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Arbeitsblatt zur Lösung der sozialen Frage


Um die Arbeiter von politischem Einfluss fernzuhalten, sollten die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft im Deutschen Kaiserreich mit einer staatlichen Sozialgesetzgebung verbessert werden. In einem Lesebuch für Schüler einer katholischen Volksschule (zwischen 1871 und 1914) wird diese Sozialversicherung folgendermaßen dargestellt:

Unser Kaiser und die arme Witwe. Unsere siegreichen Soldaten waren aus Frankreich heimgekehrt. Sie nahmen ihre Arbeit wieder auf, die sie beim Beginn des Krieges hatten verlassen müssen. Aber da war einer darunter in der Stadt Essen, dem die Arbeit bald recht sauer wurde. Und als er einen Arzt befragte, sagt der: „Lieber Mann, der Krieg hat Ihre Gesundheit angegriffen. Suchen Sie sich eine leichtere Beschäftigung.“ Der Mann befolgte den Rat des Arztes und verdiente so viel, wie zur Ernährung seiner Familie nötig war. Aber als das Jahr 1889 ins Land kam, da war seine Kraft dahin, und er legte sich hin und starb. Seine Witwe mit ihren drei Kindern wußte nun nicht, wovon sie weiter leben sollten. Da ging sie in die Wohnung wohlhabender Leute und half ihnen bei der Arbeit. Aber das, was sie damit verdiente, reichte nicht aus zum Unterhalt der Familie. Die Wangen ihrer Lieben wurde täglich blasser, und bald war die Not auf das höchste gestiegen. Da dachte sie in ihrem Herzen: Wenn du dem Kaiser in Berlin dein Elend offenbarst, so wird er dir helfen. Und sie setzte sich hin und schrieb einen Brief an Kaiser Wilhelm. Darin schilderte sie ihm ihre traurige Lage und bat ihn, ihr doch aus dem allergrößten Jammer zu helfen. Als sie den Brief abgeschickt hatte, da zogen wieder Mut und Fröhlichkeit bei ihr ein. Und ihre Hoffnung auf das milde Herz unseres Kaisers sollte nicht zuschanden werden. Gar bald trat ein Mann in Uniform in ihre Wohnung und legte ihr gegen Quittung bare hundertzwanzig Mark auf den Tisch. Und als der Mann die Quittung von den draufgefallenen Freudentränen der Witwe getrocknet hatte, ging er still hinaus. Aber der Mann hatte auch einen Brief mitgebracht. Als die Witwe den öffnete, da flossen die Tränen abermals. Und wiederum waren es Tränen des Dankes. Denn in dem Briefe stand, daß ihr der Kaiser außer dem Gnadengeschenk eine monatliche Unterstützung von 27 Mark gewähre. Die drei Kinder der Witwe sind jetzt erwachsen und können selbst für sich sorgen. Die Mutter aber unterschreibt noch jeden Monat eine Quittung über richtig empfangene 27 Mark.

Zitiert nach: Lesebuch für die katholischen Volksschulen der Rheinprovinz. Zweiter Teil: Mittelstufe, Dortmund 1914, S. 287.

Aufgaben:

  1. Lies die vorliegende Quelle aufmerksam durch.
  2. Benenne den Grund, warum die Familie auf staatliche Sozialleistungen angewiesen ist.
  3. Erkläre, ob und warum sich die Lebensbedingungen der Familie verbessern konnten.
  4. Beurteile, inwiefern diese Darstellung der staatlichen Sozialleistungen im Kaiserreich entsprach.

Zusatzaufgabe:

  1. Erkläre, warum diese Darstellung im Interesse von Kaiser Wilhelm II. gewesen sein könnte.
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Verfasst von Fabio Schwabe

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