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Arbeitsblatt zum Imperialismus & Kolonialismus


Der Theologe Friedrich Fabri befürwortete in einer 1879 veröffentlichten Schrift eine deutsche Kolonialpolitik:

[…] Gewichteter freilich noch ist die Erwägung, dass ein Volk, das auf die Höhe politischer Macht-Entwicklung geführt ist, nur so lange seine geschichtliche Stellung mit Erfolg behaupten kann, als es sich als Träger einer Cultur-Mission erkennt und beweist. Dies ist zugleich der einzige Weg, der auch Bestand und Wachstum des nationalen Wohlstandes, die notwendige Grundlage dauernder Machtentfaltung, verbürgt. Die Zeiten, in denen Deutschland fast nur durch intellektuelle und literarische Tätigkeit an den Aufgaben unseres Jahrhunderts mitgearbeitet hat, sind vorüber. Wir sind politisch und sind auch mächtig geworden. […] Will das neue Deutsche Reich seine wieder gewonnene Machtstellung auf längere Zeiten begründen und bewahren, so wird es dieselbe als eine Cultur-Mission zu erfassen und dann nicht länger zu zögern haben, auch seinen colonisatorischen Beruf aufs Neue zu betätigen.

Auszüge zitiert nach: Friedrich Fabri: Bedarf Deutschland der Kolonien? in: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 8, Stuttgart 2002, S. 254ff.

Im Jahr 1889 hielt SPD-Politiker August Bebel vor dem Reichstag seine berühmte Rede „Wider die Kolonialpolitik„:

Nun, wer ist denn diese Ostafrikanische Gesellschaft? Ein kleiner Kreis von Großkapitalisten, Bankiers, Kaufleuten und Fabrikanten, d. h. ein kleiner Kreis von sehr reichen Leuten, deren Interessen mit den Interessen des deutschen Volkes gar nichts zu tun haben, die bei dieser Kolonialpolitik nichts als ihr eigenes persönliches Interesse im Auge haben. […] Einer solchen Kolonialpolitik werden wir nie unsere Zustimmung geben. Im Grund genommen ist das Wesen aller Kolonialpolitik die Ausbeutung einer fremden Bevölkerung in der höchsten Potenz. Wo immer wir die Geschichte der Kolonialpolitik in den letzten drei Jahrhunderten aufschlagen, überall begegnen wir Gewalttätigkeiten und der Unterdrückung der betreffenden Völkerschaften, die nicht selten schließlich mit deren vollständiger Ausrottung endet. Und das treibende Motiv ist immer, Gold, Gold und wieder nur Gold zu erwerben. Und um die Ausbeutung der afrikanischen Bevölkerung im vollen Umfange und möglichst ungestört betreiben zu können, sollen aus den Taschen des Reiches, aus den Taschen der Steuerzahler Millionen verwendet werden, soll die Ostafrikanische Gesellschaft mit den Mitteln des Reiches unterstützt werden, damit ihr das Ausbeutungsgeschäft gesichert wird. […]

Auszüge zitiert nach: A. Kuhn (Hg.); Deutsche Parlamentsdebatten, Bd. 1, 1871-1918, Frankfurt/Main 1970, S. 170 ff.

Aufgaben:

  1. Lies dir beide Quellen aufmerksam durch.
  2. Fasse Fabris Argumente für eine deutsche Kolonialpolitik in Stichworten zusammen.
  3. Benenne die Gründe, warum August Bebel gegen eine Kolonialpolitik argumentiert.
  4. Kaiser Wilhelm II. strebte für das Deutsche Kaiserreich einen „Platz an der Sonne an“. Erläutere, welchen Stellenwert die Kolonialpolitik diesbezüglich hatte.

Zusatzaufgabe:

  1. Beurteile die Auswirkungen des Imperialismus und Kolonialismus in Afrika. Stelle Bezüge zur Gegenwart her.
Verfasst von Fabio Schwabe

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