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Arbeitsblatt zur Aufklärung


Der deutsche Philosoph Immanuel Kant beantwortete in der „Berlinischen Monatsschrift“ im Jahr 1784 die Frage: „Was ist Aufklärung?“:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes zu bedienen. […] Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein großer Teil der Menschen zeitlebens unmündig bleibt und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Zitiert nach: Immanuel Kant: „Was ist Aufklärung?“, in: Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494.

Der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau schrieb in seinem 1762 veröffentlichten „Gesellschaftsvertrag“:

Der Mensch wird frei geboren und überall liegt er in Ketten. Solange ein Volk gezwungen wird zu gehorchen und gehorcht, so tut es wohl; sobald es aber das Joch abwerfen kann und es abwirft, so tut es besser. Auf seine Freiheit verzichten heißt auf sein […] Menschenrecht verzichten. Eine solche Entsagung ist mit der Natur des Menschen unvereinbar. Wenn man untersucht, worin das höchste Wohl aller – dieser Zweck eines jeden Systems der Gesetzgebung – besteht, so findet man, dass es auf zwei Hauptpunkte hinauskommt: die Freiheit und die Gleichheit.

Zitiert nach: J.-J. Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Stuttgart 1963, S. 30ff.

Der englische Philosoph John Locke schrieb im 17. Jahrhundert über den Schutz von Freiheit und Eigentum:

Deshalb ist [der Mensch] bereit, sich mit anderen zu einer Gesellschaft zu verbinden, zum gegenseitigen Schutz des Lebens, ihrer Freiheiten und des Vermögens. […] Und das große Werkzeug dazu sind die Gesetze […].

Zitiert nach: W. Ripper, Weltgeschichte im Aufriss, Frankfurt a. M. 1976, S. 5f.

Thomas Paine, intellektueller Gründervater der USA, schrieb im 18. Jahrhundert über das menschliche Streben nach Glück:

Aber es gibt einen anderen und größeren Unterschied, für den kein wahrer Grund weder aus der Natur noch der Religion angegeben werden kann. Das ist der Unterschied zwischen Königen und Untertanen. Männlich und weiblich sind die Unterscheidungen der Natur, gut und böse die Unterscheidungen des Himmels. Wie aber eine Art Menschen in die Welt kam, die so sehr über die anderen erhoben und gleichsam wie ein neues Geschlecht unterschieden wurde, verdient untersucht zu werden. Auch: ob sie der Menschheit zum Glück oder zum Elend gereichen.

Zitiert nach: Herbert Schambeck (Hg.), Dokumente zur Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Berlin 1993, S. 94-106.

Aufgaben:

  1. Fasse in eigenen Worten zusammen, was Immanuel Kant unter „Aufklärung“ versteht.
  2. Erläutere, was Rousseau mit der Formulierung „Der Mensch […] liegt überall in Ketten“ meint.
  3. Erkläre, welche Rolle John Locke den Gesetzen in einem Staat zuspricht.
  4. Beurteile, inwiefern Thomas Paine die Lehre der „von Gott gewollten“ Herrschaftsordnung außer Kraft setzt.

Zusatzaufgabe:

  1. Vergleiche die vorliegenden Quellen mit der mittelalterlichen Vorstellung von Staat und Gesellschaft. Wo gibt es Unterschiede?
Verfasst von Fabio Schwabe

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