Arbeitsblätter

Arbeitsblatt zu Soldatenbriefen


Im Sommer 1914 schrieb ein elsässischer Bauer einen Brief über seine ersten Kriegserfahrungen an der Westfront:

Ich stand auf. Welch ein Anblick bot sich mir! Vor uns lagen tote und verwundete Franzosen, so weit man blicken konnte. Die toten Deutschen lagen auch noch da, die Verwundeten waren schon weggeschafft. […] Die Toten waren zum Teil entsetzlich anzusehen, teils lagen sie auf dem Gesicht, teils auf dem Rücken. Blut, verkrallte Hände, verglaste Augen, verzerrte Gesichter. Viele hielten die Gewehre krampfhaft in der Hand, andere hatten die Hände voll Erde oder Gras, das sie im Todeskampf ausgerissen hatten. Ich sah viele Soldaten beisammen stehen an einer Stelle, ging hin, und es bot sich da ein entsetzliches Bild. Ein deutscher und ein französischer Soldat lagen da halb knieend gegeneinander. Jeder hatte dem anderen mit dem Bajonett durchbohrt und waren so zusammengesunken. […] Mut, Heldentum, ob es das wohl gibt? Ich will es fast bezweifeln, denn im Feuer sah ich nichts als Angst, Bangen und Verzweiflung in jedem Gesicht geschrieben. Von Mut, Tapferkeit und dergleichen überhaupt nichts, denn in Wirklichkeit ist’s doch nur die furchtbare Disziplin, der Zwang, der den Soldaten vorwärts und in den Tod treibt.

Auszüge zitiert nach: A. Tramitz/B. Ulrich (Hrsg.): D. Richert: Beste Gelegenheit zum Sterben. Meine Erlebnisse im Kriege 1914-1918. München 1989, S. 28f.

Am 19. Januar 1915 berichtete ein deutscher Student an seine Familie:

Vieles Grausige, was hier beim Sturmangriff passiert ist, vermag ich Euch nicht zu erzählen. Der Ekel steigt mir hoch, wenn ich daran denke. Man könnte weinen bei all dem Unglück, wenn z.B. Kameraden, die eben noch neben uns waren, zusammenbrechen, uns mit einem letzten Blick ansehen. – Als wir dann durch einen engen, hohen Graben weiter vordrangen, bot sich unsern Augen plötzlich ein furchtbarer Anblick. Da lagen an einer Stelle, von einer Mine zerrissen, etwa acht Alpenjäger, Elitesoldaten Frankreichs, ein hoher, blutiger Haufen völlig zerschmetterter Menschenleiber, Tote und Verwundete, oben ein Leichnam ohne Kopf und Oberkörper, darunter Lebende mit abgerissenen und zerschmetterten Gliedmaßen. Mit bluttriefenden, todestraurigen Augen sahen sie uns an. Das Wimmern und Jammern dieser armen, dem Tode geweihten feindlichen Soldaten ging uns ans Herz. Heraus aus dem Graben, um dem Haufen aus dem Wege zu gehen konnten wir nicht. Uns krampfte sich das Herz zusammen, als wir mit unseren Nägelstiefeln hinüberstiegen, aber wir mussten!

Zitiert nach: Philipp Witkop (Hrsg.): Kriegsbriefe gefallener Studenten. München 1928, S. 150.

Aufgaben:

  1. Lies dir beide Quellen aufmerksam durch.
  2. Erläutere, wie die beiden Soldaten ihre Kriegserfahrungen schildern.
  3. Der Erste Weltkrieg wird aufgrund neuer technologischer Kriegswaffen auch als „moderner Krieg“ bezeichnet. Finde Textstellen, die auf die neuartige Kriegsführung hinweisen.
  4. Beurteile, inwiefern die Soldaten wirklich feindlich gegenüber ihrem Gegner eingestellt waren.

Zusatzaufgabe:

  1. Vergleiche die Briefe der Soldaten mit der Kriegspropaganda im Deutschen Kaiserreich. Gibt es Unterschiede bezüglich der Einstellung zum Krieg?
Jetzt Arbeitslätter inkl. Lösungen für den Unterricht herunterladen!
Verfasst von Fabio Schwabe

Unsere Buchempfehlungen

 

 

Sag' uns Deine Meinung!