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Deutschland und die Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung spielte eine wichtige Rolle für den „Durchbruch“ der modernen Neuzeit um 1800. Ohne die philosophischen Lehrsätze von John Locke, Thomas Hobbes, Montesquieu, Jean-Jacques Rousseau und anderen Vertretern wäre auch die Französische Revolution von 1789 undenkbar gewesen. Nicht weniger wurde der deutsche Sprachraum von den Ideen der Aufklärung erfasst: sie bewirkten einen politischen Wandel, der im 19. Jahrhundert zur Gründung eines deutschen Nationalstaates führte.

Ursachen

Im gesamten Mittelalter (ca. 500 – 1500) waren Politik und Gesellschaft vom Einfluss des Christentums dominiert. Einen Wendepunkt markierte die Reformation 1517, die die Spaltung der römisch-katholischen Kirche in mehrere Konfessionen und Religionskriege zur Folge hatte. Da das Ansehen der Kirche somit erschüttert wurde, stellten Gelehrte die von „Gott legitimierte“ politische Ordnung in Frage. Zugleich wurden durch die Renaissance viele Errungenschaften der Antike wiederentdeckt. Während der religiöse Aberglaube verstärkt in Frage gestellt wurde, rückten Schlagwörter wie Vernunft, Tugend und Freiheit in den Vordergrund. Nicht mehr der Glaube, sondern der individuelle Mensch stand im Mittelpunkt.

England und Frankreich

Durch die Glorious Revolution in England 1688 konnten die Ideen der Aufklärung zum ersten Mal politisch umgesetzt werden. Durch die Stärkung des Parlaments wandelte sich England zu einer konstitutionellen Monarchie. Dieses Ereignis stellte den religiösen Einfluss auf die Politik in den Hintergrund und machte den Weg frei für die Verbreitung von Philosophie und Naturwissenschaften. Zu den bedeutendsten englischen Aufklärern gehörten John Locke und Thomas Hobbes. Sie betonten Freiheitsrechte und den Schutz vor staatlicher Willkür. Auch in Frankreich blühte die Aufklärung nach Tod des Königs Ludwig XIV. 1715 auf: Montesquieu lehrte die Idee der staatlichen Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative, um Machtmissbrauch zu verhindern. Jean-Jacques Rousseau verbreitete die Lehre der Volkssouveränität. der zufolge die staatliche Gewalt vom Volk ausgehe – ein Grundsatz in jeder modernen Demokratie.

Der deutsche Sprachraum

Im Gegensatz zu England und Frankreich war das heutige Deutschland im 18. Jahrhundert ein „Flickenteppich“ aus über 300 Klein- und Mittelstaaten, die absolutistisch vom jeweiligen Landesherrn regiert wurden. Als aufstrebende Vormacht galt Brandenburg-Preußen. Nachdem Friedrich II. infolge des Siebenjährigen Kriegs große Gebiete dazugewonnen hatte, modernisierte er den preußischen Staat mit innenpolitischen Reformen. Indem er den Aufgeklärten Absolutismus in die politische Praxis umsetzte, machte er Preußen zum fortschrittlichsten Staat und zugleich Zentrum der deutschen Aufklärung. Als berühmtester deutscher Aufklärer gilt Immanuel Kant.

Politische Folgen

Mit der Aufklärung setzte ein langfristiger Wandel vom Absolutismus zur parlamentarischen Demokratie ein. Dies war jedoch kein einheitlicher Prozess: während Großbritannien bereits 1688 zu einer konstitutionellen Monarchie wurde, erfolgte dieser Schritt in Frankreich erst 1789 und für das deutsche Sprachgebiet erst nach und nach im 19. Jahrhundert. Die Ideen der Aufklärung wurden in Deutschland vor allem in der Zeit des Vormärz populär, als Bürger verstärkt nach Freiheitsrechten und nationaler Einigung riefen. Infolgedessen wurde nach der deutschen Reichsgründung 1871 zum ersten Mal eine Verfassung für das deutsche Volk verabschiedet. Einige wichtige aufklärerische Ideen wie Demokratie und Volkssouveränität kamen aber erst in der Verfassung der Weimarer Republik 1919 zum Vorschein.

Wie ist eure Meinung – welche politischen und gesellschaftlichen Umbrüche wurden durch die Aufklärung bewirkt? Was hat die Aufklärung mit der Gründung des deutschen Nationalstaats im 19. Jahrhundert zu tun?

Verfasst von Fabio Schwabe

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