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Augustinus: Vom Gottesstaat


Mit Augustinus von Hippo begann eine neue Dimension der Staatstheorie. Der Kirchenvater stützte seine politischen Ideen auf Bibelzitate und stellte damit das Christentum in den Mittelpunkt. Augustinus‘ Werk „De civitate dei“ (Vom Gottesstaat) definierte das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat grundlegend neu und interpretierte jedes politische Handeln im Sinne der Religion. Dies wurde charakteristisch für das Leben im Mittelalter.

Historischer Kontext

Augustinus wuchs in einer Zeit auf, als das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion erhoben wurden und zunehmend politischen Einfluss gewann. Er studierte Rhetorik in Karthago, entschied sich 386 für eine Bekehrungserlebnis und wurde 395 Bischof in Nordafrika. Unterdessen geriet das Römische Reich in eine tiefe Krise. Nachdem Rom 410 durch die Westgoten erobert worden war, kam die Frage auf, wie das Christentum auf den anbahnenden Staatszerfall des römischen Staates zu reagieren habe. In diesem Kontext entschied sich Augustinus für eine politische Staatstheorie, die im Sinne des Christentums ausgelegt wurde. Diese Idee formulierte er in seiner Schrift „De civitate dei„.

De civitate dei

Um das Christentum trotz der gegenwärtigen politischen Krise zu stärken, fasste Augustinus den Begriff der Politik neu auf. Er betrachtete das menschliche Handeln auf Erden als Übergangszeit zwischen dem Sündenfall und dem Jüngsten Gericht. Der Mensch steuere auf ein Ziel an, an dem er dem himmlichen Reich beitreten werde. Gesetze im Staat deutete Augustinus aus theologischer Perspektive. In einer politischen Ordnung würde der Wille Gottes mit Hilfe von Institutionen ausgeführt werden. Da jedes Individuum von der Erbsünde geprägt sei, müsse es im Sinne einer von Gott legitimierten Herrschaft regiert werden. Ohne festgelegte Regeln könne der Mensch sein Seelenheil nicht finden. Unter diesen Gesichtspunkten bezeichnete Augustinus auch Sklaverei und Folter als legitim, da sie die Menschen aus ihrer Erbsünde befreien würden.

Nachwirkungen

Augustinus‘ theologische Schrift „De civitate dei“ stellte die christliche Gottesherrschaft auf eine neue Grundlage. Er trennte die Welt in einen geistlichen und weltlichen Teil auf. Die Menschen in einem Staat unterstehen dem Willen Gottes und befinden sich lediglich in einem Zwischenstadium zur Erlösung im Seelenheil. Politik verstand sich in den Jahrhunderten des Mittelalters als göttliches Gebot und wurde von der Kirche stark beeinflusst. Selbst Gewalt und Krieg wurden durch diese Grundideen gerechtfertigt, wenn sie auf „Gottes Willen“ beruhten. Von dieser Idee leitete sich später das Gottesgnadentum ab, auf das sich die Kaiser, Könige und Fürsten bis ins 19. Jahrhundert hindurch stützten.

Verfasst von Fabio Schwabe

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