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Quellenverweise

Konfessionelles Zeitalter

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Die Reformation 1517 hatte langfristige politische Folgen, die die Staaten des Heiligen Römischen Reiches in zwei konfessionelle Lager spalteten: Katholiken und Protestanten. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 war es zunächst jedem Landesherren freigestellt worden, welche Konfession er in seinem Territorium einführen wollte. Damit waren theologische Differenzen zunächst ausgeklammert worden. In den folgenden Jahrzehnten führten Versuche der Gegenreformation und Rekatholisierung zu neuen Spannungen, die schließlich den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges herbeiführten. Diese Phase der kirchenpolitischen Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten wird daher als konfessionelles Zeitalter bezeichnet.

Reformation 1517

Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther mit der Übermittlung seiner 95 Thesen die Missstände der römisch-katholischen Kirche kritisiert und forderte eine umfassende Kirchenreform. Durch die Erfindung des Buchdrucks erreichten diese eine breite Öffentlichkeit. Kaiser Karl V. reagierte mit dem Wormser Edikt und verhängte über Luther die Reichsacht. Nachdem Luther die Radikalisierung des Bauernkriegs öffentlich abgelehnt und die Ständegesellschaft verteidigt hatte, verschaffte er sich bei einigen Landesfürsten Sympathien. Die Fürsten Kursachsens, Hessens und Brandenburgs stellten sich auf Luthers Seite und wollten in ihren Territorien nun die reformatorische Lehre einführen. Da dies auf dem Reichstag von Speyer 1529 von der katholischen Seite abgelehnt wurde, protestierten die mit Luther sympathisierenden Landesfürsten. Damit entstand der Begriff „Protestantismus“. Versuche der gewaltsamen Rekatholisierung veranlasste die protestantischen Fürsten zur Gründung des Schmalkaldischen Bundes. Die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten führten zum Ausbruch des Schmalkaldischen Kriegs.1

Augsburger Religionsfrieden 1555

Bereits auf dem Augsburger Reichstag 1530 hatten die lutherischen Landesherren ein Glaubensbekenntnis, die Confessio Augustana, an Kaiser Karl V. übermittelt. Sie führten in ihren Territorien eigene Landeskirchen ein und versuchten durch die Säkularisierung ihre politische Macht auszubauen. Obwohl die katholische Seite unter Kaiser Karl V. im Schmalkaldischen Krieg gegen die Protestanten gesiegt hatte, ließ sich die Reformation in den evangelischen Gebieten nicht mehr militärisch zurückdrängen. Die Spaltung der Kirche in verschiedene Konfessionen konnte auch theologisch nicht mehr aufgehalten werden. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wurde daher jedem Landesfürsten freigestellt, welche Konfession er in seinem Gebiet einführen wollte. Mit der Anerkennung der Confessio Augustana waren die theologischen Differenzen beider Konfessionen zunächst ausgeklammert worden.2

Konfessionalisierung

Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 und der Säkularisierung begann in den evangelischen Territorien der langfristige Ausbau zu moderner Staatlichkeit. Am Ende des 16. Jahrhunderts kamen kirchenpolitische Spannungen im Reich erneut auf, weil die katholischen Landesfürsten in ihren Territorien nun verstärkt gegenüber ihren evangelischen Untertanen eine Rekatholisierung betreiben. Hinzu kam, dass der Kaiser als katholisch geprägter Herrscher aus dem Haus Habsburg mit den Katholiken sympathisierte. Neben den konfessionellen Differenzen nahmen im Reich zudem soziale Probleme wie Bevölkerungswachstum, Armut, Krankheiten, Hexenverfolgungen und Bauernaufstände zu. Diese Krisenphase führte dazu, dass Reichsgerichte und Reichstage als vermittelnde Organe aufhören zu funktionieren. Da das katholische Lager deutlich im Übergewicht lag und eine zunehmende Rekatholisierungspolitik betrieben wurde, bildeten die beiden konfessionellen Parteien schließlich eigene Militärbündnisse: die Protestantische Union und Katholische Liga.3

Dreißigjähriger Krieg

Die politischen, religiösen und sozialen Spannungen führten 1618 zum sogenannten Dreißigjährigen Krieg, dessen Hauptkriegsschauplatz das Heilige Römische Reich wurde. Ausgelöst durch den Prager Fenstersturz, als sich Böhmen der Rekatholisierungspolitik Ferdinands II. widersetzte, entbrannte ein flächendeckender Konflikt. 1625 war auch Christian IV. von Dänemark in den Krieg gezogen und stellte sich auf die protestantische Seite. Kaiser Ferdinand II. machte nach seinem militärischen Erfolgen über die Protestanten 1629 einen verheerenden Fehler, als er das Restitutionsedikt erließ. Nun begannen sich auch katholische Landesherren von Ferdinand II. abzugrenzen, weil sie dessen eigenmächtige Politik als Angriff auf die Reichsordnung werteten. Dies lag auch daran, dass Ferdinand II. mit Wallenstein auf einen privaten Kriegsunternehmer setzte. Sie wollten ihren politischen Einfluss im Reich als Landesfürsten bewahren und nicht zugunsten einer zentralen kaiserlichen Monarchie aufgeben. Der Krieg nahm in den 1630er Jahren auch eine europäische Dimension an, weil Großmächte wie Schweden und Frankreich ihre Macht auf Kosten des Reiches ausweiten wollten. Nach langen Vermittlungsversuchen konnte erst 1648 der Westfälische Friede verabschiedetet werden, der den Krieg beendete und den Augsburger Religionsfrieden von 1555 wiederherstellte. Das friedliche Nebeneinander zwischen katholischen und protestantischen Staaten wurde nun fest verankert. Damit endete zugleich das konfessionelle Zeitalter.4






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