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Thomas Hobbes: Leviathan


1651 veröffentlichte der englische Philosoph Thomas Hobbes sein Werk „Leviathan“. In dieser staatstheoretischen Schrift reagierte er auf die zeitgenössischen Religionskriege in Europa. Hobbes entwickelte die Idee, dass Frieden und Ordnung nur durch eine starke Zentralgewalt gewährleistet werden könnten. Er sprach sich für einen Vertrag zwischen Herrscher und Untertanen aus, durch den ein sicherer Rechtszustand und dauerhafter Frieden ermöglicht werde.

Historischer Kontext

Thomas Hobbes erlebte in den 1640er Jahren den englischen Bürgerkrieg, der ihn zur Entwicklung einer neuen Staatstheorie veranlasste. Europa war in dieser Zeit von Religionskriegen – dem Dreißigjährigen Krieg – erschüttert und die Kirche als politischen Akteur in eine Krise gestürzt. Die chaotischen und unsicheren Zustände erforderten eine starke Autorität, die das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten neu definierte. Hobbes entschied sich während seines Exils für eine neue Art von Politik: Die Untertanen sollen mit ihrem Monarchen – dem „Leviathan“ – einen Vertrag eingehen, damit dieser sie beschützen könne.

Grundideen

Hobbes vertrat die Auffassung, dass sich die Menschen ohne staatliche Ordnung im Naturzustand befänden. Diese würden für das eigene Überleben kämpfen und seien sich daher gegenseitig gefährlich – „homo homini lupus„. Zwar verfüge jedes Individuum über ein Naturrecht; da dieses aber für alle gelte, könne keine allgemeine Sicherheit garantiert werden. Es herrsche ein „Krieg aller gegen alle“. Aufgrund dessen plädiert Hobbes für einen Vertrag, der zwischen den Untertanen und dem Monarchen geschlossen werden soll. Jedes Individuum trete darin sein Naturrecht an den Souverän ab, damit dieser für Recht und Ordnung sorgen könne. Nur diese übergeordnete souveräne Macht sei in der Lage, den unsicheren Naturzustand – und die Gefahr von Bürgerkriegen – zu verhindern.

Leviathan

Das 1651 erschienene Werk „Leviathan“ gehört zu den bedeutendsten Schriften des Thomas Hobbes. Er schrieb darin über das Verhältnis der Menschen untereinander, der Menschen zum Staat und des Staates zur Kirche. Hauptmerkmal dieser Staatstheorie ist die Begründung des Souveräns, der über das staatliche Gewaltmonopol verfügen solle. Dadurch könne dauerhafter Frieden und Sicherheit unter den Individuen ermöglicht werden, indem nun ein übergeordneter „Leviathan“ über das Wohl seiner Untertanen wacht. Hobbes sprach darüber hinaus der Kirche eigene politische Kompetenzen ab. Vielmehr solle der Souverän über die Religion seiner Untertanen bestimmen, da nur so der dauerhafte Glaubenskonflikt zwischen Katholiken und Protestanten unter Kontrolle zu halten sei.

Nachwirkungen

Hobbes‘ Staatsmodell des „Leviathan“ fand seit Mitte des 17. Jahrhunderts in Europa große Zustimmung und bildete eine Grundlage für die Entstehung souveräner Staaten. Das Gewaltmonopol verlagerte sich in großen Teilen Europas zunehmend in die Hände des Monarchen, der seine Macht zentralisierte und die Herrschaftsform des Absolutismus begründete. Eine Ausnahme bildete Hobbes‘ Heimatland England, das sich infolge der Glorious Revolution 1688 zu einer konstitutionellen Monarchie, in der das Parlament über wichtige Mitspracherechte verfügte, entwickelte. John Locke griff Hobbes‘ Staatstheorie später auf und begründete die Idee eines Staates, der neben dem Schutz auch die Freiheits- und Grundrechte seiner Untertanen zu garantieren habe.

Verfasst von Fabio Schwabe

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