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Quellenverweise

Gaildorfer Erklärung

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Infolge der Märzrevolution 1848 wurde die Macht der Fürsten im Deutschen Bund erschüttert. Am 12. März 1848 verfasste der Glasfabrikant Gottlieb Rau im württembergischen Gaildorf eine politische Denkschrift, in der er die Forderungen der vom Hunger bedrohten Arbeiterschaft und Bauern veranschaulichte:

Gaildorfer Erklärung

Die am 12. März zu Gaildorf abgehaltene Volksversammlung berathet und nimmt an folgende Erklärung, deren Verbreitung zugleich beschlossen wird: Wir schließen uns dem, allerwärts in Deutschland sich erhebenden Streben nach deutscher Einheit von ganzem Herzen an. Wir erblicken in dem für unser Land jetzt bestehenden Ministerium Römer, Pfizer etc., die Garantie für das Eingehen der Staatsregierung auf eine neue volksthümliche Bahn, die Garantie für Wahrung und Ausbildung der materiellen, geistigen und politischen Rechte des Volkes. […]

Noch Ein Fehljahr, und der Jammer von Irland, Flandern, Schlesien und Galizien bricht unaufhaltsam auch über uns herein mit all seiner haarsträubenden Grässlichkeit. Wir weisen einfach hin auf die Vorboten solcher Zeiten, die in erschreckendem Maaß wachsende Zahl der Gantfälle von Woche zu Woche, wir machen aufmerksam auf die gänzliche Stockung in Gewerben und Handel, die uns bei der Ungunst unserer geografischen Lage noch viel härter drücken wird als andere Völker, wir erinnern an die Größe des Geldmangels, an die Möglichkeit einer abermaligen Misserndte des Hauptnahrungsmittels unseres Volkes, der Kartoffel-Pflanze, wir machen aufmerksam auf die Möglichkeit eines europäischen Völkerkampfs, und fragen einfach: ist es denkbar, diesen furchtbar wachsenden Größen von Noth, Elend und Gefahr erfolgreich mit Pressefreiheit, Schwurgerichten, Volksbewaffnung, deutschem Parlament und ähnlichen Maaßregeln allein entgegenzutreten? […] Mit innerster Überzeugung sagen wir: Nein! – Jene großen Verbesserungen allein sind wir nicht im Stande, den tieferen Krebsschaden der geistigen und materiellen Verkümmerung des Volks aus dem Staatskörper herauszutreiben, er hat zu tief gefressen, es ist zu spät! […]

In Ansehung des ersten Grundpfeilers der Existenz unseres Volks, des Ackerbaus, halten wir es für ein Gebot der Wahrheit, der Ehre und der Religion, auszusprechen: alle Grund- und Feudallasten, alle Zehenten und Gefälle, sie mögen Namen haben, welche sie wollen, müssen an Einem Tage ohne Entschädigung fallen! […] Anlangend das andere große Leiden des Volks an seinem Grundpfeiler, den Gewerben, so glauben wir im Anblick der traurigen Verwahrlosung derselben zu dem Ausruf uns berechtigt und verpflichtet: der Staat, die Gesammtheit, das ganze Volk muss ins Mittel treten. Die Ansicht, dass die Regierung für das Wohl des Ganzen, also für jeden Einzelnen zu sorgen habe, ist in dem Höchsten, was wir haben, in der Religion begründet. […] Es ist deshalb eine furchtbare Verirrung, wenn man von Communismus spricht, da, wo die ärmeren Klassen Sicherung der Arbeit und einen zum nothdürftigen Leben hinreichenden Lohn ansprechen. […] Das sind Staats-Aufgaben, deren Dasein und Wichtigkeit Jeder mit Händen greifen kann, und deren Erfüllung oder Nicht-Erfüllung das Wohl oder Wehe des Allgemeinen und des Einzelnen enthält. […]

Wir kennen keine Unmöglichkeit, da, wo es sich um die Rettung von hunderttausenden handelt. Eine große bisher geschonte Quelle kann für den Staat durch eine gerechte Einkommenssteuer eröffnet werden. […] Keiner soll hinfort mehr an Leib und Seele verkümmern, denn Jeder, auch der Geringsten Einer, ist Gottes Ebenbild. Wir schließen mit den Worten: Wahrheit, Bildung, Bruderliebe.

Zitiert nach: J. Cramer u. a., Das Königreich Württemberg zwischen Restauration und Revolution, Stuttgart 1983, M 74.






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