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Bürgerkrieg in Syrien


Seit 2011 befindet sich Syrien im Bürgerkrieg. Aus friedlichen Demonstrationen gegen die Regierung Assads entwickelten sich kriegerische Auseinandersetzungen, an denen sich verschiedene ethnische Gruppen beteiligen. Der Syrien-Konflikt wurde dadurch verschärft, dass sich ausländische Staaten in die Kämpfe einschalteten und im Rahmen eines Stellvertreterkrieges unterschiedliche Ziele verfolgen.

Ursachen

Im März 2011 ereigneten sich in Syrien – im Rahmen des „Arabischen Frühlings“ friedliche Demonstrationen gegen die Regierung Assads. Nachdem Kinder inhaftiert und tödliche Gewalt gegen die Demonstranten angewendet wurde, weiteten sich die Proteste zu einem Bürgerkrieg aus. Assad setzte nun auch das Militär ein. Im Juli 2011 liefen zahlreiche Soldaten zu den Rebellen über und schlossen sich zur „Freien Syrischen Armee“ zusammen. Diese konnte in den von ihr kontrollierten Gebieten allerdings keine Ordnung herstellen, da sich die Rebellen in verschiedene ethnische Gruppen teilten. Dazu gehörten unter anderem die SDF und Al-Nusra-Front.1

Bevölkerungsgruppen

Die syrische Gesellschaft setzt sich aus verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen zusammen. Hinzu kommen religiöse Differenzen zwischen Sunniten, Schiiten, Christen, Jesiden und Kurden. Die von Assad geführte Regierung verfolgt eine säkulare Politik und untersagt die politische Einflussnahme religiöser Gruppierungen. Daher stand die syrische Regierung schon lange vor dem Bürgerkrieg im Konflikt mit den Sunniten, die von der Muslimbruderschaft unterstützt wurden.2

Konfliktparteien

Im Syrien-Krieg kämpfen im engeren Sinne Assads Regierungstruppen gegen eine bewaffnete Opposition. Diese hat sich seit 2011 in verschiedene ethnische Gruppen aufgeteilt, die aus unterschiedlichen Motiven gegen Assad handeln. Darüber hinaus haben sich aus religiösen und geostrategischen Gründen auch der Iran, Saudi-Arabien, Katar, die USA, Russland und die Türkei in den Krieg eingeschaltet. Seither sind die Fronten immer undurchsichtiger geworden und die eigentlichen Ziele der friedlichen Proteste – die Demokratisierung Syriens – in den Hintergrund gerückt.3

Verlauf

Im Jahr 2012 verschärfte sich der Bürgerkrieg, nachdem syrische Regierungstruppen Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung verübt hatten. Unterdessen unterstützten Saudi-Arabien und Katar die bewaffnete Opposition, weil sie religiös-politische Ziele verfolgten. Gleichzeitig wollten sie damit den Einfluss des schiitisch geprägten Irans in Syrien zurückdrängen. Das infolge des Krieges entstandene Machtvakuum ließ gleichzeitig Dschihadisten erstarken, die unter die Rebellen mischten und zunehmend an Einfluss gewannen. Im Juni 2014 rief der „Islamische Staat“ in Syrien und Irak ein „Kalifat“ aus.4

Ausweitung zu einem Stellvertreterkrieg

Aufgrund der Kriegsverbrechen des „Islamischen Staates“ schalteten sich im Jahr 2014 auch die USA ins Kriegsgeschehen ein. Als Anführer einer internationalen Allianz griffen sie die IS-Milizen mit Luftschlägen an. Seit 2015 wurde Assads Regierung von Russland unterstützt. Die Türkei intervenierte vor allem in Nordsyrien, um dort gegen die Volksverteidigungseinheiten der kurdischen Miliz zu kämpfen. Alle Großmächte verfolgen dabei unterschiedliche Interessen und haben den Syrien-Konflikt in einen Stellvertreterkrieg verwandelt.5

Folgen

Zuletzt haben Assads Regierungstruppen mit russischer Unterstützung große Teile Syriens zurückerobert. Die erfolgreiche Bekämpfung des IS wurde auch durch die bewaffneten Einheiten der SDF ermöglicht. Seit 2019 ist die Provinz Idlib der letzte Konfliktherd und wird von Kämpfen zwischen Assads Regierungstruppen und der Türkei geprägt. Der Syrien-Krieg hat bis heute eine halbe Million Syrer das Leben gekostet. Er hat unter anderem im Jahr 2015 die „Flüchtlingskrise“ in Europa ausgelöst, die die EU im März 2016 zu einem Flüchtlingsabkommen mit der Türkei veranlasste.

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich jederzeit ändern.

Verfasst von Fabio Schwabe
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