Themenseite

Arbeitsblatt zu Kaiser Wilhelm II.


In sekundärer Fachliteratur (1981) wird der deutsche Kaiser Wilhelm II. folgendermaßen dargestellt:

[…] Waren die ersten beiden Jahrzehnte des neuen Kaiserreiches untrennbar mit dem Namen des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck verbunden, so vollzog sich unter Wilhelm II. eine Machtverlagerung vom Reichskanzleramt zur Krone. Bismarcks Nachfolger vermochten die Machtgefühle des Amtes weder zu wahren noch gar zu steigern. Indem man vom „Zeitalter Wilhelms II.“ oder vom „Wilhelminismus“ spricht, charakterisiert man nicht nur dessen Selbstwertgefühl, sondern entspricht auch dem Empfinden der Zeitgenossen: „Es gibt im gegenwärtigen Deutschland keine stärkere Macht als das Kaisertum. Gerade die Klagen der nicht-kaiserlich gesinnten Demokraten […] beruhen auf der immer erneuten Beobachtung, wie alle Politik, äußere und innere, vom Wollen und Reden des Kaisers abhängt. Kein Monarch der absoluten Monarchie hat so viel wirklichen Einfluss gehabt wie heute der Kaiser. […] Dieses Jahrhundert, dessen Mitte vom Traume der deutschen Republik widerhallte, endete mit einer Kaisermacht, die kein Barbarossa besaß.“ (Friedrich Naumann). In zahllosen Reden, Trinksprüchen und Ansprachen erhob Wilhelm II. nach Bismarcks Entlassung den Anspruch, den Kurs der Politik selbst zu bestimmen. Dieser Anspruch entsprang der tief verwurzelten Anschauung, dass den Hohenzollern die Herrschaft von Gottes Gnaden verliehen sei. Aus diesem Gottesgnadentum speiste sich seine antikonstitutionelle Haltung, die aus der Eintragung „suprema lex regis voluntas“ (Der Wille des Königs ist das höchste Gesetz) in das Goldene Buch der Stadt München spricht oder aus der Behauptung im Kreise seiner Mitarbeiter, „Ich kenne keine Verfassung. Ich kenne nur das, was ich will.“ deutlich wird.

Zitiert nach: W. Ludwigs, in: Das Parlament, Nr. 22/1981.

Aufgaben:

  1. Lies dir den Darstellungstext aufmerksam durch.
  2. Beschreibe Wilhelms II. Lebens- und Herrschaftsstil in eigenen Worten.
  3. Erkläre, warum das Jahr 1890 als „Kurswechsel“ der Politik des Kaiserreichs bezeichnet wird.
  4. Beurteile, inwiefern Wilhelms Herrschaftsverständnis einen Weg in den Ersten Weltkrieg geebnet haben könnte.

Zusatzaufgabe:

  1. Im Jahr 1888 folgte Wilhelm II. in einem Alter von erst 29 Jahren auf den Kaiserthron. Stelle Vermutungen an, inwiefern sich dies auf seinen Herrschaftsstil ausgewirkt haben könnte.
Verfasst von Fabio Schwabe

Unsere Buchempfehlungen

 

 

Sag' uns Deine Meinung!