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Die Taufe Chlodwigs

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Nach dem Untergang des Römischen Reiches und der Völkerwanderung gründeten die eingefallenen Germanenstämme ihre eigenen Kleinreiche. Darunter setzten sich am Ende des 5. Jahrhunderts die Franken unter König Chlodwig durch und vereinigten alle germanischen Völker zum Fränkischen Reich. Ein spektakuläres Ereignis markierte Chlodwigs Taufe und Übertritt zum Christentum 497/498, womit er den Grundstein für die Christianisierung Europas legte. Über dieses Ereignis berichtete der Geschichtsschreiber und Bischof Gregor von Tours in seinem Werk „Decem libri historiarum“ (II, cap. 28 ff):

Die Taufe Chlodwigs

Es lebte damals Gundevech, der Burgunderkönig. […] Gundevech aber hatte vier Söhne: Gundobad, Godegisil, Chilperich und Godomar. Gundobad aber tötete seinen Bruder Chilperich mit dem Schwerte und ließ seine Gemahlin mit einem Stein um den Hals in das Wasser werfen. Ihre beiden Töchter aber verbannte er vom Hofe, die ältere, die Nonne wurde, hieß Chrona, die jüngere Chrodichilde. Da aber Chlodovech [Chlodwig] oftmals Botschaft sandte in das Burgunderland, sahen seine Boten einst Chrodichilde, die Jungfrau; und da sie fanden, daß sie schön und verständig sei, und in Erfahrung brachten, daß sie von königlichem Geschlecht war, meldeten sie dies König Chlodovech. Und sofort schickte er seine Gesandtschaft an Gundobad und hielt um ihre Hand an. Jener scheute sich, ihn abzuweisen, und übergab den Boten die Jungfrau. […] Da er sie sah, fand er großes Wohlgefallen an ihr und nahm sie zur Ehe. […]

Der König bekam nun von der Königin Chrodichilde den ersten Sohn. Sie wollte ihn taufen lassen und drang deshalb unaufhörlich in ihren Gemahl uns sprach: „Nichts sind die Götter, die ihr verehrt.“ Aber wie oft auch die Königin so sprach, sie konnte doch des Königs Gemüt nicht zum Glauben bekehren. „Auf unserer Götter Geheiß“, sagte er, „wird alles erschaffen und erzeugt, euer Gott vermag augenscheinlich nichts und ist, was noch mehr ist, nicht einmal vom Stamme der Götter“. Indessen aber brachte die gläubige Königin ihren Sohn zur Taufe. […] Ihr Sohn aber, den man Ingomar nannte, starb, als er getauft, noch in den weißen Kleidern, in denen er das Bad der Wiedererweckung empfangen hatte. Da schwoll dem König die Galle. […] Danach gebar sie einen anderen Sohn, den sie in der Taufe Chlodomer nannte, und als er anfing zu erkranken, sprach der König: „Es kann mit ihm nicht anders ergehen als mit seinem Bruder, daß er getauft im Namen eures Christus alsbald sterbe.“

Aber durch das Gebet der Mutter wurde auf des Herrn Geheiß das Kind wieder gesund. Die Königin aber ließ nicht ab in ihn zu dringen, daß er den wahren Gott erkenne und ablasse von den Götzen. Aber auf keine Weise konnte er zum Glauben bekehrt werden, bis er endlich einst mit den Alamannen in einen Krieg geriet: Da zwang ihn die Not zu bekennen, was sein Herz vordem verleugnet hatte. Als die beiden Heere zusammenstießen, kam es zu einem gewaltigen Blutbad, und Chlodovechs Heer war nahe daran, völlig vernichtet zu werden. Als er das sah, erhob er seine Augen zum Himmel, sein Herz wurde gerührt, seine Augen füllten sich mit Tränen und er sprach: „Jesus Christ, Chrodichilde verkündet, du seiest der Sohn des lebendigen Gottes; Hilfe, sagt man, gebest du den Bedrängten, Sieg denen, die auf dich hoffen – ich flehe dich demütig an um deinen mächtigen Beistand: Gewährst du mir jetzt den Sieg über diese meine Feinde und erfahre ich so jene Macht, die das Volk, das deinem Namen sich weiht, an dir erprobt zu haben rühmt, wo will ich an dich glauben und mich taufen lassen auf deinen Namen. Denn ich habe meine Götter angerufen, aber, wie ich erfahre, sind sie weit davon entfernt, mir zu helfen. Ich meine daher, ohnmächtig sind sie, da sie denen nicht helfen, die ihnen dienen. Dich nun rufe ich an, und ich verlange, an dich zu glauben; nur entreiße mich aus der Hand meiner Widersacher.“ Und da er solches gesprochen hatte, wandten die Alamannen sich und begannen zu fliehen. Als sie aber ihren König getötet sahen, unterwarfen sie sich Chlodovech […] der Königin aber erzählte er, wie er Christi Namen angerufen und so den Sieg gewonnen habe. Das geschah im fünfzehnten Jahr seiner Regierung.

