Deutschland – ein Flickenteppich

Das heutige Gebiet Deutschlands war um 1800 ein „Flickenteppich“ von über 300 Klein- und Mittelstaaten, die zwar miteinander verbunden waren, aber keinen einheitlichen Staat bildeten. Anders als in England und Frankreich, wo sich im Laufe der Jahrhunderte Zentralstaaten gebildet hatten, herrschte in Deutschland Kleinstaaterei. Mit dem sogenannten Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden diese Gebiete zu größeren staatlichen Einheiten zusammengelegt.

Das Heilige Römische Reich

Der deutsche „Flickenteppich“ war ein Charakteristikum des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation„, das seinen Ursprung im Mittelalter hatte und über mehrere Jahrhunderte auf dem heutigen Gebiet Deutschlands bestand. Es verstand sich nicht als Staat mit zentraler Exekutive, Militär und festen Grenzen, sondern war eine Art Staatenbund aus über 300 Herrschaften. Im Laufe der Zeit hatten sich seit dem 10. Jahrhundert infolge von Teilungen, Erbschaften und Friedensbündnissen zahlreiche „Staaten“ herausgebildet. Insbesondere nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 wurde diese Kleinstaaterei auf deutschem Boden verstärkt praktiziert.

Reichsdeputationshautpschluss

Infolge der Französischen Revolution und den anschließenden Napoleonischen Kriegen fiel das „Heilige Römische Reich“ um 1800 den Siegen der französischen Armeen zum Opfer. Das „Alte Reich“ stand kurz vor seinem Zusammenbruch. Ein einschneidendes Ereignis markiert der Reichsdeputationshauptschluss 1803, durch den zahlreiche Kleinstaaten zu größeren staatlichen Einheiten zusammengelegt wurden. Darüber hinaus wurde der kirchliche Einfluss auf die Politik durch Säkularisierung zurückgedrängt. Diese Beschlüsse nahmen dem Reich de facto die letzten Reste seiner Existenz und führten 1806 schließlich zur offiziellen Auflösung.

Rheinbund

Die von General Napoleon Bonaparte besetzten Gebiete wurden im sogenannten Rheinbund verbunden und waren ihm zu militärischer Unterstützung verpflichtet. Durch diese „Flurbereinigung“ hatte sich das deutsche Sprachgebiet territorial verändert. Insbesondere die süddeutschen Staaten Bayern, Baden und Württemberg hatten von linksrheinischen Gebieten profitieren können und vergrößerten ihre Territorien. Durch die geografischen Umwälzungen mussten sich auch zwangsläufig die politischen Verhältnisse verändern. In den Staaten des Rheinbundes wurden die Ideen von Menschen-, Grund- und Freiheitsrechten durch den „Code civil“ verbreitet. Auch wenn Napoleons Errungenschaften infolge der Befreiungskriege und des Wiener Kongress wieder rückgängig gemacht wurden, blieben sie dennoch in den Köpfen der Bürger bestehen und hatten großen Einfluss auf die Zeit des Vormärz und Revolution 1848/49.

Wie ist eure Meinung – wie konnte aus dem „Flickenteppich“ im 19. Jahrhundert ein deutscher Einheitsstaat entstehen?

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Fabio Schwabe

Der Autor

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