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  • Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 stand es jedem Landesherrn zu, über die Konfession in seinem Land bestimmen zu dürfenNach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 stand es jedem Landesherrn zu, über die Konfession in seinem Land bestimmen zu dürfen
  • Beim Prager Fenstersturz 1618 wendeten sich böhmische Stände gegen die Eingriffe der Habsburger StatthalterBeim Prager Fenstersturz 1618 wendeten sich böhmische Stände gegen die Eingriffe der Habsburger Statthalter
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  • Kaiser Ferdinand II. erließ 1629 das Restitutionsedikt und stieß dadurch bei den deutschen Landesherren auf großen WiderstandKaiser Ferdinand II. erließ 1629 das Restitutionsedikt und stieß dadurch bei den deutschen Landesherren auf großen Widerstand

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Quellenverweise

Dreißigjähriger Krieg

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Im Jahr 1618 entbrannte ein europäischer Konflikt, der zu einem Dreißigjährigen Krieg werden sollte. Hauptschauplatz war das sogenannte Heilige Römische Reich, in dem es viele deutsche souveräne Einzelstaaten gab und dem Kaiser zur gegenseitigen Treue verpflichtet waren. Durch die Reformation 1517 hatte sich die römisch-katholische Kirche in zwei Konfessionen – Katholiken und Protestanten – gespalten. Damit begann die Phase des konfessionellen Zeitalters. Neben religiösen Konflikten mischten sich aber auch andere europäische Großmächte in die Angelegenheiten des Reiches ein.

Augsburger Religionsfrieden

Nachdem sich im Reich durch die Reformation 1517 zwei christliche Konfessionen gebildet hatten, wurden religiöse Streitigkeiten mit dem Augsburger Religionsfrieden zunächst beigelegt. Jeder Fürst war nun dazu berechtigt, über die Konfession in seinem Land bestimmen zu dürfen. Der Kaiser hingegen hatte über kirchliche Streitigkeiten kein Mitbestimmungsrecht mehr. Im späten 16. Jahrhundert wurde der Religionsfrieden aber immer mehr missachtet, weil die Kaiser als Habsburger katholisch geprägt waren und sie das Reich im eigenen Sinne umgestalten wollten. Das führte dazu, dass sich die evangelischen Fürsten 1608 zur Protestantischen Union zusammenschlossen. Als Gegenbewegung gründeten die katholischen Fürsten nur ein Jahr später die Katholische Liga. Zu diesem Zeitpunkt war das Reich also in zwei unterschiedliche Lager gespalten.1

Prager Fenstersturz

Entscheidender Auslöser für den Kriegsausbruch war der sogenannte Prager Fenstersturz in Böhmen. Böhmen war ein relativ eigenständiges Königtum im Reich und bekannte sich zum Protestantismus. Dem Kaiser war dies ein Dorn im Auge. Denn in dieser Zeit wurden die Kaiser von den sieben Kurfürsten gewählt. Drei davon (Erzbischöfe von Köln, Trier, Mainz) waren auf katholischer Seite, die anderen drei (Sachsen, Brandenburg, Rheinpfalz) protestantisch geprägt. Da Böhmen die entscheidende Stimme für die Königswahl lieferte, war Kaiser Matthias entschieden zu handeln. Der von den Habsburgern in Böhmen eingesetzte Landesherr Ferdinand betrieb demnach eine Rekatholisierung. Als Reaktion gegen diesen Eingriff der habsburgischen Statthalter verbündeten sich böhmische Stände zum Widerstand und warfen sie aus einem Fenster in der Prager Burg. Ferdinand wurde abgesetzt und durch „Winterkönig“ Friedrich V. von der Pfalz ersetzt. Dieser symbolträchtige Akt hatte weitreichende Folgen. Kaiser Ferdinand II. reagierte mit Waffengewalt und wurde durch Herzog Maximilian von Bayern unterstützt. 1620 wurde Böhmen schließlich nach der Schlacht am Weißen Berg zurückerobert und rekatholisiert.2

