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Arbeitsblatt zur doppelten Ausrufung der Republik


Am 9. November 1918 rief SPD-Politiker Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstags in Berlin die parlamentarische Republik aus:

[…] Der Kaiser hat abgedankt. Er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt! Der Prinz Max von Baden hat sein Reichskanzleramt dem Abgeordneten Ebert übergeben. Unser Freund wird eine Arbeiterregierung bilden, der alle sozialistischen Parteien angehören werden. Die neue Regierung darf nicht gestört werden in ihrer Arbeit für den Frieden, in der Sorge um Brot und Arbeit. Arbeiter und Soldaten! Seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewußt. Unerhörtes ist geschehen. Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Alles für das Volk, alles durch das Volk! Nichts darf geschehen, was der Arbeiterbewegung zur Unehre gereicht! Seid einig und pflichtbewußt! Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue! Es lebe die Deutsche Republik!

Zitiert nach: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Weltkriege und Revolutionen 1914-1945, Band 5, München 1961, S. 114.


Wenige Stunden nach Scheidemanns Rede rief Spartakusbund-Mitglied Karl Liebknecht im Lustgarten vor dem Berliner Stadtschloss die sozialistische Republik aus:

[…] Parteigenossen, ich proklamiere die freie sozialistische Republik Deutschland, die alle Stämme umfassen soll, in der es keine Knechte mehr geben wird, in der jeder ehrliche Arbeiter den ehrlichen Lohn seiner Arbeit finden wird. Die Herrschaft des Kapitalismus, der Europa in ein Leichenfeld verwandelt hat, ist gebrochen. Wir rufen unsere russischen Brüder zurück. Sie haben bei ihrem Abschied zu uns gesagt: „Habt Ihr in einem Monat nicht das erreicht, was wir erreicht haben, so wenden wir uns von Euch ab.“ Und nun hat es kaum vier Tage gedauert.“ […] Wir müssen alle Kräfte anspannen, um die Regierung der Arbeiter und Soldaten aufzubauen und eine neue staatliche Ordnung des Proletariats zu schaffen, eine Ordnung des Friedens, des Glücks und der Freiheit unserer deutschen Brüder und unserer Brüder in der ganzen Welt. Wir reichen ihnen die Hände und rufen sie zur Vollendung der Weltrevolution auf. […]

 

Zitiert nach: W. Elben: Die Weimarer Republik, 6. Auflage, Frankfurt/Main 1975, S. 14-15.

Aufgaben:

  1. Lies dir beide Quellen aufmerksam durch.
  2. Fasse die Hauptaussagen Scheidemanns und Liebknechts in Stichworten zusammen.
  3. Vergleiche beide Reden und erläutere die Unterschiede.
  4. Erkläre, warum am 9. November 1919 zweimal die Republik ausgerufen wurde.
  5. Beschreibe, welche zwei Lager sich 1918/1919 um das politische System einer neuen deutschen Republik stritten.

Optional:

  1. Führt ein Rollenspiel durch, in dem ihr die Standpunkte beider Redner gegenüber stellt.

 

Verfasst von Fabio Schwabe

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