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Arbeitsblatt zur Umweltverschmutzung durch die Industrialisierung


Aus einem 1905 verfassten offenen Brief über Abwasserprobleme wurde die durch die Industrialisierung verursachte Umweltverschmutzung offensichtlich:

Die Zustände am Main sind gerade so schauderhafte wie die Zustände in den Leipziger Armenvierteln […]. Bei Niederrad ca. 200 m unterhalb der Mainbrücke, der Kläranstalt gerade gegenüber, woselbst bekanntlich die Frankfurter Fäkaljauchen in Absatzbecken von ihrer gröbsten Sinkstoffen befreit werden […], sieht man mitten im Main eine dunkelgraugelbe Wolke aus dem Grunde des Flusses emporsteigen: die Mündungsstelle des Abfluss- und Überlaufsrohres der städtischen Kläranlage Frankfurts. […] das Fischleben ist so gut wie gänzlich erstorben; eine braunschwarze Flut wälzt sich zwischen den mit Abwässerpilzen und -algen bedeckten Ufern dahin, große Brocken z. T. aus verwestem und losgerissenem Algengrasen bestehend, mit sich führend – ein klassisches Beispiel von dem Überschreiten der Selbstreinigungskraft der Flüsse […].Der Fährmann, der mich über den Fluss setzte, berichtete, dass das Wasser im Sommer so giftig sei, dass er und sein Fährknecht nur infolge des gelegentlichen Benetzens der Hände mit dem Mainwasser beim Fährgeschäft oft wochenlang an eiterigem Ausschlag der Hände litten!

Zitiert nach: Offene Briefe zur Städtereinigung. In: Städte-Zeitung 2 (1905), S. 177f, in: Franz-Josef Brüggemeier, Michael Toyka-Seid (Hrsg.): Industrie-Natur, Lesebuch zur Geschichte der Umwelt im 19. Jahrhundert, Frankfurt a. M.; New York 1995, S. 124f. 

Die „Deutsche Vierteljahreszeitschrift für öffentliche Gesundheitspflege“ schilderte im Jahr 1895 das Müllentsorgungsproblem:

Wenn Sie im ersten Frühling eine Reise machen, erkennen sie das Nahen einer größeren Stadt zuerst an den Aeckern, welche mit städtischem Kehricht (Schmutz) gedüngt sind; überall blinken Ihnen Scherben entgegen, dazwischen sehen Sie Conservenbüchsen, Stücke von Reifröcken, von Corsets, von Sprungfedern, zerbrochene Kämme u. dergl.; die Hecken und Raine hängen voll Papier- und Lumpenfetzen. An anderen Stellen erblicken Sie ganze Scherbenberge; Unebenheiten im Terrain, verlassene Kiesgruben u. dergl. sind mit Kehricht ausgefüllt; manchmal erkennen Sie schon die Linien der ausgelegten Strassen, die gerade über eine solche Aufhöhung als Bauuntergrund hinführen sollen. Der Städter, welcher seinen Osterspaziergang machen will, kommt vor den Thoren in diesen Graus. Einige Wochen später deckt allerdings das spriessende Grün mitleidig das Schlimmste zu, aber in trockener Zeit verstäubt auch jetzt noch viel davon über das Land bis in benachbarte Wohnungen oder in die ländlichen Milchkeller, aus denen die Stadt mit Milch versorgt wird. […]

Zitiert nach: Beseitigung des Kehrichts und anderer städtischer Abfälle, besonders durch Verbrennung, in: Deutsche Vierteljahreszeitschrift für öffentliche Gesundheitspflege 1895, S. 11-35, in: Brüggemeier, Toyka-Seid (Hrsg.):  Industrie-Natur, Lesebuch zur Geschichte der Umwelt im 19. Jahrhundert, Frankfurt a. M.; New York 1995, S. 231.

Der Chemiker Konrad Jurisch verteidigte im Jahr 1890 den Ausbau der Chemieindustrie:

Es hat sich herausgestellt, daß für ganz Deutschland der wirtschaftliche Werth der Industrien, welche Abwässer liefern, ca. 1000 mal größer ist, als der Werth der Binnenfischerei in Seen und Flüssen, […] Haben sich an einem kleinen Flusse, wie z.B. Wupper, Emscher, Bode und anderen, so viele Fabriken angesiedelt, daß die Fischzucht in denselben gestört wird, so muß man dieselbe preisgeben. Die Flüsse dienen dann als die wohlthätigen, natürlichen Ableiter der Industriewässer nach dem Meere […] Die Fischerei hat auf ein Flußgebiet, an dem gewerbliche und industrielle Anlagen errichtet worden sind, oder werden, keinen Anspruch auf alleinige Berechtigung; […] In solchen Fällen muß das geringfügige Interesse der Fischzucht dem überwältigenden Interesse der Industrie weichen. […] Dieser Grundsatz entspricht nicht nur den Anforderungen des Nationalwohlstandes, sondern auch den wirthschaftlichen Interessen der örtlichen Bevölkerung. […] Es liegt daher im wohlverstandenen Interesse eines jeden armen Landstrichs, das Aufblühen der Industrie zu fördern, selbst auf Kosten der Fischerei.

Zitiert nach: K.W. Jurisch: Die Verunreinigung der Gewässer. Berlin 1890, S. 103, in: Brüggemeier, Toyka-Seid (Hrsg.):  Industrie-Natur, Lesebuch zur Geschichte der Umwelt im 19. Jahrhundert, Frankfurt a. M.; New York 1995, S. 145.

Aufgaben:

  1. Lies dir die drei Quellen aufmerksam durch.
  2. Erläutere, welche Abwasserprobleme durch die Industrialisierung entstanden sind.
  3. Beschreibe, wie die Müllentsorgungsprobleme das Stadtbild prägen.
  4. Erläutere, wie Konrad Jurisch den Vorzug der Chemieindustrie gegenüber dem Umweltschutz begründet.

Zusatzaufgabe:

  1. Vergleiche Konrad Jurischs Argumente mit gegenwärtigen Diskussionen zum Umwelt- und Klimaschutz. Nenne Beispiele, bei denen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.

Optional:

  1. Führt eine Podiumsdiskussion mithilfe der oben zitierten Quellen durch, in der ihr über die durch die Industrialisierung entstandenen Umweltbelastungen debattiert.
Verfasst von Fabio Schwabe

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