Friedrich I. über das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht

Das Verhältnis von Staat und Kirche blieb der zentrale Konflikt innerhalb des mittelalterlichen Christentums. Diesbezüglich äußerte sich Kaiser Friedrich I. in einem Rundschreiben vom Oktober 1157 an eine päpstliche Gesandtschaft, die ihn zur Unterordnung unter die Befehlsgewalt des Papsttums zu bewegen versuchte:

Da uns das Königtum und das Kaisertum einzig von Gott durch die Wahl der Fürsten zuteil wurde, von Gott, der bei dem Leiden seines Sohnes Christi die Welt der Regierung durch die beiden notwendigen Schwerter unterwarf, und da der Apostel Paulus der Welt die Lehre gab: „Fürchtet Gott, ehret den König!“, so ist jeder, der da sagt, wir hätten die Kaiserkrone vom Herrn Papst als Lehen empfangen, ein Widersacher der göttlichen Ordnung und der Lehre Petri; solch einer ist ein überwiesener Lügner. Nachdem wir bis zur Stunde der Kirchen Ehre und Freiheit, die schon seit Langem vom Joche ungebührlicher Knechtschaft bedrückt wird, der Hand der Ägypter entreißen und ihnen alle Gerechtsame und Würden zu erhalten trachteten [Anspielung auf die Kreuzzüge], bitten wie Euch insgesamt, unseren Schmerz über die uns und dem Reiche zugefügte Schmach zu teilen. Wir hoffen, Eure unerschütterliche, aufrichtige Treue werde es nicht zulassen, dass die Ehre des Reiches, die seit der Gründung Roms und Einführung des christlichen Glaubens bis auf Eure Zeit ruhmvoll bestanden hat, jetzt durch eine so unerhörte Neuerung und anmaßende Überhebung gemindert werde. Ich selbst werde ohne Wanken eher in den Tod gehen, als unter unserer Regierung solch einen schmachvollen Umsturz zu dulden.

Zitiert nach: Wolfgang Lautemann/Manfred Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Bd. 2/Mittelalter, München 1978, S. 401f.

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 10.02.2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 10.02.2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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