Sachanalyse: Neue Ostpolitik

Die „Neue Ostpolitik“ der seit 1969 amtierenden sozialliberalen Bundesregierung leitete eine historische Wende in den deutsch-deutschen Beziehungen ein. Unter dem Schlagwort „Wandel durch Annäherung“ forcierte Bundeskanzler Willy Brandt eine neue Außenpolitik und versuchte das politische Verhältnis zwischen der BRD und DDR grundlegend zu verbessern.

Seit Gründung beider Teilstaaten im Jahr 1949 war die Welt de facto in zwei nebeneinander existierende Blöcke geteilt. Der Ost/West-Konflikt wurde infolge des Koreakriegs, der zunehmenden Aufrüstung und des Mauerbaus zusätzlich verschärft. Unter Bundeskanzler Konrad Adenauer erkannte die BRD die DDR nicht als völkerrechtlichen Staat an und erhob über sie den Alleinvertretungsanspruch. Mit der Hallstein-Doktrin drohte sie Staaten, die die DDR anerkannten, mit dem Abbruch diplomatischer Beziehungen. Der am 13. August 1961 beginnende Mauerbau zementierte die deutsche Teilung und erschwerte den Reiseverkehr zwischen West und Ost.

Im Jahr 1969 übernahm erstmals eine sozialliberale Koalition (SPD/FDP) die Bundesregierung. Diese leitete einen politischen Kurswechsel ein und strebte nach Aussöhnung und Verständigung mit dem Osten. Dafür unterzeichnete sie mit der Sowjetunion am 12. August 1970 den Moskauer Vertrag, in dem diese sich auf friedliche Zusammenarbeit und die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens einigten. Am 7. Dezember 1970 folgte der Warschauer Vertrag, der mit Polen geschlossen wurde.

Eine Annäherung zwischen der BRD und DDR erfolgte mit Unterzeichnung des Grundlagenvertrags am 21. Dezember 1972. In diesem bekannten sich die Vertragspartner unter anderem zu gutnachbarlichen Beziehungen, Unverletzlichkeit der Grenzen und friedliche Zusammenarbeit. Unterdessen gab die BRD die Hallstein-Doktrin auf. Eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR blieb jedoch aufgrund des im Grundgesetz verankerten Wiedervereinigungsgebots ausgeschlossen.

Die „Neue Ostpolitik“ konnte die Ost/West-Beziehungen wieder verbessern. Der Reiseverkehr wurde durch das Transitabkommen erleichtert. Beide Teilstaaten richteten „Ständige Vertretungen“ ein. Es erfolgte eine internationale Entspannung im Rahmen des Kalten Kriegs. Die BRD und DDR wurden 1973 in die Vereinten Nationen aufgenommen. Kritiker der CDU/CSU-Opposition bemängelten, dass die „Neue Ostpolitik“ die deutsche Teilung eher verstärken würde, da der Status quo nun akzeptiert worden sei. Die DDR-Führung unter Erich Honecker grenzte sich aufgrund des gestiegenen Reiseverkehrs zunehmend von der BRD ab. Langfristig wurde die Option einer deutschen Wiedervereinigung am Leben erhalten und der durch den Kalten Krieg angespannte Konflikt entschärft.

Vor diesem Hintergrund eignet sich für den Geschichtsunterricht eine Beurteilung der „Neuen Ostpolitik“ . Dafür können zwei oder mehrere multiperspektivische Quellen herangezogen werden. Denkbar sind kontroverse Reden eines CDU- und SPD-Abgeordneten im Bundestag, die unterschiedliche Meinungen bezüglich der „Neuen Ostpolitik“ vertreten. Nach einer ausführlichen Analyse und einem Vergleich beider Quellen können die Schülerinnen und Schüler – unter Anwendung ihres Hintergrundwissens – ein begründetes Sachurteil zur problemorientierten Leitfrage – „die Neue Ostpolitik – ein Wandel durch Annäherung?“ – anbahnen.

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 18.06.2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 08.03.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

Zu diesem Thema liegen noch keine Arbeitsblätter vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Zu diesem Thema liegt noch kein Quellenmaterial vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Zu diesem Thema liegt noch kein Lexikoneintrag vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Zu diesem Thema liegen noch keine Biographien vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Bereit zum Pauken?

Die nächste Klausur steht an und das nächste Abitur kommt bestimmt? Mit unseren Lernmaterialien kannst du sofort starten und für dein Thema lernen. Zeig’s deinen LehrerInnen! 

Alle Lernmaterialien zum Mega-Sparpreis

In unserem Lernshop bieten wir alle Lernmaterialien zu allen Themen auch in unserem Mega-Sparbundle an. 

Zu diesem Thema liegen noch keine Arbeitsblätter vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Zu diesem Thema liegt noch kein Quellenmaterial vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Zu diesem Thema liegt noch kein Lexikoneintrag vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Zu diesem Thema liegen noch keine Biographien vor. Tipp: Jetzt im Lernshop vorbeischauen!

Geschichte kompakt Version 3 geht online! Jetzt mit 1€ unterstützen!

Nun ist es soweit – Geschichte kompakt geht in den dritten Relaunch seit 2012! Wir freuen uns darüber, dass sich unser Projekt – mit jährlich zwei Millionen Nutzern – zu einer der führenden Geschichtsseiten entwickelt hat.

Mit unserem neuen Webauftritt möchten wir uns für eure Treue bedanken: Eine neue Navigation, Grafiken und ein interaktives Forum sollen euch das Lernen für das Fach Geschichte erleichtern. Schüler, Lehrer und Historiker sind bei uns jederzeit willkommen. Ihr könnt uns gerne euer Feedback und Verbesserungsvorschläge im Forum mitteilen. 

Geschichte kompakt ist und bleibt ein Projekt, dass von nur zwei Personen betrieben wird. Durch immer neue Anforderungen und die Notwendigkeit höherer Serverkapazitäten steigen auch unsere Kosten stetig. Wir finanzieren uns vollständig über Werbung und unseren Lernshop. Mit einer Spende von nur 1€ trägst du dazu bei, dass Geschichte kompakt weiterhin kostenlos bleibt. Du hilfst uns dabei, neben den Websites der großen Verlage, bestehen zu bleiben.

Vielen Dank und viel Spaß mit unserem neuen Portal.

Fabio Schwabe und Christopher Schwab