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Arbeitsblatt zur sozialen Marktwirtschaft


Der deutsche Gewerkschaftsbund veröffentlichte im Jahr 1949 die „Grundsatzforderungen“ zur Wirtschaftspolitik in der BRD:

I. Eine Wirtschaftspolitik, die unter Wahrung der Würde freier Menschen die volle Beschäftigung aller Arbeitswilligen, den zweckmäßigsten Einsatz aller volkswirtschaftlichen Produktivkräfte und die Deckung des volkswirtschaftlich wichtigen Bedarfs sichert. II. Mitbestimmung der organisierten Arbeitnehmer in allen personellen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen der Wirtschaftsführung und Wirtschaftsgestaltung. III. Die Überführung der Schlüsselindustrien in Gemeineigentum, insbesondere des Bergbaues, der Eisen- und Stahlindustrie, der Großchemie, der Energiewirtschaft, der wichtigen Verkehrseinrichtungen und der Kreditinstitute. IV. Soziale Gerechtigkeit durch angemessene Beteiligung aller Werktätigen am volkswirtschaftlichen Gesamtertrag und Gewährung eines ausreichenden Lebensunterhalts für die infolge Alter, Invalidität oder Krankheit nicht Arbeitsfähigen.

Zitiert nach: G. Leminsky/B. Otto: Politik und Programmatik des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Köln 1974, S. 248.

Fritz Berg, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, schrieb im Jahr 1952:

Gerade in einer sozialen Marktwirtschaft ist nach meiner Auffassung die Unternehmerfunktion nicht nur durch die Risikobereitschaft, sondern auch das Streben nach Sicherheit gekennzeichnet. […] Eines der Mittel zur Abschwächung wirtschaftlich und sozial unerwünschter Marktspannungen ist aber die unternehmerische Zusammenarbeit, sei es in Form einer laufenden gemeinsamen Abstimmung mit der wirtschaftspolitischen Führung, eines Erfahrungsaustausches zwischen Wettbewerbern sowie mit Vorlieferanten und Abnehmern, von Empfehlungen an die Betriebe oder schließlich durch die Vielgestalt von Vereinbarungen kartellmäßigen Charakters. Diese Maßnahmen, die oft schnell und elastisch durchgeführt und immer wieder plötzlichen Veränderungen unterworfen werden müssen und die vor allem nur aus einer vollen Kenntnis der Marktverhältnisse getroffen werden können, sollen nach dem Entwurf eines Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen oder Genehmigung durch einen Beamten bedürfen! Im Wege der Einzelerlaubnis soll der Beamte darüber befinden, ob sich das Vorhaben der Unternehmer volkswirtschaftlich günstig oder ungünstig auswirken wird! Damit würden unternehmerische Entschlüsse durch einen Verwaltungsakt ersetzt, die Privatinitiative, die Wurzel alles unternehmerischen Schaffens, würde durch autoritäre Entscheidungsgewalt einer mit allen Mitteln rechtlichen Zwanges ausgestatteten Bürokratie abgelöst. Das ist ein planwirtschaftlicher Eingriff in das marktwirtschaftliche Geschehen, der niemals das Verständnis der Wirtschaft finden wird.

Zitiert nach: A. Schildt: Deutschland in den 50er Jahren. IzpB 256 (1997), S. 35. 

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard schrieb in seinem 1957 erschienenen Buch „Wohlstand für alle“: 

Die Gefahr einer Beeinträchtigung des Wettbewerbs droht sozusagen ständig und von den verschiedensten Seiten her. Es ist darum eine der wichtigsten Aufgaben des auf einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung beruhenden Staates, die Erhaltung des freien Wettbewerbs sicherzustellen. Es bedeutet wirklich keine Übertreibung, wenn ich behaupte, dass ein auf Verbot gegründetes Kartellgesetz als das unentbehrliche „wirtschaftliche Grundgesetz“ zu gelten hat. Versagt der Staat auf diesem Felde, dann ist es auch bald um die „soziale Marktwirtschaft“ geschehen. Dieses hier verkündete Prinzip zwingt dazu, keinem Staatsbürger die Macht einzuräumen, die individuelle Freiheit unterdrücken oder sie namens einer falsch verstandenen Freiheit einschränken zu dürfen. „Wohlstand für alle“ und „Wohlstand durch Wettbewerb“ gehören untrennbar zusammen; das erste Postulat kennzeichnet das Ziel, das zweite den Weg, der zu diesem Ziel führt. […] Mein ständiges Drängen, alle Anstrengungen auf eine Expansion ohne Gefährdung der gesunden Grundlage unserer Wirtschaft und Währung zu richten, gründet sich gerade auf die Überzeugung, dass es mir auf solche Weise möglich sein kann, all denen, die ohne eigenes Verschulden wegen Alter, Krankheit oder als Opfer zweier Weltkriege nicht mehr unmittelbar am Produktionsprozess teilhaben können, einen angemessenen, würdigen Lebensstandard zu garantieren. […]

Zitiert nach: L. Erhard, Wohlstand für alle, Düsseldorf 1957, S. 9 ff.

Aufgaben:

  1. Lies dir die drei Quellen aufmerksam durch.
  2. Fasse die Grundsatzforderungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Stichworten zusammen.
  3. Erläutere, was Fritz Berg von staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft hält.
  4. Erkläre, was Ludwig Erhard unter dem Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ versteht.

Zusatzaufgabe:

  1. Vergleiche die Soziale Marktwirtschaft der BRD mit der Planwirtschaft in der DDR. Wo gibt es bedeutende Unterschiede?
Verfasst von Fabio Schwabe

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