Wandel zu einem europäischen Konflikt

Da der Kaiser für militärische Zwecke auf die Unterstützung anderer Fürsten angewiesen war, führte der Konflikt in Böhmen zu einem europäischen Krieg. Maximilian von Bayern wurde mit der pfälzischen Kurwürde belohnt, um das katholische Übergewicht im Reich zu bewahren. Da die protestantischen Staaten in ihrer Existenz bedroht waren, mischte sich Dänemarks König Christian IV. 1625 – als Herzog von Holstein zugleich Reichsstand – ins Kriegsgeschehen ein. Kaiser Ferdinand II. erhielt von privaten Kriegsunternehmern wie Tilly und Wallenstein militärische Unterstützung. Christian IV. musste gegen die katholischen Liga eine verheerende Niederlage hinnehmen und sich nach dem Frieden von Lübeck 1629 aus dem Reich zurückziehen.3

Restitutionsedikt

Nachdem Kaiser Ferdinand II. durch Wallensteins militärische Erfolge weiter an Macht gewonnen hatte, erließ er 1629 das sogenannte Restitutionsedikt. Darin wurde die Regelungen des Augsburger Religionsfrieden außer Kraft gesetzt und im Sinne des Katholizismus verändert. Es sollten zahlreiche Kirchengüter in den Zustand vom Jahr 1552 zurückgeführt werden. Das hätte die Herrschaftsrechte der evangelischen Landesherren deutlich eingeschränkt. Das Restitutionsedikt wurde von zahlreichen Fürsten als kaiserlichen Angriff auf die Reichsordnung betrachtet. Durch diese eigensinnige Politik verlor Kaiser Ferdinand II. auch die Sympathien einiger katholischer Landesherren, weil diese den Kaiser nicht zu mächtig werden lassen wollten. Sie forderten ihn auf, Wallenstein als Kriegsführer zu entlassen, um das Reich nicht zu einer zentralen Monarchie entwickeln zu lassen. Unterdessen verbündete sich sogar der katholisch geprägte Maximilian von Bayern mit Frankreich, um die starke Stellung Kaisers Ferdinand II. einzuschränken.4

Beteiligung Frankreichs, Spaniens und Schwedens

König Gustav II. Adolf von Schweden trat 1630 in den Krieg ein, um die evangelischen Landesherren vor den Übergriffen Ferdinands zu schützen und Einfluss auf Norddeutschland zu gewinnen. Schweden verbündete sich mit den evangelischen Fürsten im Heilbronner Bund, mussten allerdings bei der Schlacht bei Nördlingen 1634 eine entscheidende Niederlage hinnehmen. Der Kaiser einigte sich mit den Fürsten im Prager Frieden zunächst auf einen relativ ausgeglichenen Frieden. Die anderen europäischen Großmächte trugen ihre inneren Gegensätze aber nun in das Reich hinein, um den machtpolitischen Einfluss auszuweiten. Kaiser Ferdinand II. war 1637 gestorben, unter der Herrschaft seines Sohnes Ferdinand III. wurde die Kriegslage immer unübersichtlicher.

Westfälischer Friede

1640 wurde wieder ein Reichstag einberufen, um die Kriegshandlungen zu beenden. Dies verzögerte sich aber, weil Frankreich und Schweden ihren Einfluss durch militärische Erfolge immer noch verbessern wollten. Als Verhandlungsorte für den Frieden wurden Münster und Osnabrück ausgewählt. Dort wurde unter anderem darüber debattiert, ob das Reich weiterhin aus selbstständigen Staaten bestehen oder eher eine starke zentralistische Monarchie werden solle. Am 24. Oktober 1648 wurden beim Westfälischen Friede schließlich zwei Friedensverträge unterzeichnet: einerseits zwischen Kaiser, dem Reich und Schweden; andererseits zwischen Kaiser und Frankreich. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde dabei wiederhergestellt, im Reich gab es nun acht Kurstimmen. Außerdem erhielten die Reichsfürsten gegenüber dem Kaiser eine starke Position, sodass sie ihre Staaten schrittweise ausbauen konnten. Aus dem Dreißigjährigen Krieg ging Frankreich erstarkt hervor und wurde zur führenden Großmacht des europäischen Kontinents. Die Zeit des Ancien Regime begann.5






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