Die Emser Depesche war der Auslöser des Deutsch-Französischen Krieges 1870. Dabei ging es um Streitigkeiten um die Thronfolge im Königreich Spanien. Kandidat für dieses Amt war unter anderem Prinz Leopold von Hohenzollern. Frankreichs Kaiser Napoleon III. wollte dessen Einsetzung als spanischer König aber unbedingt verhindern, da Frankreich ansonsten von zwei Hohenzollern eingekreist worden wäre. Daher wurde Preußens Wilhelm I. schriftlich aufgefordert, dass ein Hohenzollern zukünftig auf die spanische Thronfolge verzichten solle. Nachdem dies abgelehnt und in verkürzter Form in der Presse veröffentlicht wurde, fühlten sich die Franzosen gedemütigt und erklärten Preußen den Krieg. Damit kam es zum letzten Einigungskrieg, der zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs führte.

Ursachen

In Spanien war Königin Isabella II. 1868 durch einen Militärputsch gestürzt worden. Als Kandidat für die spanische Krone stand unter anderem Prinz Leopold von Hohenzollern zur Auswahl. Im Juli 1870 erklärte dieser seine Bereitschaft für die Thronfolge. Preußen stand dem nicht abgeneigt gegenüber, da die Einsetzung eines Hohenzollern in Spanien strategische Vorteile bedeutet hätte. Ganz anders betrachtete dies Frankreich unter Kaiser Napoleon III. Die Franzosen wollten die Einsetzung eines Hohenzollern in Spanien unbedingt verhindern, da sie sonst von zwei Seiten „umklammert“ gewesen wären. Auf Druck Napoleons III. verzichtete Prinz Leopold daher kurz darauf auf die Krone. Als Preußens Wilhelm I. aber daraufhin aufgefordert wurde, auch zukünftig den Verzicht eines Hohenzollern auf die spanische Thronfolge zu garantieren, kam es zum entscheidenden Konflikt.1

Emser Depesche

Als der französische Botschafter Vincent Benedetti diese Forderungen übermittelte, hielt sich Preußens König Wilhelm I. zur Kur in Bad Ems auf. Nach einem langen Gespräch lehnte Wilhelm den zukünftigen Verzicht eines Hohenzollern auf den spanischen Thron aber ab. Im Anschluss wurde der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck von seinem Berater Heinrich Abeken über Wilhelms Entschluss in einem Telegramm unterrichtet. Dieses Telegramm ging als „Emser Depesche“ in die Geschichtsbücher ein. Bismarck erhielt dieses am 13. Juli 1870 und veröffentlichte es in stark gekürzter Fassung in der Presse. Durch die veränderte Form wurde der Eindruck erweckt, als hätte der französische Botschafter die Forderungen bedingungslos aufgezwungen. Dies löste sowohl in der französischen als auch preußischen Öffentlichkeit große Empörung aus. Damit war der Krieg vorbereitet.2

Deutsch-Französischer Krieg

Durch die Veröffentlichung des gekürzten Telegramms in der Presse fühlte sich die französische Regierung gedemütigt. Daraufhin erklärte Frankreich am 19. Juli 1870 den Krieg. Eine kriegerische Auseinandersetzung mit Frankreich kam Preußens Ministerpräsident Bismarck sehr gelegen, da sich somit eine Gelegenheit für die Gründung eines deutschen Kaiserreichs ergab. Preußen hatte bereits 1866 den Norddeutschen Bund gegründet und wollte nun auch die süddeutschen Staaten annektieren. Dies hatte insbesondere Frankreich bis dahin verhindern wollen. Die militärischen Erfolge im Deutsch-Französischen Krieg erbrachten schließlich am 18. Januar 1871 die deutsche Reichsgründung. Die Emser Depesche hatte diesbezüglich hinreichende Bedeutung, weil sie einen Anlass für den entscheidenden Krieg bot, an dessen Ende das Deutsche Kaiserreich stand.3

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Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 03.06.2016 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 04.03.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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