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John Locke: Liberalismus


Ähnlich wie Thomas Hobbes erlebte John Locke eine Zeit, die in England von innenpolitischen Machtkämpfen zwischen König und Parlament gekennzeichnet war. Anders als sein Vorgänger plädierte Locke aber für einen Staat, der neben dem Schutz auch die individuellen Freiheits- und Grundrechte seiner Untertanen garantieren sollte. Locke wird aufgrund dieser Idee als „Vater des Liberalismus“ bezeichnet.

Historischer Hintergrund

John Locke erlebte in seiner Heimat den englischen Bürgerkrieg und einen anhaltenden Konflikt zwischen König und Parlament. In den frühen 1680er Jahren bahnte sich mit dem katholischen Thronfolger Jakob II. das Problem an, dass England rekatholisiert werden könnte. Es regte sich heftiger Widerstand im Unterhaus, das von Protestanten und dem aufstrebenden Bürgertum dominiert wurde. In dieser Zeit entwickelte der Whig John Locke seine staatstheoretischen Ideen und schuf eine geistige Voraussetzung für die Glorious Revolution im Jahr 1688, die England in eine konstitutionelle Monarchie umwandelte.

Vater des Liberalismus

Locke war sich mit Hobbes darin einig, dass die Menschen ohne einen Staat im Naturzustand und daher unsicher leben. Der Besitz von Eigentum und Geld mache eine Gesellschaft ungleicher und erhöhe die Gefahr, dass dieser Besitz aufgrund von Neid und Habgier gestohlen werden könnten. Aufgrund dessen seien klare Regeln erforderlich, die die Gesellschaft in geordnete Bahnen lenken sollen. Als übergeordnete Instanz habe der Staat die Rechte eines jeden Individuums zu garantieren – ansonsten herrsche Anarchie. Der Staat solle seine Untertanen aber – wie bei Hobbes‘ Leviathan – nicht nur schützen, sondern auch deren eigenen Freiheits- und Grundrechte sichern. Von dieser individuellen Freiheit war bei Hobbes, der sich für einen übermächtigen Souverän aussprach, noch keine Rede.

Abhandlungen über die Regierung

Kurz nach der Glorious Revolution in England 1689 veröffentliche John Locke seine „Zwei Abhandlungen über die Regierung„. Er plädierte darin für die Garantie von Eigentum und lehrte seine Vorstellung von einem Staat, in dem die Macht in Exekutive und Legislative aufgeteilt wird. Die Herrschaft sollte nun nicht mehr allein vom Monarch ausgehen, sondern durch die Gesetzgebung der Legislative eingeschränkt werden. Diese Gewaltenteilung sollte Machtmissbrauch verhindern und eine gerechte Regierung, die auf Zustimmung beruht, schaffen. Den Untertanen schrieb Locke ein Widerstandsrecht zu, falls der Monarch seine Herrschaft auszubauen versuche.

Nachwirkungen

Durch seine staatstheoretische Schrift kam John Locke der Beiname „Vater des Liberalismus“ zu. Die Ideen von Eigentum, Gewaltenteilung und Freiheit wurden zum festen Bestandteil der konstitutionellen Monarchie in England. Locke war darüber hinaus ein Vorbild für die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776, die viele seiner Thesen übernommen hat. Die Garantie der individuellen Freiheits- und Grundrechte sind Hauptbestandteil von modernern demokratischen Verfassungen. Lockes Grundannahmen wurden von den Staatstheoretikern Montesquieu und Jean-Jacques Rousseau später weiterentwickelt und ebneten einen Weg für die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die 1789 infolge der Französischen Revolution verwirklicht wurden.

Verfasst von Fabio Schwabe

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