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Quellenverweise

George F. Kennan: Containment-Politik

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Auf der Potsdamer Konferenz 1945 kamen die unterschiedlichen Interessen der USA und Sowjetunion offen zum Vorschein. Nach den Verhandlungen beschäftigte sich der US-amerikanische Diplomat George F. Kennan mit der Frage, ob die USA mit der Sowjetunion eine Kooperation oder Konfrontation anstreben sollten. Mit seiner Kritik an der weiteren Zusammenarbeit mit der Sowjetunion wurde er zum Wegbereiter der Containment-Politik, die 1947 zum Kalten Krieg führte.

Containment-Politik

Die Idee, Deutschland gemeinsam mit den Russen regieren zu wollen, ist ein Wahn. […] Es versteht sich – bei solchen Überzeugungen -, dass ich die Arbeit der Konferenz von Potsdam mit Skepsis und Entsetzen verfolge. Ich kann mich an kein politisches Dokument erinnern, das mich je so deprimiert hätte wie das von Truman unterzeichnete Kommuniquè am Ende dieser wirren und verwirrenden Verhandlungen. Nicht nur weil ich wusste, dass die Idee einer gemeinsamen Vier-Mächte-Kontrolle, die man jetzt zur Grundlage für die Regierung Deutschlands gemacht hatte, abwegig und undurchführbar sei. Auch die unpräzise Ausdrucksweise, die Verwendung so dehnbarer Begriffe wie „demokratisch“, „friedlich“, „gerecht“ in einem Abkommen mit den Russen lief allem direkt zuwider, was siebzehn Jahre Russlanderfahrung mich über die Technik des Verhandelns mit der sowjetischen Regierung gelehrt hatten. Die Behauptung zum Beispiel, wir würden zusammen mit den Russen das deutsche Erziehungssystem „nach demokratischen Richtlinien“ umformen, ließ Rückschlüsse zu, die nach allem, was wir von der Geisteshaltung der sowjetischen Führer und den damaligen russischen Erziehungsgrundsätzen wussten, völlig ungerechtfertigt waren. Noch erschreckender las sich die von uns verkündete Absicht, in Zusammenarbeit mit den Russen das deutsche Rechtswesen so umzugestalten, dass es „den Prinzipien der Demokratie, der Urteilsfindung nach Recht und Gesetz und der gleichen Behandlung aller Bürger ohne Ansehen von Rasse, Nationalität oder Religion“ entspräche. Für die weitere Behauptung, man werde die politische Tätigkeit „demokratischer Parteien und die dazugehörige Versammlungsfreiheit und öffentliche Diskussion“ nicht nur gestatten, sondern „ermutigen“, würden mildernde Umstände schwer zu finden sein. Jeder Mensch in Moskau hätte unsern Unterhändlern sagen können, was die sowjetische Führung unter „demokratischen Parteien“ verstand. Die Irreführung der Öffentlichkeit in Deutschland und im Westen durch die Verwendung eines solchen Ausdrucks in einem Dokument, das außer von Stalin auch von den Herren Truman und Attlee unterzeichnet war, ließ sich selbst mit allergrößter Naivität nicht entschuldigen.

Zitiert nach: G. F. Kennan, Memoiren eines Diplomaten, Stuttgart 1968, S. 262 ff. 






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