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Quellenverweise

Dolchstoßlegende

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Nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurde das Deutsche Kaiserreich durch die Novemberrevolution gestürzt und in eine Demokratie umgewandelt. Ehemalige Vertreter der OHL riefen unmittelbar danach die Dolchstoßlegende, die die Sozialdemokratie für die Kriegsniederlage verantwortlich machte, ins Leben. Damit begünstigten sie politischen Terror und bereiteten der Weimarer Republik einen schweren Anfang. Die Dolchstoßlegende diente den rechtsextremen Parteien für ihre Propaganda und schuf den Nährboden für den Aufstieg des Nationalsozialismus.

Erster Weltkrieg

Seitdem die USA infolge des uneingeschränkten U-Boot-Krieges 1917 in den Weltkrieg eingetreten waren, verschärften sich in der deutschen Bevölkerung die Forderungen nach Waffenstillstand. Trotz der Aprilstreiks und Friedensresolution des Reichstags führte die OHL den Krieg aber konsequent fort. Als die Kriegsniederlage kurz bevorstand, forderte die OHL die Reichsregierung am 29. September 1918 dazu auf, Vertreter der SPD in die Regierung zu lassen und die Verfassung durch die Oktoberreformen zu demokratisieren. Damit reagierte die OHL auf die Forderungen der USA, die Friedensverhandlungen nur unter dieser Bedingung zuließen. Auf diese Weise sollten die demokratischen Parteien in die Regierung eingebunden und für die Kriegsniederlage verantwortlich gemacht werden.1

Dolchstoßlegende

Nach der Novemberrevolution 1918 schloss SPD-Politiker Friedrich Ebert mit General Wilhelm Groener einen Pakt, um linksextremistische Aktivisten und den Spartakusaufstand niederzuschlagen. Dieses Bündnis mit ehemaligen Vertretern der OHL hatte zur Folge, dass völkische und rechtsextreme Kräfte im Staatsapparat der Weimarer Republik erhalten blieben. Im November 1919 machte Paul von Hindenburg die Dolchstoßlegende bei einem „Untersuchungsausschuss für Kriegsschuldfragen“ bekannt [Quelle]. Er schob die Niederlage damit den Sozialdemokraten zu, weil diese die Novemberrevolution ausgelöst hätten. Die deutschen Soldaten seien im Feld unbesiegt gewesen und „von hinten erdolcht“ worden. Die OHL hatte aber seit 1916 in Form einer Militärdiktatur geherrscht, praktisch keine innere Opposition zugelassen und die Regierungsgeschäfte selbst den Sozialdemokraten übergeben.2

Folgen

Die Dolchstoßlegende wurde der Weimarer Republik von Beginn an zum Verhängnis. Begünstigt wurde die Glaubwürdigkeit dieser These durch die politische und wirtschaftliche Krisenzeit zwischen 1919 und 1923. Der Versailler Vertrag schob Deutschland die alleinige Schuld am Kriegsausbruch zu und verpflichtete zu hohen Reparationszahlungen an die Siegermächte. Unter diesem Umständen fand die Dolchstoßlegende in nationalistisch-bürgerlichen Kreisen breite Zustimmung. Die demokratischen Politiker wurden als „Novemberverbrecher“ bezeichnet. Da weiterhin ehemalige Vertreter der OHL in Verwaltung, Polizei und Justiz der Weimarer Republik bleiben konnten, war die Demokratie zum Scheitern verurteilt. Nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 schuf die Unzufriedenheit mit dem politischen System – auf Grundlage der Dolchstoßlegende – den Nährboden für den Aufstieg des Nationalsozialismus.3

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