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Bismarck – der Realpolitiker

Otto von Bismarck gehört zu den prägenden Figuren der deutschen Geschichte. Durch seine Politik verwandelte er Preußen in eine einflussreiche Großmacht und zum „Motor“ der deutschen Einigung. Ohne ihn und Preußen wäre die Vereinigung aller deutschen Einzelstaaten zum Deutschen Kaiserreich 1871 nicht zustande gekommen. Markenzeichen von Bismarcks Biografie war insbesondere die Realpolitik, die ihm außenpolitische Erfolge erbrachten.

Nach der Revolution 1848/49

Durch die Revolution 1848/49 war die Ordnung des Deutschen Bundes und die Herrschaft der Fürsten kurzzeitig erschüttert worden. In den 1850er Jahren erblasste der ursprüngliche Zusammenhalt der Großmächte Preußen, Österreich und Russland, die sich 1815 in der Heiligen Allianz gegenseitige Treue geschworen hatten. Otto von Bismarck machte sich in den 1850er Jahren als Diplomat einen bedeutenden Namen, da er für die gleichberechtigte Stellung Preußens gegenüber Österreich eintrat. Die seit dem Wiener Kongress 1815 langjährig bewahrte Friedensordnung brach nun allmählich auseinander.

Realpolitik

Bismarck wurde 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt und setzte sich für die Aufstockung und Reformierung des preußischen Militärs ein. Da das Parlament aber eine Geldbewilligung verweigerte, entbrannte der sogenannte Preußische Heereskonflikt. Bismarck umging deren Widerstand, indem er die Heeresreform ohne parlamentarische Zustimmung durchführen ließ. Bismarcks Realpolitik zeichnete sich also dadurch aus, dass er einen klaren Bruch mit traditionellen Normen und Bündnissen beging und Preußens Machtstellung in Europa zu erweitern versuchte. Er wollte die innenpolitischen Wogen durch außenpolitische Erfolge glätten.

Deutsche Einigungskriege

Bismarcks eingeführte Heeresreform erbrachte für Preußen in den Deutschen Einigungskriegen von 1864 bis 1871 große militärische Erfolge. Nach dem Sieg im deutsch-dänischen Krieg 1864 schalteten die Preußen den Konkurrenten Österreich im deutsch-deutschen Krieg 1866 als Gegenspieler aus. Preußen annektierte die nördlichen deutschen Staaten und schloss sie 1866 zum Norddeutschen Bund zusammen. Infolge des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 erweiterte Preußen dieses Bündnis auch durch die süddeutschen Staaten. Mit der Reichsgründung 1871 erfolgte schließlich die Einigung aller deutscher Staatem zum Kaiserreich. Preußens König Wilhelm I. wurde zum Kaiser ausgerufen, Bismarck übernahm das Amt des Reichskanzlers, das er bis 1890 bekleidete.

Wie ist eure Meinung – wie ist Bismarcks Realpolitik in den 1860er Jahren im Hinblick auf die deutsche Reichsgründung 1871 zu bewerten?

Verfasst von Fabio Schwabe

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