Historisches Quellenmaterial

Papst Bonifatius VIII.: Unam Sanctam


Im Jahr 1302 befand sich die Auseinandersetzung zwischen dem französischen König und dem Papst auf dem Höhepunkt. In diesem Jahr veröffentlichte Papst Bonifatius VIII. die Bulle „Unam Sanctam“ , die den päpstlichen Machtanspruch untermauern sollte. Diese blieb allerdings erfolglos. Anschließend gerieten die Päpste für etwa ein Jahrhundert unter die Kontrolle der französischen Könige und residierten in Avignon.

Von dieser einen und einzigen Kirche also gibt es nur einen Leib und ein Haupt, Christus nämlich und Christi Stellvertreter, Petrus und Petri Nachfolger; sagt doch der Herr zu Petrus selbst: „Weide meine Schafe“ (Joh. 21,17). Meine sagt er, und meint das im Allgemeinen, nicht nur im Einzelnen diese oder jene. Und daraus sieht man, dass er ihm alle anvertraut hat. […] Dass dieser über zwei Schwerter zu verfügen hat, ein geistliches und ein weltliches, das lehren uns die Worte des Evangeliums (Lukas 22,38). […] Beide Schwerter hat die Kirche in ihrer Gewalt, das geistliche und das weltliche. Dieses aber ist für die Kirche zu führen, jenes von ihr. Jenes gehört dem Priester; dieses ist zu führen von der Hand der Könige und Ritter, aber nur wenn und solange der Priester es will. Ein Schwert aber muss dem anderen untergeordnet sein, die weltliche Macht muss sich der geistlichen fügen. Denn der Apostel sagt: „Es ist keine Obrigkeit außer von Gott, wo aber Obrigkeit besteht, ist sie von Gott verordnet“ (Römer 13,1). Sie wäre aber nicht geordnet, wenn nicht ein Schwert unter dem anderen stände und gleichsam als das niedere von der Hand eines anderen nach oben gezogen würde. Dass aber die geistliche Macht an Würde und Adel jede weltliche überragt, müssen wir umso freier bekennen, als überhaupt das Geistliche mehr wert ist als das Weltliche. Das ersehen wie auch deutlich aus dem Regiment in der Welt. Denn in Wahrheit: Die geistliche Macht hat die weltliche einzusetzen und ist Richterin über sie, wenn sie nicht gut ist. […] So erklären wir denn, dass alle menschliche Kreatur bei Verlust ihrer Seelen Seligkeit untertan sein muss dem Papst in Rom, und sagen es ihr und bestimmen es.

Zitiert nach: Wolfgang Lautemann/Manfred Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Bd. 2/Mittelalter, München 1978, S. 786f.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 10. Februar 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 1. Juli 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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