Darauf ließ die Königin heimlich den Bischof von Reims, den heiligen Remigius, rufen und bat ihn, er möchte das Wort des Heils dem Könige zu Herzen führen. […] Jener aber sprach: „Gern würde ich, heiligster Vater, auf dich hören, aber eins macht mir noch Bedenken, das Volk, das mir anhängt, duldet nicht, daß ich seine Götter verlasse; doch ich gehe und spreche mit ihnen nach deinem Worte.“ Als er darauf mit den Seinigen zusammentrat, rief alles Volk zur selben Zeit, noch ehe er den Mund auftat, denn die göttliche Macht kam ihm zuvor: „Wir tun die sterblichen Götter ab, gnädiger König, und sind bereit, dem unsterblichen Gott zu folgen, den Remigius verkündet.“ Solches wurde dem Bischof gemeldet, und er befahl hocherfreut, das Taufbad vorzubereiten. Mit bunten Decken wurden nun die Straßen behängt, mit weißen Vorhängen die Kirchen geschmückt, die Taufkirche in Ordnung gebracht, Wohlgerüche verbreiteten sich, es schimmerten hell die duftenden Kerzen, und das ganze Heiligtum der Taufkirche wurde von himmlischem Wohlgeruch erfüllt; und solche Gnade ließ Gott denen zuteil werden, die damals gegenwärtig waren, daß sie meinten, sie wären in die Wohlgerüche des Paradieses versetzt. Zuerst verlangte der König vom Bischof getauft zu werden. Er ging, ein neuer Konstantin, zum Taufbade hin, sich reinzuwaschen von dem alten Aussatz und sich von den schmutzigen Flecken, die er von alters her gehabt, im frischen Wasser zu reinigen. Als er aber zur Taufe hintrat, redete ihn der Heilige Gottes mit beredtem Munde also so an: „Beuge still deinen Nacken, Sicamber, verehre, was du verfolgtest, verfolge, was du verehrtest.“ Es war nämlich der heilige Bischof Remigius ein Mann von hoher Wissenschaft und besonders in der Kunst der Beredsamkeit erfahren, aber auch durch Heiligkeit zeichnete er sich so aus, daß er an Wundertaten dem heiligen Silvester gleichkam. Wir haben noch jetzt seine Lebensbeschreibung, die berichtet, daß er einen Toten erweckt habe.

Also bekannte der König den allmächtigen Gott als den dreieinigen und ließ sich taufen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und wurde gesalbt mit dem heiligen Öl unter dem Zeichen des Kreuzes Christi. Von seinem Heer aber wurden mehr als dreitausend getauft. Es wurde auch seine Schwester Alboflede getauft, die nicht lange danach zum Herrn einging. Und da sich der König um sie tief bekümmerte, schrieb ihm der heilige Remigius einen Trostbrief, der hub solchermaßen an: „Es betrübt mich die Veranlassung eures Kummers, es betrübt mich über die Maßen, daß eure Schwester seligen Andenkens, Alboflede, heimgegangen ist. Aber wir vermögen euch deshalb zu trösten, denn sie schied so von dieser Welt, daß man eher zu ihr aufblicken als um sie trauern sollte.“ Es bekehrte sich ferner auch eine andere Schwester des Königs mit Namen Lantechilde, die in die Irrlehre der Arianer verfallen war; sie bekannte nun, daß der Sohn und der Heilige Geist gleichen Wesens mit dem Vater sei, und wurde darauf gesalbt.

Zitiert nach: Gregor von Tours, Historiarum libri decem, II, cap. 28, 29, 30, 31, übersetzt von R. Buchner, in: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.): Geschichte in Quellen, Mittelalter, Band 2, München 1975, S. 26 ff.

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