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Exemplarisches Lernen


Da Geschichte komplex ist und unmöglich in ihrer Vollständigkeit im Unterricht thematisiert werden kann, muss von der Lehrkraft eine didaktische Reduktion vorgenommen werden. Um Schülerinnen und Schülern den Zugang zu einem historischen Gegenstand zu erleichtern, sollte das fachdidaktische Prinzip der „Exemplarität“ berücksichtigt werden. Durch ein konkretes Beispiel verstehen die Lernenden allgemeine Strukturen und können historische Ereignisse in Kategorien einordnen.

Theoretischer Zugang

Das exemplarische Lernen durchbricht die Komplexität von Geschichte, begrenzt einen Sachverhalt auf seine wichtigsten Aspekte und ist auf die Lebenswelterfahrungen der Schülerschaft abgestimmt [Gegenwartsorientierung]. Es kann in Form einer Fallanalyse in den Unterricht eingebunden werden und sollte den Schülerinnen und Schülern ein Problem offenbaren [Problemorientierung], das diese zu kritischen Fragen an die Vergangenheit bewegt. Die Exemplarität sorgt dadurch für ein effizientes Zeitmanagement und macht den historischen Gegenstand für die Lernenden greifbarer bzw. überschaubarer.

Konsequenzen für den Unterricht

Um aus einem komplexen Thema die wichtigsten Grundlagen herausfiltern zu können, muss die Lehrkraft eine Sachanalyse vornehmen und den Gegenstand didaktisch reduzieren. Dies erleichtert die Reihenplanung und unterstützt bei der Formulierung einer problemorientierten Leitfrage. Des Weiteren ist ein Alltagsbeispiel der Lerngruppe in den Unterricht zu integrieren. Die Schülerinnen und Schüler werden auf diese Weise für das Thema sensibilisiert und können dieses mit ihrer Lebenswelt vergleichen. Die exemplarische Fallanalyse hilft den Lernenden beim Verständnis und bringt sie dazu, dass sie – mit Hinblick auf das Beispiel – allgemeine Strukturen begreifen können.

Praxisbeispiel für den Unterricht

Eine exemplarische Fallanalyse könnte aus dem Thema „Kinderarbeit während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert aus regionalgeschichtlicher Perspektive“ generiert werden. In dieser Stunde wird den Schülerinnen aufgrund der regionalen Nähe zu ihrer Heimat ein Gegenwartsbezug verdeutlicht, der gleichzeitig zum historischen Vergleich anregt. Außerdem beinhaltet das Thema eine Problemorientierung, da Kinderarbeit in der Bundesrepublik gesetzlich verboten ist. Auf diese Weise werden die Lernenden zu kritischen Fragen an die Vergangenheit und zum „forschend-entdeckenden Lernen“ angeregt. Anhand einer Fallanalyse können sie die Arbeits- und Lebensbedingungen des 19. Jahrhunderts besser nachvollziehen und erkennen die Alterität zu ihrer Gegenwart. Als handlungsorientierte Aufgabe eignet sich das Verfassen eines vom Kind erstellten Protestbriefes aus einer (damaligen) Arbeiterfamilie.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 7. Januar 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 7. Januar 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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