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Forschend-entdeckendes Lernen


Das fachdidaktische Prinzip „forschend-entdeckendes Lernen“ ist die Grundlage für einen schülerorientierten und interaktiven Geschichtsunterricht. Auf diese Weise versetzen sich die Schülerinnen und Schüler in die Lage eines/r Historikers/in und können Kenntnisse über die Vergangenheit nachvollziehen, überprüfen und möglicherweise uminterpretieren.

Theoretischer Zugang

Damit Geschichtsunterricht keine rein lehrerzentrierte Wissensvermittlung bleibt und historisches Lernen verwirklicht, müssen die Lernenden aktiviert und zur eigenständigen Arbeit angeregt werden. Die notwendige Voraussetzung dafür ist eine problemorientierte Leitfrage, die einen multiperspektivischen Zugang zum Thema ermöglicht und zur kritischen Auseinandersetzung motiviert. Das „forschende Lernen“ findet in der Regel an außerschulischen Orten – wie Museen, Gedenkstätten etc. – statt und behandelt historische Gegenstände aus der Regional- und Alltagsgeschichte. Beim „entdeckenden Lernen“ übernehmen die Lernenden die Rolle eines/r Historiker/in und prüfen bereits erforschte Kenntnisse aus der Geschichtswissenschaft.

Konsequenzen für den Unterricht

Das „forschend-entdeckende“ Prinzip im Geschichtsunterricht erfordert eine problemorientierte Leitfrage und vielfältiges Quellen- und Darstellungsmaterial. Im Vorhinein sollten die Lernenden Kenntnisse über den Prozess des historischen Lernens erlangen, um Thesen aus der Geschichtswissenschaft überprüfen und hinterfragen zu können. Eine enge Verknüpfung mit der Wissenschaftsorientierung ist daher zwingend notwendig. In einer Vertiefungsphase könnten die Lernenden im Rahmen einer handlungsorientierten Aufgabe historische Darstellungen kommentieren und (begründet) umschreiben. Bei außerschulischen Exkursionen ist die Vor- und Nachbereitung unter Berücksichtigung einer Rallye zu empfehlen.

Praxisbeispiel für den Unterricht

Für eine „forschend-entdeckende“ Geschichtsstunde könnten kontroverse Historikerurteile über die „Schuldfrage am Ausbruch des Ersten Weltkrieges“ herangezogen werden. Nachdem die Lerngruppe die Vorgeschichte und den Verlauf der Julikrise 1914 erarbeitet hat, analysiert sie verschiedene Ansichten von Historikern, die sich mit der Kriegsschuldfrage auseinandergesetzt haben. Auf diese Weise erlernen die Schülerinnen und Schüler die Kontroversität und Wissenschaftlichkeit im Fach Geschichte. Die Lerngruppe könnte anschließend mit der Aufgabe beschäftigt werden, die Historikerurteile miteinander zu vergleichen und mit einem kritischen Kommentar zu versehen. Als handlungsorientierte Aufgabe in der Vertiefung eignet sich anschließend das Verfassen eines eigenen Historikerurteils über die Kriegsschuldfrage.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 6. Januar 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 26. Januar 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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