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Arbeitsblatt zu den Kreuzzügen


Über die Eroberung Jerusalems durch christliche Kreuzfahrer im Jahr 1099 berichtete der arabische Geschichtsschreiber Ibn al-Atir folgendermaßen:

Die Franken wandten sich also gegen Jerusalem, nachdem sie Akkon erfolglos belagert hatten, und hielten es nach ihrer Ankunft mehr als vierzig Tage lang eingeschlossen. Sie errichteten zwei Türme, einen davon auf der Seite Zions, aber die Muslime verbrannten ihn und töteten alle, die in ihm waren. Kaum hatten sie ihn verbrannt, als ein Bote mit einem Hilferuf kam: die Stadt sei von der anderen Seite her genommen. Die Franken nahmen sie tatsächlich von der Nordseite, morgens am Freitag, dem 1. Die Einwohner wurden ans Schwert geliefert, und die Franken blieben eine Woche in der Stadt, während deren sie die Einwohner mordeten. Eine Gruppe von diesen suchte Schutz in Davids Bethaus, verschanzte sich dort und leistete einige Tage Widerstand. Nachdem die Franken ihnen das Leben zugesichert hatten, ergaben sie sich; die Franken hielten den Vertrag, und sie zogen des Nachts in Richtung Askalon und setzten sich dort fest. In der al-Aqsa Moschee dagegen töteten die Franken mehr als siebzigtausend Muslime, unter ihnen viele Imame, Religionsgelehrte, Fromme und Asketen, die ihr Land verlassen hatten, um in frommer Zurückgezogenheit an diesem heiligen Ort zu leben. Aus dem Felsendom raubten die Franken mehr als vierzig Silberleuchter, von denen jeder über dreitausendsechshundert Drachmen wog, einen großen Silberleuchter im Gewicht von vierzig syrischen Pfund, außerdem von den kleineren Leuchtern einhundertundfünfzig silberne und mehr als zwanzig goldene.

Zitiert nach: Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht. Aus den arabischen Quellen ausgew. und übers. von Francesco Gabrieli, Zürich/München 1973, S. 49f.

Aus christlicher Perspektive berichtete der Chronist Wilhelm von Tyrus über die Eroberung Jerusalems:

Sofort durchzogen der Herzog [Gottfried von Bouillon] und die, welche mit ihm waren, in geschlossenen Gliedern, mit gezückten Schwertern und mit Schildern und Helmen bedeckt, die Straßen und Plätze der Stadt, und streckten alle Feinde, die sie finden konnten, ohne auf Alter oder Rang Rücksicht zu nehmen, mit der Schärfe des Schwertes nieder. […] Der größte Teil des Volkes hatte sich nach der Halle des Tempels geflüchtet […]. Diese Flucht brachte ihnen aber keine Rettung, denn sogleich begab sich Herr Tankret mit einem sehr großen Teil des ganzen Heeres dahin. Er brach mit Gewalt in den Tempel ein und machte Unzählige nieder. Er soll auch eine unermessliche Menge von Gold, Silber und Edelsteinen hinweggenommen, nachher jedoch, als der erste Tumult vorüber war, alles an den alten Platz zurückgebracht haben. Sofort gingen auch die übrigen Fürsten, nachdem sie, was ihnen in den übrigen Stadtteilen unter die Hände gekommen war, niedergemacht hatten, nach dem Tempel, hinter dessen Umschanzungen sich das Volk, wie sie gehört, geflüchtet hatte. Sie drangen mit einer Menge von Reitern und Fußgängern hinein, und stießen, ohne jemanden zu schonen, was sie fanden mir Schwertern nieder und erfüllten alles mit Blut. Es war dies ein gerechtes Urteil Gottes, dass sie, welche das Heiligtum des Herrn mit ihren abergläubischen Bräuchen entweiht und dem gläubigen Volke entzogen hatten, es mit ihrem eigenen Blut reinigten und den Frevel mit ihrem Tod sühnen mussten.

Zitiert nach: Wilhelm von Tyrus, Geschichte und Kreuzzüge und des Königreichs Jerusalem, übersetzt von E. und R. Kausler, Stuttgart 1840, S. 200ff.

Aufgaben:

  1. Lies dir beide Quellen aufmerksam durch.
  2. Fasse die Hauptaussagen beider Quellen in Stichworten zusammen.
  3. Vergleiche die arabische Darstellung der Eroberung Jerusalems mit der christlichen Sichtweise. An welchen Textstellen werden Unterschiede sichtbar?
  4. Wilhelm von Tyrus bezeichnet die Ermordung der Muslime durch die Kreuzfahrer als „ein gerechtes Urteil Gottes“. Erläutere, inwiefern diese Aussage exemplarisch für die Zeit der Kreuzzüge gewesen ist.

Zusatzaufgabe:

  1. Recherchiere im Internet nach dem Begriff „Kreuzzug“. In welchen Zusammenhängen findet er heute noch Verwendung?
  1. Juli 1099
Verfasst von Fabio Schwabe

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