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Arbeitsblatt zum Versailler Vertrag


Am 8. Mai 1919 äußerte sich Robert Lansing, US-amerikanischer Staatssekretär des Auswärtigen, über die harten Friedensbedingungen des Versailler Vertrags:

Gestern wurden die Friedensbedingungen den deutschen Bevollmächtigten übergeben, und zum ersten Male in diesen Tagen fieberhaft erregter Vorbereitung hat man Zeit, den Vertrag als ein vollständiges Schriftstück in Augenschein zu nehmen. Der Eindruck, den er macht, ist enttäuschend, erweckt Bedauern und Niedergeschlagenheit. Die Friedensbedingungen erscheinen unsagbar hart und demütigend, während viele von ihnen mir unerfüllbar scheinen. Der durch den Vertrag geschaffene Völkerbund soll – darauf vertraut man – den künstlichen Aufbau am Leben erhalten, der auf dem Wege des Kompromisses der widerstreitenden Interessen der Großmächte errichtet wurde, und ein Keimen der Kriegssaat, die in so vielen Paragraphen ausgesät ist und unter normalen Bedingungen bald Früchte tragen würde, zu verhindern. Der Bund könnte ebensogut das Wachstum der Pflanzenwelt in einem tropischen Dschungel verhindern. Kriege werden früher oder später entstehen. Man muß von vornherein zugeben, daß der Bund ein Werkzeug der Mächtigen ist, um das normale Wachstum nationaler Macht und nationaler Bestrebungen bei jenen aufzuhalten, die durch die Niederlage machtlos geworden sind. Prüft den Vertrag und ihr werdet finden, daß Völker gegen ihren Willen in die Macht jener gegeben sind, die sie hassen, während ihre wirtschaftlichen Quellen ihnen entrissen und anderen übergeben sind. Haß und Erbitterung, wenn nicht Verzweiflung, müssen die Folgen derartiger Bestimmungen sein. Es mag Jahre dauern, bis diese unterdrückten Völker imstande sind, ihr Joch abzuschütteln, aber so gewiß wie die Nacht auf den Tag folgt, wird die Zeit kommen, da sie den Versuch wagen. […] Wir haben einen Friedensvertrag, aber er wird keinen dauernden Frieden bringen, weil er auf dem Treibsand des Eigennutzes gegründet ist.

Zitiert nach: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Weltkriege und Revolutionen 1914-1945, Band 5, München 1961, S. 128-129.

Aufgaben:

  1. Lies dir die Quelle aufmerksam durch.
  2. Fasse Robert Lansings Hauptaussagen stichpunktartig zusammen.
  3. Prüfe Lansings Behauptung, dass der Völkerbund ein „Werkzeug der Mächtigen“ sei. Was könnte er mit dieser Aussage meinen?
  4. Beurteile, inwiefern Lansing die Entstehung eines neuen Weltkrieges vorausgeahnt haben könnte.

Zusatzaufgabe:

  1. Vergleiche den Versailler Vertrag mit den Friedensbedingungen, die das Deutsche Kaiserreich den Franzosen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 gestellt hat. Gibt es Parallelen?
  2. Erläutere, welche politischen und wirtschaftlichen Folgen der Vertrag für die junge Weimarer Republik hatte.
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Verfasst von Fabio Schwabe

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