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Konrad Adenauer über den Marshallplan

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Konrad Adenauer, erster deutscher Bundeskanzler der Nachkriegszeit, war ein klarer Befürworter der Westintegration und band die BRD damit enger an den Kreis der westlichen Staatengemeinschaft. Unter anderem nahm die BRD 1948 den US-amerikanischen Marshallplan als Wirtschaftswiederaufbauprogramm an. Dies war eine wichtige Grundlage für das rasche Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren. Über den Marshallplan schrieb Adenauer in seiner Schrift „Erinnerungen“:

Der Marshallplan

Die Industrien fast aller Länder Europas waren zerstört und mussten neu aufgebaut werden. Die Verluste an Menschen waren ungeheuer groß. Die allgemeine Umstellung von der Kriegs- auf die Friedenswirtschaft brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Die Entwicklung in Europa schien immer weiter abwärts zu gehen. Die Kommunistische Partei fand daher überall gute Möglichkeiten für ihre Werbung. Am 8. Mai 1947 hielt der damalige Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium, Dean Acheson, in Cleveland, Mississippi, eine Rede, in der er offen von einem Misserfolg der Moskauer Außenministerkonferenz sprach und betonte, dass die Vereinigten Staaten sich nicht davon abhalten lassen würden, den Wiederaufbau Europas auch ohne eine Einigung der Großen Vier in Angriff zu nehmen. Dean Acheson ging in dieser Rede auch auf Deutschland ein und sagte, dass die Vereinigten Staaten unter den gegebenen Umständen alles nur Mögliche tun müssen, um den Wiederaufbau der großen „Werkstätte“ Europas möglich zu machen […]. Die amerikanische Wirtschaft brauche den europäischen Absatzmarkt, und die Vereinigten Staaten müssen aus Gründen ihrer Sicherheit gegenüber dem Weltkommunismus und ihrer eigenen Wirtschaft ein Interesse daran haben, dass Europa wieder gesunde […] Wenn nicht alle Länder der Welt wieder über eine gesunde Wirtschaft verfügten, werde es keinen dauerhaften Frieden für irgendein Land geben. Der Krieg werde erst dann wirklich beendet sein, wenn alle Völker der Erde wieder genug zum Leben hätten und voll Vertrauen in die Zukunft blicken könnten. Der Friede in der Welt diene dem Wohl der Vereinigten Staaten. Die Unterstützungsmöglichkeiten für andere Länder von Seiten der Vereinigten Staaten seien jedoch beschränkt, und so müssten sich die Vereinigten Staaten darauf konzentrieren, ihre Hilfe dort zu geben, wo sie die Autorität der Vereinten Nationen stärke und zu dem Ausbau einer liberalen Handelspolitik beitrage. Ein künftiges amerikanisches Hilfsprogramm werde den freien Völkern, deren Ziel es sei, ihre Unabhängigkeit, ihre demokratischen Institutionen und die Freiheit der Person gegen jeden totalitären Druck von innen oder außen zu verteidigen, den absoluten Vorrang geben. Damit hat Dean Acheson die Grundlinien des großen amerikanischen Hilfsprogramms, das unter dem Namen „Marshall-Plan“ in die Geschichte einging, gezeichnet. Außenminister Marshall hatte nach Abschluss der Moskauer Konferenz sofortige Maßnahmen gefordert, wenn nicht anders möglich ohne vorherige Einigung der Großmächte, um die Gesundung Europas herbeizuführen. Er sagte, die gesamte Wirtschaft Europas müsse als harmonisches Ganzes zusammenarbeiten. Ziel der amerikanischen Außenpolitik sei, eine gesunde koordinierte Wirtschaft in Europa wiederherzustellen.

Auszug aus: K. Adenauer, Erinnerungen 1945-1953, Stuttgart 1965, S. 114 f.

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