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Zuganschläge in Madrid


Am 11. März 2004 verübten islamistische Terroristen in Madrid die sogenannten Zuganschläge. Die Attentäter sprengten sich in den fahrenden Zügen durch Bombenexplosionen in die Luft und töteten dabei 191 Menschen. Die spanische Regierung beschuldigte zunächst die ETA für die Attentäter. Später wurde aber eine Verbindung zu Al-Qaida festgestellt.

Ablauf

Gegen 7:40 Uhr am 11. März 2004 ereigneten sich in Madrid fast zeitgleich insgesamt zehn Explosionen. Sieben davon wurden in fahrenden Zügen um bzw. in dem Bahnhof Atocha von den Attentätern gezündet. Eine Bahn explodierte – aufgrund einer Verspätung – mehrere hundert Meter entfernt auf dem Gleisfeld. Drei weitere – und noch nicht gezündete – Sprengsätze wurden kurz darauf von den Einsatzkräften entschärft. Der Madrider Zugverkehr wurde gestoppt, um den Attentätern die Flucht zu erschweren. Rettungskräfte richteten zügig einen Behandlungsplatz für die Verletzten in einem naheliegenden Sportkomplex ein.1

Täterschaft: ETA oder Al-Qaida

Unmittelbar nach dem 11. März 2004 beschuldigten die spanische Regierung und – auf ihr Drängen – der UN-Sicherheitsrat die Terrororganisation ETA für die Anschläge. Eine mutmaßliche Urheberschaft des islamistischen Terrornetzwerks Al-Qaida – die seit dem 11. September 2001 in den Fokus rückte – wurde zunächst ausgeschlossen, um bei den Parlamentswahlen am 14. März 2004 keine Wählerstimmen zu verlieren. Die spanische Regierung hatte sich nämlich am Irakkrieg beteiligt und wurde für den Einsatz in der Bevölkerung kritisiert. Die ETA wies eine Beteiligung den an Anschlägen zurück. Unterdessen tauchten ein Bekennerschreiben und Videoband auf, das auf eine Urheberschaft Al-Qaidas hindeutete.2

Folgen

Bei den Parlamentswahlen am 14. März 2004 ging die Sozialisten PSOE als Sieger hervor. Die konservative Partei PP verlor zahlreiche Wählerstimmen. Infolgedessen wurde im Mai 2004 Spaniens Einsatz im Irakkrieg beendet. Die Fahndung nach den mutmaßlichen Drahtziehern der Zuganschläge richtete sich gegen Angehörige der Organisation Islamische Kampfgruppe Marokkos. Dabei kam es am 3. April 2004 zu einer tödlichen Razzia in Leganés. Die Täter erhielten keine direkte Unterstützung von Al-Qaida, auch wenn diese den Terroranschlag für sich beanspruchte. Nach einem Prozess im Jahr 2007 wurde gegen einige der Mittäter bis zu 43.000 Jahre Haftstrafen ausgesprochen. Als Reaktion auf die Anschläge verschärfte Spanien seine Sicherheitspolitik.3

Verfasst von Fabio Schwabe
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