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Bismarck über die Kolonialpolitik

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Trotz langer Verzögerung entschied sich Reichskanzler Bismarck im Jahr 1884 für den Erwerb afrikanischer Kolonien. Damit begann die Epoche des deutschen Imperialismus. Am 26. Juni 1884 hielt Bismarck eine Rede im deutschen Reichstag und rechtfertigte dort die Gründe dafür, warum er seine Haltung zur Kolonialpolitik nun geändert hatte:

Bismarck über die Kolonialpolitik

Wir sind zuerst durch die Unternehmung hanseatischer Kaufleute, verbunden mit Terrainankäufen und gefolgt von Anträgen auf Reichsschutz dazu veranlasst worden, die Frage, ob wir diesen Reichsschutz in dem gewünschten Maße versprechen könnten, einer näheren Prüfung zu unterziehen. Ich wiederhole, dass ich gegen Kolonien [bin], gegen Kolonien, die als Unterlage ein Stück Land schaffen und dann Auswanderer herbeizuziehen suchen, Beamte anstellen und Garnisonen errichten -, dass ich meine frühere Abneigung gegen diese Art von Kolonisation […] heute noch nicht aufgegeben habe. […] Etwas ganz anderes ist die Frage, ob es zweckmäßig, und zweitens, ob es die Pflicht des Deutschen Reiches ist, denjenigen seiner Untertanen, die solchen Unternehmungen im Vertrauen auf des Reiches Schutz sich hingeben, diesen Reichsschutz zu gewähren und ihnen gewisse Beihilfen in ihren Kolonialbestrebungen zu leisten, um denjenigen Gebilden, die aus den überschüssigen Säften des gesamten deutschen Körpers naturgemäß herauswachsen, in fremden Ländern Pflege und Schutz angedeihen lassen. Und das bejahe ich, allerdings mit weniger Sicherheit vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit – ich kann nicht voraussehen, was daraus wird -, aber mit unbedingter Sicherheit vom Standpunkte der staatlichen Pflicht. Ich kann mich dem nicht entziehen. Ich bin mit einem gewissen Zögern an die Sache herangetreten, und ich habe mich gefragt: Womit könnte ich es rechtfertigen, wenn ich diesen hanseatischen Unternehmern […] sagen wollte: Das ist alles sehr schön, aber das Deutsche Reich ist dazu nicht stark genug, es würde das Übelwollen anderer Staaten auf sich ziehen, es würde […] in unangenehme Berührung mit anderen kommen, es würde „Nasenstüber“ bekommen, für die es keine Vergeltung hätte; dazu ist unsere Flotte nicht stark genug! […] Aber ich muss sagen, dass ich als der erste Kanzler des neu geschaffenen Reichs doch eine gewisse Schüchternheit empfand, eine Abneigung, mich so auszusprechen, und selbst wenn ich an diese unsere Schwäche und Unfähigkeit geglaubt hätte, ich würde mich geniert haben, den Hilfe suchenden offen zu sagen: Wir sind zu arm, wir sind zu schwach, wir sind zu furchtsam, für euren Anschluss an das Reich euch Hilfe vom Reich zu gewähren. Ich habe nicht den Mut gehabt, diese Bankrotterklärung der deutschen Nation auf überseeische Unternehmungen den Unternehmern gegenüber als Reichskanzler auszusprechen.

Auszüge zitiert nach: W. Lautermann, M. Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Das bürgerliche Zeitalter, München 1980, S. 471.

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