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Arabischer Frühling


Im Frühjahr 2011 ereignete sich in den Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens der sogenannte „Arabische Frühling“ . Proteste, Aufstände und Revolutionen richteten sich gegen die autokratischen Regime und führten ihren Sturz herbei. Die Hoffnungen auf eine Demokratisierung der arabischen Welt blieben allerdings unerfüllt. Bis heute ist der Alltag von Bürgerkriegen, Terrorismus und Flucht geprägt.

Ursachen

Ausgangspunkt des „Arabischen Frühlings“ waren die Proteste in Tunesien gegen Staatspräsident Ben Ali seit Ende Dezember 2010. Am 17. Dezember hatte sich der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi selbst angezündet, nachdem sein Marktstand von der Polizei beschlagnahmt und er von der Polizei misshandelt worden war. Infolgedessen kam es in Tunesien zu landesweiten Massenunruhen, die Ben Ali am 14. Januar 2011 in die Flucht trieben. In Tunesien wurde damit das autokratische Regime abgesetzt und eine Übergangsregierung eingeführt.1

Ziele

Die Proteste des „Arabischen Frühlings“ richteten sich gegen die langjährigen autokratischen Regime und deren Korruption im Staat. Demonstranten forderten demokratische Wahlen und liberale Reformen. Außerdem waren die Preise für Nahrungsmittel und Energie in den vorherigen Jahren stark angestiegen. Hinzu kamen soziale Probleme, die durch das hohe Bevölkerungswachstum und der Jugendarbeitslosigkeit ausgelöst wurden und eine breite Perspektivlosigkeit in der Gesellschaft offenbarten.2

Verlauf

Die Ereignisse aus Tunesien breiteten sich durch die mediale Berichterstattung rasch auf andere arabische Staaten aus. In Ägypten begannen die Aufstände am 25. Januar 2011 und führten die Absetzung und Verhaftung des Staatspräsidenten Husni Mubarak herbei. Den Demonstranten wurden von einem Militärrat freie und demokratische Wahlen versprochen. Im Januar/Februar 2011 erreichten die Proteste auch Marokko, Libyen, Algerien, Bahrain, Irak, Jemen, Jordanien, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und Syrien. In den meisten Staaten kam es zu Regierungsumbildungen und politischen Reformen.3

Folgen

Die anfänglichen Hoffnungen auf eine Demokratisierung der arabischen Staatenwelt wurden nicht erfüllt. In Libyen mündeten Proteste und Demonstrationen in einem Bürgerkrieg, in dem sogenannte „Rebellen“ auch von NATO-Truppen unterstützt wurden, um Diktator al-Gaddafi zu stürzen. Gaddafi wurde im Oktober 2011 getötet, seitdem gilt Libyen als „failed state“ . In Syrien tobt bis heute ein Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen al-Assads, der Freien Syrischen Armee und den Großmächten Russlands, Türkei und USA [Syrischer Bürgerkrieg]. Das in Irak und Syrien entstandene Machtvakuum nutzten Dschihadisten des „Islamischen Staates“ und riefen 2014 das „Kalifat des IS“ aus. Die daraus resultierende Vertreibung der Zivilbevölkerung löste 2015 die „Flüchtlingskrise“ in Europa aus.4

Verfasst von Fabio Schwabe
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