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Die 3. Aufgabe einer Geschichtsklausur

Die 3. Aufgabe einer Geschichtsklausur erweist sich für die meisten Schülerinnen und Schüler meist als große Herausforderung und kann den Notenschnitt dadurch schnell nach unten ziehen. Trotz einer gelungenen Quellenanalyse und Einordnung in den historischen Kontext lassen dabei selbst „Geschichtskracks“ einige Punkte liegen.

Die Schwierigkeit dieser Aufgabe besteht darin, dass der Schüler neben seines breiten Hintergrundwissens „über den Tellerrand hinausblicken“ und die vorliegende Quelle – mit Hinblick auf den historischen Kontext – kritisch beurteilen muss. So gesehen müssen also Teile der ersten beiden Aufgaben mit einer eigenen Auseinandersetzung verbunden werden. Viele Schüler verwechseln die 3. Aufgabe oftmals mit einer eigenen Meinung – diese sollte allerdings niemals Bestandteil einer wissenschaftlichen Analyse sein.

Vielmehr sollten die in der Quelle enthaltenen Stichpunkte auf den geschichtlichen Hintergrund bezogen und der Frage nachgegangen werden, welche Rolle diese in der Thematik gespielt haben. Im Folgenden wird dies anhand eines Beispiels näher erläutert:

Rede des US-Präsidenten Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor, am 12. Juni 1987

Aufgabe 1: Analysiere die vorliegende Quelle.

Aufgabe 2: Ordne die Quelle in den historischen Kontext ein.

Aufgabe 3: Bewerte Reagans Argumente kritisch (Welche Bedeutung haben sie gespielt/sind sie schlüssig?)

» Hier geht es zur Quellenanalyse über Reagans Rede

Zu Aufgabe 2 (zeitliche Einordnung): Reagans Rede fand im Jahr 1987 und demzufolge in der Endphase des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion statt. Er bezieht sich darin auf die noch bestehende deutsche Teilung und behauptet, dass die „deutsche Frage“ noch so lange offen sei, wie die Mauer stehen würde. Reagan spricht den sowjetischen Staatschef Gorbatschow direkt an und bittet ihn darum, die deutsch-deutsche Grenze zu öffnen. Die Rede erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die USA und Sowjetunion kurz vor Abschluss des INF-Vertrags zur Abrüstung standen und das Ende des Ost/West-Konflikts in greifbarer Nähe schien. Für Reagan sei die Öffnung der Grenze eine notwendige Maßnahme, um für die Berliner, Deutschen und die ganze Welt Frieden zu sichern. Trotz der Abrüstung müssten die USA und westliche Welt weiterhin gegen einen möglichen Angriff des Ostblocks militärisch gewappnet sein.

Zu Aufgabe 3 (kritische Bewertung): Ziel ist es, Reagans Hauptthesen nochmal zusammenfassend mit eigenen Worten wiederzugeben. Anschließend sollen sich die Schüler kritisch mit diesen auseinandersetzen und auf die historische Realität beziehen. Diesbezüglich werden Pro- und Contra-Argumente genannt. Für Reagans Thesen sprechen in diesem Fall, dass eine militärische Abschreckung der USA Notwendig war, weil eine sowjetische Expansion in Europa ansonsten begünstigt worden wäre. Darüber hinaus hat der Westen im gesamten Kalten Krieg erfolgreich zusammengehalten und mit seinem Drohpotential einen weiteren Weltkrieg verhindert. Gegen Reagans Thesen spricht allerdings, dass die von ihm angesprochene Abrüstung bislang nur kaum funktioniert hat und es noch immer Atomwaffen gibt. Darüber hinaus hätte ein friedlicheres Verhältnis mit der Sowjetunion eventuell schon vorher erreicht werden können, wenn die USA früher Zugeständnisse gemacht hätten. Das anbahnende Ende des Kalten Krieges ist zudem nicht allein der Stärke der USA zuzuschreiben, sondern hängt mit der Veränderung der Weltordnung, Entspannung der 1980er Jahre, Gorbatschows Kurswechsel „Perestroika und Glasnost“ sowie dem durch den Afghanistankrieg verursachten Staatsbankrott der Sowjetunion zusammen. Des Weiteren könnten die Schüler argumentieren, dass die von Reagan angewendete Kriegsrhetorik nicht unbedingt förderlich für ein angemessenes Verhältnis mit dem Osten sei.

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Verfasst von Fabio Schwabe

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