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Quellenverweise

Schlacht im Teutoburger Wald (Varusschlacht)

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In der Schlacht im Teutoburger Wald (auch Varussschlacht) im Jahr 9 n. Chr. erlitten die römischen Legionen unter Führung des Publius Quinctilius Varus gegen die Germanen eine vernichtende Niederlage. Damit endeten zugleich die römischen Bemühungen, die rechtsrheinischen Gebiete Germaniens in ihr Reich einzugliedern. Über die historische Schlacht berichtete der römische Historiker Velleius Paterculus in seinem Werk „Historia Romana“ (2, 117 ff):

Schlacht im Teutoburger Wald

Der Caesar [Tiberius] hatte gerade die letzte Hand an den pannonischen und dalmatischen Krieg gelegt, da brauchten innerhalb von fünf Tagen nach Vollendung eines so gewaltigen Werkes Unheilsbriefe aus Germanien die Nachricht von dem Tode des Varus und der Niedermetzelung dreier Legionen und ebenso vieler Reitergeschwader sowie von sechs Kohorten. Nur darin schien uns das Schicksal gnädig zu sein, daß sich nicht, während der Feldherr beschäftigt war [die Pannonier niederzuwerfen, die siegreichen Germanen mit ihnen verbanden]. Doch die Sache und die Person des Feldherrn fordert ein Verweilen.

Quintilius Varus, aus einer mehr bekannten als vornehmen Familie, war ein Mann von mildem Wesen, ruhigem Charakter, an Körper und Geist wenig regsam, mehr an das Nichtstun im Lager als an wirklichen Kriegsdienst gewöhnt. Wie wenig er übrigens das Geld verachtete, zeigte er in Syrien, dessen Statthalter er gewesen war. Arm kam er in die reiche Provinz, und reich ging er aus der armen fort. Als er das Heer in Germanien befehligte, bildete er sich die Meinung, daß die Bewohner Menschen seien, die außer der Stimme und den Gliedern nichts von Menschen an sich hätten, und daß sie, die durch das Schwer nicht unterworfen werden konnten, durch das Recht gefügig gemacht werden könnten. Mit diesem Vorsatz drang er mitten in Germanien ein und verlor – wie unter Menschen, die sich der Süßigkeit des Friedens freuen – die Zeit für den Sommerfeldzug mit Rechtsprechen und förmlichen Verhandlungen als Gerichstherr. Die Barbaren aber – man sollte es kaum glauben, wenn man es nicht erlebt hätte -, ein Menschenschlag, der bei größter Wildheit äußerst verschlagen und zum Lügen geboren ist, führten zum Schein ganze Reihen erfundener Rechtshändel: bald luden sie einer den anderen zur Prozeßhandlung, bald sprachen sie [dem Varus] ihren Dank dafür aus, daß diesen Zänkereien die römische Rechtspflege ein Ende machte und daß ihre Wildheit durch die neue und unbekannte Einrichtung gebändigt würde. […]

So verleiteten sie den Quintilius zu äußerer Sorglosigkeit, bis zu einem solchen Grade, daß er wähnte, er spreche als Praetor in Rom auf dem Forum Recht und nicht, er kommandiere ein Heer mitten in Germanien! Da benutzte ein junger Mann von vornehmer Abkunft, persönlicher Tapferkeit, rascher Auffassung und einer genialen Klugheit, die jenseits der Begabung eines Barbaren liegt, die Stumpfheit des Feldherrn zur Ausführung seines Frevels. Er hieß Arminius, war der Sohn des Segimer, eines Fürsten aus diesem Stamme. Schon sein Gesichtsausdruck und seine Augen verrieten das Feuer seines Geistes. Er war ein ständiger Begleiter auf unserem früheren Feldzuge gewesen und hatte sogar nach dem Recht des römischen Staates die Würde eines Ritters erlangt. Treffend erkannte er, daß niemand schneller überwältigt wird als der, der nichts Schlimmes ahnt, und daß meistens der Anfang des Unglückes die Sorglosigkeit ist. Daher macht er anfangs nur wenige, dann mehrere zu Vertrauten seines Planes. Er behauptet und überzeugt sie, daß die Römer überwältigt werden könnten, er läßt seinen Entschlüssen bald die Tat folgen und setzt den Zeitpunkt für den Überfall fest. Dies wurde dem Varus durch Segestes, einen treuen und angesehenen Mann dieses Stammes, verraten. Doch trat schon das Verhängnis der klaren Überlegung in den Weg; hatte es doch alle Schärfe seines Geistes stumpf gemacht […] Varus versagte daher der Botschaft den Glauben und erklärte gegenüber dem Anschein von Wohlwollen gegen ihn, er würdigte dies nach Verdienst. […]

Den Ablauf der furchtbaren Katastrophe, der schwersten, die Rom nach dem Fall des Crassus bei den Parthern im fremden Lande erlitten hat, werde ich, wie schon andere vor mir, in einem besonderen Werke darzustellen versuchen, wie sie es verdient; hier kann ich nur die Hauptsache mit Wehmut berichten. Das beste Heer von allen, das an Manneszucht, Tapferkeit und Kriegserfahrung unter den römischen Truppen das erste war, geriet durch die Stumpfheit seines Führers, die Tücke des Feindes und die Mißgunst des Schicksals in die Falle. Und da den Truppen nicht einmal ungehindert Gelegenheit gegeben wurde, zu kämpfen oder vorzurücken, soweit sie es wollten, ja, sogar einzelne schwer bestraft wurden, weil sie römische Waffen gebraucht und römischen Mut gezeigt hatten, ward es eingeschlossen durch Wälder, Sümpfe und Hinterhalt, bis zur Vernichtung von dem Feinde niedergehauen, den es stets wie das Vieh mit so unbeschränkter Gewalt niedergemetzelt hatte, daß über dessen Leben oder Tod bald der Zorn, bald die Gnade entschied. Der Feldherr hatte mehr Mut zum Sterben als zum Kämpfen, denn nach dem Vorbilde seines Vaters und Großvaters stürzte er sich selbst in das Schwert. […] Die Leiche des Varus, die halb verbrannt war, hatte die Rohheit des Feindes zerfleischt. Sein Kopf wurde abgehauen und dem Marbod überbracht, von diesem jedoch an den Kaiser gesandt.

Zitiert nach: Velleius Paterculus, Römische Geschichte 2, 117 ff, übersetzt von W. Capelle, in: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen. Altertum, München 1975, S. 576 f. 

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