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Quellenverweise

Aristoteles: Kleisthenische Reformen

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Die Kleisthenischen Reformen gelten als Wegbegründer der Athenischen Demokratie im 5. Jhd. v. Chr. Nach dem Sturz der Tyrannis und dem Sieg der Athener in den Perserkriegen konnte sich das neue politische System, das die Bevölkerung durch die Aufteilung in Phylen gerechter mitbestimmen ließ, in seiner Blüte entfalten. Der griechische Philosoph Aristoteles berichtete in seinem Werk „Staat und Verfassung der Athener“ (21 ff.) über die Leistungen des Kleisthenes:

Aristoteles: Die Kleisthenischen Reformen

. […] Wie er nun Vorsteher des Volkes geworden war im vierten Jahre nach der Vertreibung der Tyrannen […], da teilte er als erstes das ganze Volk in zehn Phylen ein statt der vier, mit der Absicht, sie zu vermischen und mehr Leute an den Bürgerrechten teilnehmen zu lassen. […] Ferner erhöhte er die Zahl der Ratsmitglieder von 400 auf 500, 50 aus jeder Phyle. Damals waren es je 100. Darum teilte er auch nicht in zwölf Phylen ein, um sie nicht in die schon bestehenden Drittelungen aufteilen zu müssen. Denn die vier Phylen hatten sich in zwölf Drittelungen gegliedert, so daß auf diese Weise die Vermischung des Volkes gar nicht zustande gekommen wäre. Er teilte auch das Land nach Demen in 30 Teile auf, zehn um die Stadt herum, zehn an der Meeresküste, zehn im Landesinneren, und diese Teile nannte er nun Drittelungen und teilte durchs Los jeder der zehn Phylen drei Demen zu, damit jeder einen Anteil an allen drei Gegenden hätte. Alle, die auf demselben Demengebiet wohnten, machte er zu Demengenossen, damit sie sich in Zukunft nicht nach den Vatersnamen benannten und damit die Neubürger zu erkennen gäben, sondern nach den Demen. Und so nennen sich denn die Athener nach ihren Demen. Er setzte auch Demenvorsteher ein, die dieselbe Aufgabe hatten wie früher die Schiffshauptleute. Denn die Demen traten an die Stelle der Schiffseinheiten. Die Namen der Demen wählte er teils von den Örtlichkeiten, teils von deren Gründern. Denn nicht alle Demen befanden sich an bezeichneten Orten. Die Geschlechter, Bruderschaften und Priestertümer ließ er der Tradition gemäß bestehen. Den Phylen gab er die Namen nach 100 ausgewählten Athenern, aus denen dann die Pythia zehn bezeichnete.

22. Auf Grund dieser Veränderungen wurde die Verfassung viel demokratischer als diejenige Solons. Die Solonischen Gesetze waren in der Zeit der Tyrannis verschwunden, dadurch, daß sie eben nicht mehr angewandt wurden, und Kleisthenes erließ neue Gesetze im Interesse der Menge. […] Im fünften Jahre nach diesem Umsturz […] wurde dem Rate der Fünfhundert zum ersten Male jener Schwur vorgelegt, den sie auch jetzt noch schwören. Dann wurden auch die Heerführer [Strategen] nach den Phylen gewählt, einer aus jedem Stamme, und der Anführer des gesamten Heeres wurde der Kriegsherr [Polemarchos]. […] Dann ließen sie zwei Jahre lang die Verhältnisse ruhen. Und dann, da das Volk bereits seiner sicher geworden war, wandten sie zum ersten Male das Gesetz über den Ostrakismos an, das wegen des Mißtrauens gegenüber den Mächtigen gegeben worden war, da ja Peisistratos sich zum Tyrannen gemacht hatte, als er Volksführer und Herrführer gewesen war. Als erster wurde unter seinen Verwandten durch den Ostrakismos Hipparchos verbannt […];

Kleisthenes hatte auch vor allem seinetwegen das Gesetz erlassen, weil er ihn verbannen wollte. Denn die Athener ließen sonst die Freunde der Tyrannen, soweit sie sich nicht in den Unruhen aktiv vergangen hatten, in der Stadt wohnen, dies mit der gewohnten Nachsicht des Volkes. Der Anführer dieser Freunde war Hipparchos. Gleich im nächsten Jahre wurden unter Telesinos nach Phylen die neun Archonten durchs Bohnenlos bestimmt. Sie wurden zum erstenmal nach der Tyrannis ausgelost aus den 500 Kandidaten, die die Bewohner der Demen bestimmt hatten. Früher geschah das alles durch Wahl. Dann wurde Megakles, der Sohn des Hippokrates, aus Alopeke verbannt. Während dreier Jahre also verbannten sie durch den Ostrakismos die Freunde der Tyrannen, um derentwillen das Gesetz ja gegeben worden war. Im vierten Jahre danach beseitigten sie auch jene, die unter den andern allzu mächtig zu sein schienen.

Auszüge zitiert nach: Aristoteles, Politik und Staat der Athener 21ff, übersetzt von O. Gigon, in: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Altertum, München 1975, S. 160-161.

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