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Kalifat des Islamischen Staates (IS)


Die dschihadistische Terrororganisation „Islamischer Staat“ eroberte im Sommer 2014 Teile Syriens und Iraks. Dort riefen ihre Anhänger ein „Kalifat“ aus und strebten damit den Aufbau eines fundamentalistischen Gottesstaates an. Der IS verübte zahlreiche Terroranschläge, Kriegsverbrechen und Hinrichtungen. Der IS wurde infolge der Luftangriffe einer internationalen Allianz geschwächt und verlor 2019 in Syrien sein letztes kontrolliertes Gebiet.

Vorgeschichte

Nach der US-Invasion im Irak im Frühjahr 2003 [Irakkrieg] formierte sich eine Gruppe irakischer Sunniten zum Widerstand gegen die USA. Diese wurde von Abu Musab az-Zarqawi angeführt und schloss sich im Oktober 2004 Al-Qaida an. Unter dem Namen „Al-Qaida im Irak“ verübte sie Bombenanschläge, ermordete Geiseln und ausländische Hilfsarbeiter. Im Oktober 2006 benannte sie sich in „Islamischer Staat im Irak“ (ISI) um. In den folgenden Jahren trat sie immer wieder mit Autobomben und Selbstmordattentaten in Erscheinung. Im Mai 2010 wurde Abu Bakr al-Baghdadi zum neuen Anführer ausgerufen. Als im Frühjahr 2011 der „Arabische Frühling“ und der syrische Bürgerkrieg ausbrachen, eröffneten sich neue Möglichkeiten für die Ausdehnung des ISI in Syrien.1

Aufstieg des IS in Syrien

Seit 2012 griffen Anhänger des ISI auch in den syrischen Bürgerkrieg ein und unterwanderten die Rebellen. Dort kämpften sie vor allem gegen Assads Regierung, kurdische Milizen und Teile der FSA. Im April 2013 verkündete al-Baghdadi die Vereinigung der ISI und al-Nusra-Front zum ISIL. Kurz darauf erfolgte die Umbenennung zum ISIS. In den folgenden Monaten brachte ISIS immer mehr Gebiete an den Grenzregionen zwischen Irak und Syrien unter eigene Kontrolle. Mit Ausrufung des Kalifats am 29. Juni 2014 nannte sich die Organisation nun „Islamischer Staat (IS)“ . Al-Baghadi wurde zum Kalif erklärt.2

Gründe für den Aufstieg des IS

Als eine der Hauptursachen für den Aufstieg des IS kann die US-Invasion im Irak 2003 betrachtet werden. Die gegen die US-Besatzer formierten Widerstandskämpfer richteten sich darüber hinaus gegen die Schiiten, von denen die Sunniten im Irak unterdrückt wurden. Mit Ausrufung des Dschihads erhielten sie breiten Zulauf. Der „Arabische Frühling“ und der seit 2011 andauernde syrische Bürgerkrieg führten außerdem zu einem Machtvakuum in Syrien. Dies ermöglichte die Ausdehnung der Dschihadisten an den Grenzgebieten zwischen Irak und Syrien. Weitere Ursachen für das Erstarken des IS sind Plünderungen, Spenden aus den Golfstaaten, Lösegelder und Einnahmen aus Erdölexporten. Mithilfe von medialer Propaganda gewann der IS weltweit zahlreiche Anhänger.3

Ideologie und Strategie des IS

Der „Islamische Staat“ (IS) propagierte eine strenge Auslegung der Scharia und forcierte den Aufbau eines fundamentalistischen Gottesstaates. Dafür verwendete er vor allem das Mittel der Selbstmordattentate. Der Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen war streng untersagt. Frauen durften sich nicht sichtbar in der Öffentlichkeit zeigen. Christen, Jesiden, aber auch andere muslimische Glaubensrichtungen, wie die Schiiten, galten als „Ungläubige“ und wurden gewaltsam verfolgt und hingerichtet. Ferner versklavte der IS zahlreiche Frauen und Kinder und betrieb mit ihnen Menschenhandel. Zur Strategie des IS gehörte auch die Zerstörung von „heidnischen“ Kulturgut, das besonders durch die IS-Einnahme Palmyras mediale Aufmerksamkeit erlangte.4

Bekämpfung des IS

Im September 2014 riefen die USA auf einem NATO-Gipfel ein internationales Militärbündnis zur Bekämpfung des IS aus. Seitdem startete diese internationale Allianz Luftangriffe auf die vom IS kontrollierten Gebiete in Irak und Syrien. Seit 2015 beteiligte sich auch Russland an der Bekämpfung des IS, indem es in den syrischen Bürgerkrieg eingriff und Assads Regierung unterstützte. Das Herrschaftsgebiet des IS hat sich seitdem zunehmend verkleinert. Im März 2019 wurde ihr letztes kontrolliertes Dorf in Syrien von SDF-Einheiten erobert. Im Oktober kam IS-Anführer al-Baghdadi bei einem US-Militäreinsatz zu Tode. Die Verbrechen des IS haben seit 2014 ca. 70.000 Todesopfer mit sich gebracht und waren für die im Jahr 2015 ausgebrochene „Flüchtlingskrise“ in Europa mitverantwortlich.5

Verfasst von Fabio Schwabe
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