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Papst Innozenz III. – Aufruf zum Kreuzzug


Im Jahr 1213 versuchte Papst Innozenz III. die christliche Glaubensgemeinschaft für einen erneuten Kreuzzug ins Heilige Land zu bewegen. Der folgende Aufruf steht charakteristisch für das mittelalterliche Fremdbild des lateinischen Christentums über die „Ungläubigen“:

Papst Innozenz III. – Aufruf zum Kreuzzug (1213)

Wenn der allmächtige Gott wollte, könnte er jenes Land [das Heilige Land] so umfassend verteidigen, dass es nicht in die Hände der Feinde fallen würde. Er könnte es auch, sofern er wollte, leicht aus den Händen der Feinde befreien, da nichts seinem Willen zu widerstehen vermag. Aber nachdem die Ruchlosigkeit schon so angewachsen, die Liebe der vielen erkaltet ist, gab er, um seinen Getreuen vom Todesschlaf zum Eifer für das Leben aufzuwecken, jenen diesen Kampf als Chance des Heils, damit ihr Glaube wie Gold im Feuer geprüft wird, ja als Ursache der Erlösung, dass diejenigen, die treu für ihn gekämpft haben, von ihm selbst glückselig gekrönt werden, und diejenigen, die es ablehnen, in einer solche Notsituation den geschuldeten Knechtsdienst zu erfüllen, im Endgericht am Jüngsten Tag der ewigen Verdammnis verfallen. O welcher Nutzen kommt aus dieser Sache! Wie viele, die sich zur Buße für die Befreiung des Heiligen Landes bekehrten, haben sich dem Gehorsam des Gekreuzigten geweiht und gleichsam durch den Kampf des Martyriums die Ruhmeskrone erlangt.

Ohne diese wären sie vermutlich in ihren Sünden zugrunde gegangen, ausgeliefert ihren fleischlichen Lastern und weltlichen Verlockungen. Alt ist dieses Werk Christi, das er zum Heil seiner Getreuen in diesen Tagen zu erneuern gewürdigt hat. Wenn nämlich ein weltlicher König von seinen Feinden aus seinem Reich vertrieben wurde und seine Vasallen es ablehnen, für ihn weder ihr Gut noch ihr Leben einzusetzen, sollte er dann nicht, wenn er das verlorene Reich zurückerobert hat, diese Vasallen wie Untreue verurteilen und gegen sie ungewohnte Strafen ausdenken, um auf diese Weise Übeltäter übel zu verderben? So wird Euch der König der Könige, der Herr Jesus Christus, der einen Leib, seine Seele und alles übrige Gut für Euch hingegeben hat, wegen des Lasters Euer Undankbarkeit und des Vergehens der Untreue verdammen, wenn Ihr Euch weigert, ihm zu helfen, nachdem er gleichsam aus jenem Reich vertrieben worden ist, das er um den Preis seines Blutes erworben hat. Jeder mag es wissen, dass er sich in schuldhafte Verstockung und verstockte Schuldhaftigkeit verstrickt, wenn er es ablehnt, in dieser Notlage dem Erlöser gehorsam zu sein. Mag er auch nach göttlichem Gebot seinen Nächsten lieben wie sich selbst – weiß er, dass seine christlichen Glaubensbrüder bei den gottlosen Sarazenen unter harten Bedingungen im Gefängnis schmachten und durch das Joch einer äußerst schweren Knechtschaft niedergedrückt werden, unternimmt zu ihrer Befreiung aber keine wirksamen Schritte, so vergeht er sich gegen ein Gebot des natürlichen Sittengesetzes, welches der Herr im Evangelium verkündet hat: „Von dem Ihr wollte, dass es Euch die Menschen tun, das tut auch jenen“ (Matth. 7,12). Oder wisst ihr vielleicht nicht, dass bei jenen [Sarazenen] viele Tausend Christen in Knechtschaft und im Kerker gehalten werden, die durch zahllose Folterqualen gemartert werden?

Zitiert nach: Wolfgang Lautemann/Manfred Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Bd. 2/Mittelalter, München o. J., S. 619.

Verfasst von Fabio Schwabe
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