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Die Pippinische Schenkung

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Die Pippinische Schenkung im 8. Jahrhundert führte zur Gründung des Kirchenstaats in Italien durch die karolingische Königsdynastie. Da der römische Papst Stephan II. andauernden Eroberungsversuchen der Langobarden unter den Königen Aistulf und Desiderius ausgesetzt war, garantierten ihm die Karolinger militärischen Schutz. Dies führte zur Legitimation der späteren Herrschaftsordnung des Heiligen Römischen Reiches. Die über Jahrhunderte für wahr gehaltene Pippinische Schenkung wird im „Liber pontificalis Stephan II“ (cap. 46-50) folgendermaßen geschildert:

Die Pippinische Schenkung

Als nun aber Pippin der Frankenkönig die Stadt Pavia belagerte, da sah sich Aistulf genötigt, die Städte, die schon in dem früheren Vertrag bezeichnet waren, herauszugeben, und außer ihnen räumte er auch noch die Burg Comacchio. Und über diese ganze Schenkung stellte Pippin eine Urkunde aus, die noch im Archiv unserer Kirche aufgewahrt wird. Zur Empfangnahme der Städte ließ der König, während er selbst ins Frankenreich zurückkehrte, den Abt Fulrad zurück, der sich nun mit den Bevollmächtigten König Aistulfs nach dem Exarchat begab und sich die einzelnen Städte der Pentapolis und der Provinz Aemilia ausliefern, Geiseln von ihnen stellen ließ und dann mit den angesehensten Einwohnern und den Schlüsseln der verschiedenen Städte nach Rom zurückkehrte. Hier legte er die Schlüssel und die von seinem König ausgestellte Schenkungsurkunde beim Grab des heiligen Petrus nieder und übertrug dessen Stellvertreter, dem Papst und allen seinen Nachfolgern auf dem römischen Stuhl für ewige Zeiten den Besitz der nachfolgenden Städte:

Ravenna, Rimini, Pesaro, Conca, Fanum, Cesina, Sinigaglia, Jesi, Forum Populi, Forli, mit der Burg Sassubium, Mons Feltri, Acerres, Agiomons, Mons Lucati, Serra, das Kastell St. Marini, Bobium, Urbino, Callis, Luciolis, Gubbio und Comiaclium. Außerdem kam auch die Stadt Narni, die früher von dem Herzog von Spoleto erobert worden war, wieder in den Besitz von Rom.

Mittlerweile starb der unselige König Aistulf von Gottes Hand getroffen auf der Jagd. Wie Desiderius, der von Aistulf zum Herzog von Tuscia bestellt worden war, davon Kunde bekam, sammelte er alsbald ein zahlreiches Heer und wollte das Reich der Langobarden an sich reißen. Jedoch Aistulfs Bruder Ratchis, der früher König gewesen und jetzt Mönch war, und viele langobardische Großen mit ihm widersetzten sich dem Desiderius und zogen mit Heeresmacht gegen ihn zu Felde. Desiderius wandte sich nun an den Papst und bat ihn dringend, ihm zur Erlangung des Königtums zu verhelfen, und versprach ihm dabei eidlich, in allem nach seinem Willen zu tun, außerdem die übrigen Städte herauszugeben und ihm reiche Geschenke zu machen. Da ging der fromme Oberhirte mit dem erhwürdigen Abt Fulrad zu Rate und sandte seinen Bruder, den Diakonus Paulus und den Primicerius Christoph in Begleitung des Abtes Fulrad nach Tuscien ab zu Desiderius, der sogleich seine früheren Versprechen durch eine schriftliche Urkunde und einen furchtbaren Eid bekräftigte. Hierauf schickte der Papst sogleich den ehrwürdigen Priester Stephanus mit einem Schreiben an Ratchis und das ganze Volk der Langobarden ab; auch Abt Fulrad ging mit einigen Franken dahin, und er hatte sich schon darauf gefaßt gemacht, nötigenfalls mit einem römischen Heere dem Desiderius zu Hilfe zu kommen. Jedoch der allmächtige Gott lenkte es so, daß Desiderius unter dem Beistand des Papstes ohne weiteren Kampf den königlichen Thron bestieg.

Zitiert nach: Liber pontificalis Stephan II, cap. 46-50, übersetzt von o. Abel, in: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.): Geschichte in Quellen, Mittelalter, Band 2, München 1975, S. 61 f.

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