bewegungen zu. Dieses Bündnis begründeten sie im Namen des Christentums, demzufolge die Herrschaft der Fürsten „von Gott legitimiert“ sei.

Nationalismus und Liberalismus

Napoleons Besatzungszeit hatte große Spuren hinterlassen. Die Zusammenlegung der Kleinstaaten zu größeren staatlichen Einheiten und die politischen Reformen nach dem Ideal von Menschenrechten und Freiheit hatten riesige Umwälzungen zur Folge. Nachdem die französischen Truppen infolge der Befreiungskriege zwischen 1813 und 1815 zurückgedrängt werden konnten, entstand zugleich ein deutsches Nationalbewusstsein. Durch diese Ereignisse entwickelten sich nach 1815 der Nationalismus und Liberalismus zu politischen Strömungen, die die Zeit des Vormärz prägen sollten.

Ereignisse im Vormärz

Enttäuscht von den Beschlüssen auf dem Wiener Kongress schlossen sich nach 1815 Studenten und Professoren des Bürgertums in Burschenschaften und Turnvereinen zusammen. Auf dem Wartburgfest 1817 bekundeten ihre Forderungen nach Freiheit und nationaler Einigung. Durch die Karlsbader Beschlüsse 1819 geriet diese Bewegung für einige Jahre ins Stocken, weil ihre Anhänger mit härtester Gewalt verfolgt und unterdrückt wurden. Erst mit dem Ausbruch der Julirevolution 1830 in Frankreich erwachte die Nationalbewegung wieder. Zu den Höhepunkten dieses Zeitraums gehörten das Hambacher Fest, der Frankfurter Wachensturm und der Protest der Göttinger Sieben.

Die Revolution 1848/49

Die aufstrebende nationale und liberale Bewegung mündete 1848 in einer europäischen Revolution. Ausgehend von der Februarrevolution 1848 in Frankreich breiteten sich die Unruhen zunächst auf den Südwesten und wenig später auf den gesamten Deutschen Bund aus. Infolge der Märzrevolution versprachen die Reformen und billigten die Einführung einer ersten deutschen Nationalversammlung. Dort debattierten verschiedene politische Gruppen – Liberale, Demokraten und Konservative – über die Gründung und Gestalt eines Nationalstaates. Die Revolutionäre wurden aber infolge der Konterrevolution durch die Fürsten wieder zurückgedrängt, sodass 1849 die alte Ordnung wiederhergestellt wurde. Die 1850er und 1860er Jahre prägte dann der Deutsche Dualismus zwischen Preußen und Österreich um die Vormacht über den Deutschen Bund.

Wie ist eure Meinung – war der Vormärz eine wichtige Etappe im Prozess der deutschen Einigung im 19. Jahrhundert?

Verfasst von Fabio Schwabe

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