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Deutschland und die Französische Revolution

Die Französische Revolution von 1789 markierte in Europa einen Epochenwandel. Besonders für den deutschsprachigen Raum war dieses Ereignis von langfristiger Bedeutung: Die revolutionären Errungenschaften von Menschenrechten, Freiheit und Nationalismus verbreiteten sich dort vor allem infolge der Napoleonischen Kriege. Daher wäre der politische Umbruch Deutschlands im 19. Jahrhundert nicht ohne die Französische Revolution zu verstehen.

Ursachen der Revolution

Frankreich war bis zum Ausbruch der Revolution eine absolutistische Monarchie, in der König und Adel weitgehende Privilegien genossen. Die Gesellschaft war – wie fast überall in Europa – in Ständen untergliedert. Der Großteil der Bevölkerung war im Dritten Stand zusammengefasst und lebte meist unter ärmlichen Bedingungen. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten berief König Ludwig XVI. im Jahr 1788 die Generalstände ein. Dort nutzten Vertreter des Dritten Standes die Gelegenheit, um sich zur Nationalversammlung zu erklären. Sie forderten Freiheits- und Grundrechte und propagierten die Einheit der französischen Nation. Deren Ideen waren hauptsächlich auf das Zeitalter der Aufklärung zurückzuführen.

Verlauf der Revolution

Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 machte König Ludwig XVI. schließlich Zugeständnisse und formierte Frankreich zu einer konstitutionellen Monarchie um, wodurch die Herrschaft des Königs mit einer Verfassung eingeschränkt wurde. Zudem wurden Freiheits- und Grundrechte eingeführt und die Leibeigenschaft der Bauern abgeschafft. Damit war die Revolution aber nicht zu Ende. Die Vertreter der Unterschicht, die sogenannten Jakobiner, radikalisierten sich, ergriffen die Macht und errichteten zwischen 1792 und 1794 unter Anführer Robespierre eine Schreckensherrschaft. In dieser gewaltsamen Phase wurde auch der König ermordet. Nach Ende der Jakobinerherrschaft gelangten die Girondisten an die Macht und errichteten 1795 ein Direktorium, wodurch sie das Wahlrecht entsprechend nach Besitz verbanden. Das Ende der Revolution markierte das Jahr 1799, als General Napoleon Bonaparte per Staatsstreich die Regierungsgewalt übernahm und die Revolution in Frankreich für beendet erklärte.

Die Koalitionskriege

Bereits im Jahr 1792 kam es – bedingt durch die Französische Revolution – zu den sogenannten Koalitionskriegen. Dabei stand sich Frankreich einer wechselnden Koalition aus europäischen Mächten, wie beispielsweise Preußen, Österreich, Russland gegenüber. Sie wollten der Abschaffung der „alte Ordnung“ – Absolutismus und Ständegesellschaft – entgegentreten. Nachdem General Napoleon Bonaparte 1799 die Macht in Frankreich ergriffen hatte, exportierte er die revolutionären Ideen schließlich nach Europa. Dies gelang ihm, da er mit der „Grande Armee“ schnelle Siege verbuchte und die unterworfenen Staaten im Rheinbund zu militärischer Unterstützung zwang. Die militärischen Erfolge hatten auch geografische und politische Ursachen: Der Nachbar Deutschland bestand zu dieser Zeit noch nicht als einheitlicher Nationalstaat, sondern war in unzähligen Klein- und Mittelstaaten zersplittert. Während Napoleons Besatzungszeit zwischen 1806 und 1813 konnten sich somit die Ideen von Menschenrechten, Freiheit und Nation auch auf deutschem Boden ausbreiten. Dies sollte in langfristiger Hinsicht weitreichende Konsequenzen haben. In den Befreiungskriegen wandelte sich der Hass auf die französische Besatzer in deutsches Nationalbewusstsein um und mündete 1871 in der Gründung des deutschen Kaiserreichs.

Wie ist eure Meinung – Wäre die Gründung eines deutschen Nationalstaates im 19. Jahrhundert ohne die Französische Revolution möglich gewesen?

Verfasst von Fabio Schwabe

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