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Quellenverweise

Quelle zum Röhm-Putsch 1934

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Im Zuge der Machtergreifung und Gleichschaltung konnten die Nationalsozialisten ihren totalitären Machtapparat innerhalb weniger Monate festigen. Im Sommer 1934 gab es im Dritten Reich nur noch im Inneren der SA-Führung Widerstand zwischen Ernst Röhm und Adolf Hitler. Im sogenannten Röhm-Putsch ließ Hitler die gesamte Führerschaft der SA ermorden. Der Staatssekretär Dr. Meissner schilderte diese Geschehnisse vom 30. Juni 1934 in seinen „Erinnerungen“ folgendermaßen:

Quelle zum Röhm-Putsch

Der Plan Hitlers, unangemeldet und überraschend in Wiessee anzukommen, gelingt. Der Mann des Flugplatzes Hangelar, der von Röhm gewonnen war, Flüge des Führers und deren Ziel sofort zu melden, war plötzlich erkrankt und konnte die verabredete Nachricht nicht – wie verabredet – an den Adjutanten Röhms durchsagen. So trifft Hitler mit seiner Begleitung und Sicherheitseskorte in den frühen Morgenstunden des 30. Juni völlig überraschend in München ein, wo er einige der Mitverschwörer Röhms verhaften und erschießen lässt, fährt mit seinem Führerbegleitkommando nach Wiessee weiter und verhaftet dort unter persönlichen Beschimpfungen Röhm und die um ihn versammelten SA-Führer; sie werden in die Strafanstalt Stadelheim bei München überführt und dort ohne Verfahren erschossen. Röhm hatte es abgelehnt, von der ihm gegebenen Möglichkeit, Selbstmord zu begehen, Gebrauch zu machen, und ein gerichtliches Verfahren gefordert. Göring läßt inzwischen in Berlin den dortigen SA-Gruppenführer, einen übel berüchtigten Homosexuellen, Karl Ernst, und sieben andere SA-Führer und eine große Anzahl der Beteiligung an der Verschwörung Röhms Beschuldigter in der SS-Kaserne in Lichterfelde erschießen. Alle diese Hinrichtungen erfolgen ohne jedes Verhör, ohne irgendeine Nachprüfung der Beschuldigung und ohne jede Möglichkeit einer Verteidigung, ja selbst ohne nähere Feststellung der Personalien, so daß in einigen Fällen Personenverwechslungen vorkamen; Listen und unkontrollierte Denunziationen genügten sowohl in München wie in Berlin als Unterlage für diese Exekution.

Die Gerüchte über die blutigen Ereignisse des 30. Juni verbreiteten sich mit Windesschnelle im deutschen Volke, das zunächst durch die Nachricht über die endliche Beseitigung des verhaßten Röhm und des von ihm begünstigten Terrors seiner SA erleichtert aufatmete; als dann aber die Einzelheiten der Hitlerschen Gegenaktion, die blutigen Grausamkeiten und der Umfang der Hinrichtungen bekannt wurden, ging eine Welle der Empörung und des Schreckens durch Deutschland. Die Erregung stieg weiter an, als in den nächsten Tagen bekannt wurde, daß nicht nur Verschwörer oder an der Revolte selbst Beteiligte erschossen worden waren, sondern daß Hitler, Himmler, Göring und Heydrich die Gelegenheit benutzt hätten, um politische Gegner zu beseitigen, die nichts mit Röhm und seinen Plänen zu tun hatten und nur der nationalsozialistischen Partei und ihrer Führung im Wege standen. So waren in Berlin General von Schleicher und seine Frau, General von Bredow, Gregor Strasser, der Führer der Katholischen Aktion, Ministerialdirekor Klausener, der Referent v. Papens, von Bose, u. a. erschossen worden. In Bayern waren der frühere Ministerpräsident von Kahr, Dr. Edgar Jung, ein Mitarbeiter v. Papens und der Verfasser von dessen Marburger Rede, und zahlreiche andere Opfer des Mordens geworden. Von Papen wurde vorübergehend in seiner Wohnung in Schutzhaft genommen, und viele andere waren noch in Haft. […]

Hitler und Göring benachrichtigten […] fernmündlich davon, daß die Erschießung von Schleichers bei der Verhaftung durch eigenes Verschulden verursacht worden sei; gegen von Schleicher läge hinreichendes Beweismaterial nicht nur für seine Verbindung mit Röhm, sondern auch für landesverräterische Beziehungen zum Ausland vor, die seine Festnahme notwendig gemacht habe; er habe sich seiner Verhaftung widersetzt, nach seiner Pistole greifen wollen und sei darauf niedergeschossen worden; seine Frau, die aus dem Nebenzimmer herbeieilte, um ihn zu decken, sei unglücklicherweise mit das Opfer der Schüsse geworden. […]

Auszüge zitiert nach: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Weltkriege und Revolutionen 1914-1945, München 1961, S. 306-307.

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