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Handlungsorientierung


Das fachdidaktische Prinzip der Handlungsorientierung zeichnet sich durch seine breite Schüleraktivität aus. Ein handlungsorientierter Geschichtsunterricht verlangt von den Lernenden, dass diese sich in die Perspektive eines Historikers oder einer historischen Person hineinversetzen und – je nach Aufgabe – ihre erworbenen Kenntnisse in einem bestimmten Kontext anwenden.

Theoretischer Zugang

Die Handlungsorientierung ist in den Lehrplänen als Kompetenz für den Geschichtsunterricht verankert. Sie befähigt die Schülerinnen und Schüler dazu, ihr erlerntes Wissen zu reflektierten und in einem anderen Kontext anzuwenden. Der Geschichtsunterricht wird dadurch schülerorientiert, indem die Lernenden eigene Schreibprodukte erstellen oder ihre Meinungen in einer Podiumsdiskussion aus der Sicht einer historischen Person vertreten. Eine handlungsorientierte Aufgabe eignet sich für eine Vertiefungsphase, in der die Lerngruppe zu einem Wissenstransfer und zur Reflexion angeleitet wird.

Konsequenzen für den Unterricht

Die Handlungsorientierung erfolgt in einer Vertiefungsphase und sollte sich auf die problemorientierte Leitfrage der Unterrichtsstunde beziehen. Nachdem die Schülerinnen und Schüler diese Leitfrage (idealerweise) mit einem begründeten Sach- oder Werturteil beantwortet haben, sollten diese nun „über den Tellerrand hinausschauen“ und ihre Kenntnisse anwenden. Der Unterricht muss dafür notwendigerweise schülerorientiert gestaltet werden. Als Aufgaben kommen Schreibprodukte, Perspektivübernahmen sowie Rollenspiele in Frage. Somit wird der Unterricht um das Prinzip der Multiperspektivität erweitert.

Praxisbeispiel für den Unterricht

Eine handlungsorientierte Aufgabe kann in einer Geschichtsstunde über die Bewertung der Revolution 1848/49 gestellt werden. Nachdem die Schülerinnen und Schüler bereits verschiedene Historikerurteile zur Leitfrage „1848/49 – eine halbe Revolution?“ analysiert und verglichen haben, versetzen sich diese in die Perspektive eines Historikers. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sollen diese nun Stellung beziehen zu der Frage, ob in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der langfristigen Wirkungen der 48er Revolution ein neuer Nationalfeiertag notwendig sei. Auf diese Weise vertiefen die Lernenden ihr Wissen, wenden es in einem anderen Kontext an und werden mit den Werten einer demokratischen Streitkultur [Werteorientierung] vertraut.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 5. Januar 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 22. August 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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