Platon: Politeia

Von Platon stammt die erste berühmte Staatstheorie der abendländischen Welt. Aus den Erfahrungen der Athenischen Demokratie im 5./4. Jhd. v. Chr. entwickelte er das Modell eines Idealstaates, in dem jedem Bürger ein sinnvoller Platz zugeteilt werde. In der Politeia teilte er den Staat in drei Teile auf, die wiederum den Bedürfnissen der menschlichen Seele entsprachen und somit für Gerechtigkeit sorgen sollten.

Athenische Demokratie

Die Athenische Demokratie diente der politischen Philosophie Platons als Vorlage. Er erlebte das Todesurteil seines Lehrers Sokrates und kam daraufhin zu dem Entschluss, dass die Demokratie eine schlechtes politisches System sei. Er bemängelte, dass Politiker ihre Bürger zu einem bestimmten Handeln überreden und Meinungen formen wollen. Die individuelle Freiheit der Demokratie habe dazu geführt, dass ungeeignete Personen sich an der Politik beteiligen dürften und daher keine gerechte Ordnung hergestellt werden könne. Dies veranschaulichte er anhand seines Schiffsgleichnisses, demzufolge das Volk einen weisen und klugen Anführer bedürfe, um den richtigen Weg finden zu können. Nur auf diese Weise könne eine politische Einheit hergestellt werden.1

Der Ständestaat

Als Gegensatz zur Athenischen Demokratie entwarf Platon den idealen Ständestaat, der entsprechend der drei menschlichen Seelenteile – Vernunft, Tapferkeit und Begierde – in drei Stände aufgeteilt ist. Im Stand der Begierde ist der Nährstand – Bauern, Kaufleute und Handwerker – vertreten. Dem Seelenteil Tapferkeit ist der Wehrstand zuzuordnen, der über die Einhaltung der Regeln und Pflichten wachen soll. An der Spitze der Gesellschaft – der Vernunft – sollen Philosophen stehen, da sie aufgrund ihres Wissens über die notwendigen Kompetenzen der Politik verfügen. In diesem Idealstaat ist jedem Mensch ein entsprechender Platz zugeordnet. Auf diese Weise soll Gerechtigkeit hergestellt werden, in dem jedes Individuum seinen bestmöglichen Beitrag zum Gemeinwesen leistet.2

Politeia

Die staatstheoretischen Ideen, wie ein gerechter Idealstaat verwirklicht werden könne, veröffentlichte Platon am Ende des 5. Jhd. in der Politeia. Neben der Einteilung der Gesellschaft in drei Stände sprach er sich dafür aus, dass der Wehrstand und Herrschende Stand auf Privateigentum und Familie verzichten sollen. Die Erziehung der Kinder komme allein dem Wehrstand zu, um sie zu gehorsamen und idealen Staatsbürgern machen zu können. Platons zentrales Element ist die Idee des Guten, die nur von den Philosophen entdeckt werden könne. Dies verdeutlichte er mit seinem Höhlengleichnis. Demzufolge komme seiner Ansicht nach nur den Philosophen das Recht auf Politik zu, da sie über das notwendige Wissen für eine optimale Staatsführung verfügen. So wie Krankheiten von Ärzten geheilt und Schuhe von Schustern repariert würden, müsste auch Politik den Experten überlassen werden. Und dafür komme nur der Philosoph in Frage.3

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 17.01.2018 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 20.02.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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